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Doktoranden-Seminar: Elfenbeinturm trifft Kommunalpolitik

Doktoranden-Seminar : Elfenbeinturm trifft Kommunalpolitik

Doktoranden mit einem Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung waren jetzt zu Gast im Rathaus. Gespräche zur Kommunalpolitik soll es dort künftig nämlich regelmäßig geben.

„Elfenbeinturm trifft Kommunalpolitik“ lautete das Motto eines gemeinsamen Experiments von Bürgermeister Martin Mertens und der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES). Ursula Bitzegeio, Referentin für Promotionsförderung bei der FES war jetzt mit 15 Doktoranden der Stiftung gut 24 Stunden lang in Rommerskirchen, und am Ende stand fest, dass die Premiere keine Eintagsfliege bleiben wird: „Rommerskirchener Gespräche zur Kommunalpolitik“ sollen jetzt Eingang ins offizielle FES-Programm finden.

Die Grundidee ist denkbar einfach: Tatsächlich oder eher vermeintlich praxisferne Nachwuchs-Wissenschaftler sollen einen Einblick in das zuweilen sehr kleinteilig-pragmatische, doch gleichwohl notwendige Geschäft der Kommunalpolitik bekommen. Den konnten sich die Doktoranden verschaffen, die gleichwohl nicht alle eine (kommunal-)politische Laufbahn anstreben.

Man muss auch keineswegs der SPD angehören, um ein Stipendium von der FES zu erhalten; wie zum Beispiel die unter anderem für das ZDF und den SWR tätige Journalistin Kinza Khan. „Natürlich bin ich politisch sehr interessiert, aber sozial engagiere ich mich lieber in anderen Organisationen“, sagt die Frankfurterin, die an der Uni Bamberg promoviert. Thema ihrer Doktorarbeit, die 2020 fertig sein soll, ist die viel diskutierte Berichterstattung der deutschen Mainstream-Medien zur Krim-Krise. Khan hat ihre Meinungsbildung noch nicht abgeschlossen: „Ich hoffe, dass ich zu dem Ergebnis komme, dass die Berichterstattung sehr heterogen war.“ Nicole Bärwald-Wohlfarth mischt derweil bereits in der Kommunalpolitik mit, dies jedoch in einer Großstadt wie Leipzig, wo die evangelische Theologin für die SPD im Stadtrat sitzt.

Auch wenn die Themen und Probleme in einer Großstadt andere Dimensionen haben, völlig unvergleichbar sind sie mit denen in Rommerskirchen nicht: Dies zeigen die von Bärwald-Wohlfarth genannten Themen wie Infrastruktur, Investionen und der ÖPNV, die in Leipzig vordringlich sind. Auch sie hat sich ein politisch brisantes Thema für ihre Dissertation gewählt. In der will sie nämlich der Frage nachgehen, ob die Juristen der evangelischen Kirche in der DDR tatsächlich so staatsnah waren, wie es nach der Wende behauptet wurde.

Die politikfernste Promotion strebt Erik Gengel an – wenngleich Physiker durchaus Politikerkarrieren machen können, wie die Beispiele von Angela Merkel und Oskar Lafontaine zeigen. Im Gegensatz zu diesen gehört der in Uni Potsdam studierende, gebürtige Usedomer der SPD an. Seinen Ortsverein auf Usedom würde er gern mehr unterstützen. Doch das Studium hat nun mal Vorrang und die Fahrt von Potsdam nach Usedom dauert sechs Stunden, wie Gengel zum Staunen vieler Teilnehmer berichtete. Er beschäftigt sich in seiner Doktorarbeit damit, wie für den Bereich von Biophysik und Medizin Modellbildungen mit Hilfe von Zeitreihen vorgenommen werden können, wobei die nicht-linerare Dynamik eine Rolle spielt.