Solingen: Gräfrath – einziger Stadtteil mit Autobahn-Anschluss

90 Jahre Großstadt Solingen : Gräfrath – einziger Stadtteil mit Autobahn-Anschluss

Gräfrath ist der nördlichste und kleinste Stadtteil von Solingen. Lange Zeit zählte Gräfrath zu den bedeutendsten Städten im Bergischen Land.

Der Stadtteil hat durch das im 12. Jahrhundert gegründete Augustinnerinnenkloster, das bis zum 19. Jahrhundert Bestand hatte, große Bedeutung erlangt. Lange Zeit zählte Gräfrath zu den bedeutendsten Städten im Bergischen. Mit ein Grund dafür war auch, dass im 19. Jahrhundert in Gräfrath der weltberühmte Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw im Ort praktizierte.

Gräfrath hat seit 90 Jahren allerdings nicht mehr allein Bestand. Es bildet seit 1929 den kleinsten der insgesamt fünf Solinger Stadtteile. Ein Relikt aus der eigenständigen Vergangenheit ist immer noch das alte Gräfrather Rathaus, in dem heute das Kunstmuseum und das Museum für verfolgte Künste untergebracht sind. Bezirksbürgermeister Udo Vogtländer (SPD) würde sich wünschen, dass insbesondere für das Kunstmuseum jetzt einmal eine „richtige Lösung“ gefunden wird, damit das Haus auf Dauer auf solide finanzielle Füße gestellt werden kann. Die Beteiligungsgesellschaft Solingen (BSG) muss jetzt einmal mehr einen Betrag zuschießen. „Das Haus ist unterfinanziert, das ist sehr problematisch“, findet Vogtländer.

Dass Gräfrath 1929 Solingen zugeschlagen wurde, nimmt der Bezirksbürgermeister gelassen hin. „Eigentlich war Gräfrath mehr Wuppertal-Elberfeld zugewandt“, erzählt Udo Vogtländer. Ohnehin hat er keine Schwierigkeiten, in wenigen Sekunden die Vorzüge des Stadtteils hervorzuheben: „Gräfrath ist der einzige Stadtteil mit Autobahn-Anschluss.“

Auf dem Gelände des alten Bahnhofs an der Wuppertaler Straße soll ein Lebensmittel-Markt entstehen. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Was allerdings den Durchgangsverkehr über die Wuppertaler Straße und Roggenkamp erhöht. „20.000 bis 25.000 Auto täglich“, rechnet der 70-jährige Bezirksbürgermeister vor. Ein Nachteil, der gleichwohl hingenommen werden muss. Nicht hinnehmen will er aber, dass zu wenig Sozialwohnungen und zu wenig familiengerechte Wohnungen im nördlichsten Solinger Stadtteil vorhanden sind. „Hier müssen mehr Wohngebäude ausgewiesen werden“, fordert der Sozialdemokrat. Gräfrath sei aber geprägt von Einfamilienhäusern. Einzig die Spar- und Bauvereine sorgen für neue Wohngebäude.

Wie zuletzt noch der Spar- und Bauverein Solingen am Wasserturm. Auch diese Siedlung gehört zum Stadtteil. „Gräfrath beginnt hinter dem Schlagbaum. Der Botanische Garten am Vorgelsang, das Städtische Klinikum, selbst das neue Hallenbad Vogelsang an der Focher Straße liegt zur Hälfte in Gräfrath“, erklärt Udo Vogtländer. Und er erwähnt weiter den Lichtturm, die Fauna, vier Museen und, ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft, die Gäste aus aller Herren Länder anzieht. „Gräfrath leistet viel für die Stadt“, sagt der Bezirksbürgermeister und erwähnt ganz nebenbei die Gewerbegebiete Dycker Feld, Piepersberg und Fürkeltrath.

Kultur, Wohnen, Touristik und Gastronomie – die Umsetzung des städtebaulichen Rahmenplans von 1995 hat für Udo Vogtländer einen hohen Stellenwert. Der historische Stadtkern mit dem Marktplatz und der Gastronomie – „unsere gute Stube“ – ist für ihn der schönste Platz von Gräfrath: „Der Ortskern hat südländisches Flair. Er ist ein Kommunikationsplatz – wenn das Wetter mitspielt.“

Rundgang in Gräfrath: Bezirksbürgermeister Udo Vogtländer (l.) und Morgenpost-Redakteur Uwe Vetter vor dem Kunstmuseum. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Manche Dinge lassen sich allerdings nicht auf die Schnelle erledigen, obwohl das im Sinne des Bezirksbürgermeisters und der Gräfrather wäre. Beim Rundgang durch den Stadtteil blickt er auf den direkt neben der Korkenziehertrasse gelegenen Gräfrath Bahnhof. Von dem jedoch nichts mehr übrig ist. „Ein Investor will auf dem Gelände einen Lebensmittel-Vollsortimenter bauen mit einer Größenordnung von 2400 bis 2700 Quadratmetern“, erzählt Udo Vogtländer. Zurzeit sei aber nur wohnortnahe Lebensmittelversorgung auf einer Fläche von 900 Quadratmetern erlaubt.

Aber das ist nicht wirklich das Problem, zumal die Bezirksregierung hier eine Ausnahme erteilen könnte. Viele Dinge wie beispielsweise die Verlegung einer Pumpstation der Stadtwerke seien noch zu erledigen. „Und es gibt keinen Bebauungsplan, lediglich einen Aufstellungsbeschluss“, sagt Udo Vogtländer. Von daher würde er sich wünschen, wen die Pläne des Investors konkretisiert würden, zumal ja auch das Aufstellen einens Bebauungsplanes Zeit in Anspruch nimmt.

Ein Dauerthema ganz anderer Art sieht der Bezirksbürgermeister in dem rund 18.500 Einwohner zählenden Stadtteil in der nach wie vor ungelösten Parkplatzproblematik. Einige Korrekturen konnten hier vorgenommen werden, doch ein großer Wurf ist angesichts begrenzter Flächen nicht zu erwarten. Die ZDS mit ihren Schülern und Studenten allein für die Parkplatzproblematik verantwortlich machen, das lässt er nicht gelten .„Grundsätzlich wollen die Leute mit ihrem Auto bis vor die Tür fahren, sei es zur Wohnung oder in den gastronomischen Betrieb“, meint Udo Vogtländer.

Korrekturen und mehr Unterstützung von Seiten der Stadt würde er sich für Gräfrath allemal im kulturellen Bereich wünschen. Mit einem Gastspiel der Bergischen Symphoniker allein sei es nicht getan. Die Gräfrather selbst sind es, die Veranstaltungen im Stadtteil auf die Beine stellen. Von daher sagt Vogtländer mit Blick auf die Stadt: „Wir müssen im Kulturbereich aufpassen, dass wir nicht abgehängt werden“.