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Sorge vor einem neuen Corona-Herbst​ in Wermelskirchen

Pandemie in Wermelskirchen : Sorge vor einem neuen Corona-Herbst

Insgesamt 20 positive PCR-Tests zählte Hausarzt Tobias Hopff am Montag in seiner Praxis. Die Inzidenz gehe deutlich nach oben, sagt er. Das bestätigt auch der Kreis. Die Empfehlung des Mediziners Hopff: Maske tragen! Maske tragen!

Halsschmerzen und Abgeschlagenheit: Immer mehr Patienten von Hausarzt Tobias Hopff klagen über Corona-Symptome. „Es geht inzwischen weniger um Husten“, sagt er, „aber viele Patienten sind total platt.“ Wer schon einen positiven Schnelltest gemacht hat, wird in der Dabringhausener Praxis dann per PCR getestet. 20 Tests am Montag seien positiv gewesen. „Die Inzidenz steigt und steigt“, sagt Hopf. „ich darf gar nicht an Herbst und Winter denken.“

Die steigenden Zahlen bestätigt auch der Rheinisch-Bergische Kreis. Zwar werde die Inzidenz weiterhin nicht „kommunenscharf“ erhoben. Die kreisweite Inzidenz werde aber natürlich weiter berechnet und auch bekannt gegeben, erklärt Nina Eckhardt von der Pressestelle. Und dort zeigt sich: Ende Mai gab es ein vorläufiges Minimum der Sieben-Tage-Inzidenz von 238. Seither steigen die Zahlen: auf 892 am 24. Juni – seitdem geht es etwas bergab. Zur Zeit herrsche im Kreisgebiet ein diffuses Infektionsgeschehen vor, das auf unterschiedliche Gründe zurückzuführen sei, heißt es beim Kreis. „Unter anderem auf Reiseaktivitäten, auf geöffnete Veranstaltungen und vermehrte öffentliche Angebote und private Aktivitäten“, erklärt Nina Eckhardt auf Nachfrage. Diese Beobachtung macht auch Tobias Hopff: Die 17-Jährigen, die mit positivem Schnelltest in die Praxis kommen, sind gerade meistens frisch aus Mallorca zurückgekehrt.

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„Und es gibt immer mehr Patienten, die dieses Jahr schon zweimal an Corona erkrankt sind“, sagt Hopff. Die neue Omikron-Variante erwischt viele Patienten, die bereits unter der ersten Omikron-Variante gelitten haben. Es sei fast wie ein neues Virus. Insgesamt allerdings beobachtet Hopff keine so schwerwiegenden gesundheitlichen Probleme bei Corona-Erkrankten. Auch wenn er inzwischen den Eindruck habe, die Variante Omikron BA.5 mache die Menschen „etwas mehr“ krank – viele müssen sich ein paar Tage im Bett erholen. „Die Konsequenz: Im Moment fallen wieder vermehrt Patienten am Arbeitsplatz wegen einer Corona-Erkrankung aus“, sagt Hopff und blickt besorgt Richtung Herbst und Winter.

Mit den steigenden Zahlen wächst in der Praxis auch wieder die Nachfrage nach Impfungen: „Ich empfehle die Viertimpfung für Patienten ab 70, aber auch schon über 60 und für chronisch Kranke“, sagt Hopff. Allen anderen stelle er es frei, ob sie die Viertimpfung wünschen. „Wir wissen inzwischen, dass uns die Impfung zwar nicht vor einer Infektion schützt, aber vor einem schweren Verlauf“, erinnert er. Der neue Omikron-Wirkstoff berge die Hoffnung, dass er künftig auch Infektionen verhindern könne. Also mit der Viertimpfung lieber auf den neuen Impfstoff warten? „Nein“, sagt Hopff, „den Impfstoff wird es frühestens in ein paar Monaten gebeten.“ Bis dahin könne der aktuelle Impfstoff seine Arbeit bereits tun.

Sorgen macht sich der Hausarzt auch um die Grippezahlen: Zwei Jahre in Folge sei die Grippewelle ausgefallen. „Wegen Impfungen, aber auch wegen des Maskentragens“, sagt er. Inzwischen tragen viele Menschen keine Masken mehr. „Ich gehe also davon aus, dass das Grippevirus seine Chance nutzen wird“, sagt der Hausarzt. Die Grippewelle beginnt gewöhnlich Anfang des Jahres.

Und was empfiehlt der Arzt, um der Corona-Welle – und der Grippe – etwas entgegenzusetzen? „Maske tragen, Maske tragen, Maske tragen“, sagt er. Vorsicht, Abstand und Hygieneregeln würden es dem Virus schwer machen. „Das gilt auch für den Urlaub“, sagt er. Er habe den Eindruck, dass das Virus in Flugzeugen häufig leichtes Spiel habe. „Urlauber sollten also sowohl am Flughafen als auch im Flugzeug Maske tragen“, sagt er, „das nervt vielleicht, aber das hilft.“ Das gelte auch für den Alltag: Es sei weiterhin wichtig, sich so gut wie möglich gegen das Corona-Virus zu schützen. Ähnlich klingt auch die dringende Empfehlung des Kreises: „Der Kreis rät weiterhin zu persönlicher Vorsicht und ungeimpften Personen dazu, sich immunisieren zu lassen.“