Fechten : Noch Zittern um Olympia

Mit Platz vier haben die deutschen Säbelfechter um Vize-Weltmeister Nicolas Limbach bei der WM in Catania ihr Ziel einer Medaille knapp verpasst. Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 ist nach der 40:45-Niederlage gegen Italien noch nicht vollständig gesichert

Dormagen/Catania Olaf Kawald hatte im Büro am heimischen Höhenberg flugs den Taschenrechner ausgepackt nach der 40:45-Niederlage der deutschen Säbelfechter gegen die favorisierten Italiener im Kampf um die Bronzemedaille gestern Abend bei den Weltmeisterschaften im sizilianischen Catania. Nach ausgiebigem Studium der Weltrangliste stand für den Fechttrainer des TSV Bayer Dormagen das wichtigste Ergebnis fest: "Es müsste schon sehr viel schieflaufen, wenn die Jungs jetzt noch die Olympiafahrkarte verpassen sollten."

Im Klartext: Deutschland hat mit Rang vier im Mannschaftswettbewerb der WM seinen dritten Platz auf der Qualifikationsrangliste für London verteidigt, hat nun 58 Punkte Vorsprung vor den sechstplatzierten Südkoreanern, die in Catania nur Rang neun belegten. Um Deutschland aus den direkten Qualifikationsrängen zu katapultieren, "müssten die Koreaner schon die beiden bis zum Qualifikationsschluss anstehenden Weltcupturniere gewinnen und unsere Jungs gar nicht mehr punkten — das ist sehr unwahrscheinlich", meint Kawald.

Die Chance, alle theoretischen Zweifel an einer Olympiateilnahme zu beseitigen, hatte das deutsche Säbelquartett mit Vize-Weltmeister Nicolas Limbach, Max Hartung, Benedikt Wagner (alle Dormagen) und Björn Hübner (Tauberbischofsheim) im gestrigen Halbfinale mit einer 33:45-Niederlage gegen Russland verpasst, das damit eindrucksvoll Revanche nahm für die Europameisterschaften vor drei Monaten, als die Deutschen im Halbfinale mit 45:35 triumphiert hatten.

"Damals hat hat alles gepasst, gestern nicht", meinte Kawald. Ihrer vorherigen Aufgaben hatten sich die Schützlinge von Bundestrainer Vilmos Szabo hingegen souverän entledigt: Einem 45:29 über Venezuela folgte ein nicht minder souveräner 45:30-Sieg über die Ukraine, die sich etwas überraschend gegen Südkorea durchgesetzt hatte.

Damit machten Limbach und Co. den Einzug ins Halbfinale perfekt und stießen die Tür nach London ganz weit auf. Ausgesprochen dumm, dass sie nach ihrer Niederlage gegen Russland im Kampf um Platz drei dann nicht wie erwartet auf Weißrussland, sondern auf Italien trafen. Der WM-Gastgeber um Einzel-Weltmeister Aldo Montano hatte sich mit einem 45:42 (nach 38:40-Rückstand) über die USA ins Halbfinale gezittert, verlor dort trotz 30:22-Führung 43:45 gegen Weißrussland, auch, weil sich Luigi Tarantino in seinem Gefecht gegen Valery Pryiemka (3:10) verletzte.

Im Kampf um Platz drei waren die Italiener dann wieder top fit. Zwarzog Deutschland durch Björn Hübner mit 5:3 in Front. Doch schon nach fünf Gefechten führten die Gastgeber mit 25:19, bauten den Vorsprung zeitweise auf zehn Punkte aus. Weil Nicolas Limbach sein Gefecht gegen Giampiero Pastore jedoch mit 10:5 gewann und Hübner gegen Montano mit 4:0 in Führung ging, kamen die Deutschen noch einmal bis auf 38:40 heran. Dann aber spielte der Einzelweltmeister seine ganze Routine aus — und der Deutsche Fechterbund wartet weiter auf die zweite WM-Medaille nach Silber durch Nicolas Limbach.

(NGZ)