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Rheinberg: Starke Redekunst in der Manege

MAP-Lesebühne im Rheinberger Zirkuszelt : Starke Redekunst in der Manege

Sandra Da Vina, Sulaiman Masomi und Andy Strauß waren diesmal bei der MAP-Lesebühne dabei. Rund 150 Besucher amüsierten sich bei den Auftritten der drei Künstler.

Das Stimmungspendel schlug weit aus unter der Zirkuskuppel. Melancholisch, nachdenklich, oft schräg, aber überwiegend heiter bis höchst witzig, bis es am Schluss ein hanebüchen-groteskes, komplett durchgeknalltes Finale gab. Bei der MAP-Lesebühne am Pulverturm sorgten Sandra Da Vina, Sulaiman Masomi und Andy Strauß bei der neunten Ausgabe der MAP-Redekunst dafür, dass der Abend „rum ging wie nix“.

Anfangs mussten sich viele erst wieder daran gewöhnen: Kultur live, mit Publikum, mit Applaus – das hatte es so lange nicht mehr gegeben. Die letzte MAP-Veranstaltung sei das Zauberlehrling-Konzert am 24. Juli 2019 gewesen, sagte MAP-Vorsitzender Philipp Rott bei der Begrüßung. Er konnte es selbst kaum glauben: „Zwei Jahre ist das her. Wahnsinn.“

Lara Jackowiak, im MAP-Team die Fachfrau für die Lesebühne, ließ die rund 150 Besucher erst mal klatschen und jubeln üben. „Lasst alles raus, was ihr in den vergangenen zwei Jahren nicht rauslassen konntet“, forderte sie. „Gebt alles.“ Hat geklappt: Es wurde wahnsinnig laut im Zelt. Einen dicken Applaus gab es auch für den Circus Rondel, der das Zelt für diesen spontan angesetzten Abend gerne zur Verfügung gestellt hatte – keinesfalls selbstverständlich.

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Dann legten die drei Wortakrobaten los. Neuentdeckung des Abends war Sabrina Da Vina aus Essen. Sie machte sich Gedanken über Freundschaft und Freunde („Freunde sind Menschen, die dich mögen, obwohl sie dich kennen“), verarbeitete ihre Kindheit und Jugend an einem Trödelmarktstand und geriet über Liebe, Beziehungen und Trennungsschmerz ins Philosophieren. Da Vina hat es drauf: mal, geplaudert, mal gereimt, mal anrührend, mal komisch, immer gut.

Sulaiman Masomi mag es selbst­ironisch und sarkastisch. Immer wieder spielte der gebürtige Afghane auf seinen Migrationshintergrund an. „Wisst ihr, wie das ist, wenn man Sulaiman Masomi heißt und versucht, in Köln eine Wohnung zu finden?“ Als Pendler zwischen den Welten hat er seinen Raum gefunden und erwies sich als guter Beobachter. Sein Gedicht „Ein wahres Lügenmärchen“ ging unter die Haut.

Bei MAP-Dauergast Andy Strauß hat man nur eine Chance: Man muss ihn nehmen, wie er ist. Seine Performance ist schräg, verrückt, abgedreht, unberechenbar. Wie er als werdender Vater die selbst erdachte Folge „Bibi Blocksberg und das Wunder der Geburt“ mit der Stimme von Benjamin Blümchen vortrug – schreiend, erregt – das hatte dadaistische Züge. Am Ende improvisierte er ein überdrehtes Niederrhein-Karnevalslied. Er sang und hüpfte mit seinen beiden Partnern durch die Manege. Irrsinnig – aber gut.