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Rheinberg: Tafel braucht Geld für ein neues Auto

Aus dem Rheinberger Sozialausschuss : Tafel braucht Geld für neues Auto

Durch die Corona-Pandemie ist die Zahl der Kunden der Lebensmittelausgabestelle in Rheinberg um 20 bis 25 Prozent gestiegen. Mehr Menschen sind arbeitslos geworden oder sind in Kurzarbeit.

Aktuell betreut die Rheinberger Tafel 650 bedürftige Menschen. Rund 20 bis 25 Prozent mehr als noch vor Corona, berichtet Tanja Braun, ehrenamtliche Koordinatorin der Tafel in Rheinberg. Kurzarbeit, betriebsbedingte Kündigungen und Kinder, die im Distanzunterricht nicht mehr in der Schule zu Mittag essen, bringen mehr Haushalte in finanzielle Not, so dass diese das Angebot der Tafel in Anspruch nehmen müssen.  Und für das kommende Jahr sieht Braun keine Entspannung. „Ich rechne 2022 mit weiteren Firmeninsolvenzen und in der Folge mit weiteren neuen Tafel-Kunden“, lautet  ihre  Prognose.

Das aufgrund der Pandemie erhöhte Kundenaufkommen können die derzeit 30 ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter nur stemmen, weil es nach wie vor „Menschen gibt, denen es gut geht“, sagt die Tafel-Koordinatorin. Menschen, die mit Spenden von Grundnahrungsmitteln wertvolle Unterstützung leisten. „Aktionen wie auf dem Ossenberger Wochenmarkt, bei denen die Marktbesucher Sachspenden abgeben können, sind ungemein hilfreich für uns“, betont Tanja Braun.  Jede Spende zähle. Besonders, da seit ungefähr zwei Jahren die Spenden des Lebensmitteleinzelhandels zurückgegangen seien.  Den Grund sieht Braun in der Digitalisierung: Es werde besser kalkuliert, so dass weniger Ware übrig bleibe. Gut für die Umwelt, schlecht für die Tafel. Dann könne beispielsweise nur ein statt zwei Pakete Nudeln ausgeben werden. Und wenn es ganz schlecht laufe, müsse das Team auch Kunden ohne Lebensmittel nach Hause schicken. „Das fällt uns unglaublich schwer“, gibt Tanja Braun zu.

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Sorge bereitet der Rheinberger Tafel-Koordinatorin die steigende Anzahl alleinstehender Senioren, die auf das Angebot der Tafel angewiesen sind, aber die Ausgabestelle am Annaberg nicht mehr besuchen können. „Viele wohnen in den Ortsteilen und sind nicht mobil“, erläutert Tanja Braun.  Für diese Kunden möchte das Tafel-Team im Spätsommer einen Lieferservice einrichten. Doch für die Umsetzung benötigt die Rheinberger Tafel einen weiteren Pkw. Der alte „Zweitwagen“, der neben dem neuen Kühlfahrzeug noch immer im Einsatz war, hat nun endgültig den Geist aufgegeben. Ein neuer Wagen schlägt laut Braun mit etwa 13.000 Euro zu Buche. Einen Antrag mit Angabe der Gesamtkosten hatte Braun im Sozialausschuss eingereicht – ohne Angabe eines „gewünschten“ Förderbetrags, wie sie sagt. „Wir erwarten auf keinen Fall, dass uns die Stadt die volle Summe finanziert“, betont Tanja Braun nachdrücklich, „wir freuen uns, wenn wir eine Zusage über 1500 bis 2000 Euro bekommen.“  Die Anschaffung des Lieferfahrzeugs bestreitet die Tafel aus eigenen Ersparnissen sowie mit Hilfe eines Unternehmens, das das Projekt unterstützen möchte.