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Pause machen, aber anders: Poesie für Gesamtschüler

Ungewöhnliches Angebot für Jugendliche in Brüggen : Pause mit Poesie für Gesamtschüler

Den Unterricht einfach mal stören. Für zehn Minuten. In der Gesamtschule Brüggen ist das bis zu den Sommerferien an jedem Donnerstag in den Jahrgangsstufen 10, EF und Q1 möglich. Jede Störung ist geplant und pädagogisch sinnvoll – sie heißt „Poesie-Pause“.

Der Poet und Pädagoge Abdul Kader Chahin (29) steht vor Zehntklässlern der Gesamtschule Brüggen und ihrer Deutschlehrerin Petra Neikes. Caro Baum vom Kulturzentrum Zakk in Düsseldorf stellt ihn vor, dann geht es los: In sieben Minuten trägt Chahin in Stil des Poetry-Slams einen Text über Gewalt und Menschlichkeit, über die Freiheit der Gedanken vor. Die Schüler hören ihm  hochkonzentriert zu.

Den Unterricht einfach mal stören. Für zehn Minuten. In der Gesamtschule Brüggen ist das bis zu den Sommerferien an jedem Donnerstag in den Jahrgangsstufen 10, EF und Q1 möglich. Jede Störung ist geplant und pädagogisch sinnvoll – sie heißt „Poesie-Pause“. Vanessa Rokitta (in einer früheren Artikelversion stand irrtümlich Verena, die Redaktion), Lehrerin für Deutsch und Englisch, hat das Projekt initiiert. „Eine Unterrichtsreihe zu Lyrik stand an und ich suchte nach einem handlungsorientierten Zugang“, erklärte Rokitta. Sie entdeckte das Zakk, das die Poesie-Pause anbietet. Das Ziel: Die Jugendlichen für Kultur, für Schauspiel und Poesie zu sensibilisieren. Und laut Rokitta nachhaltiges Lernen und die Kooperation mit einem außerschulischen Lernort.

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Nach der poetischen Unterrichtsunterbrechung konnten die Schüler Fragen stellen. „Wie kommt man auf so einen Text?“ „Haben Sie selbst Gewalt erlebt?“ „Kann man davon leben?“ Chahin, sehr locker, zugewandt und freundlich, ging auf alle Fragen ein. Ja, Gewalt habe er selbst erlebt. Ausgang für den Text sei das Lied von Konstantin Wecker „Die Gedanken sind frei“ gewesen. Das, was er gerade gemacht habe, nenne man „Spoken Word“, die Basis des Poetry-Slams, und die sei immer ehrlich und selbst erlebt. Das Schreiben sei etwa bei Gedanken über die Gewalt zwar eine Belastung; aber sobald der Text auf dem Papier stehe, sei es auch eine Heilung. Und ja, man könne damit seine Brötchen verdienen, sogar mit Remoulade, Käse und Ei, wie er lachend sagte.

Alle Schüler, die die Poesie-Pause erleben, erhalten vom Zakk ein Poesiealbum – fürs eigene Schreiben, ohne Benotung. Sie sind aufgefordert, dort schriftlich das Erlebte zu reflektieren, vielleicht eigene Texte zu formulieren. Diese Poesiealben sind privat. Die Lehrer schauen, das versicherte Verena Rokitta, nicht hinein. Im besten Falle setzt sich die Poesie-Pause fort: In Literaturworkshops im Zakk in Düsseldorf oder, wenn das Interesse groß genug ist, auch in den Schulen selbst.

Nächste Woche wird die Poesie-Pause fortgesetzt. Wer kommt, weiß Vanessa Rokitta noch nicht: vielleicht ein Schauspieler, Autor, Slammer oder Rapper.