TSV Bayer Dormagen: Kein Vorwurf an die Mannschaft

TSV Bayer Dormagen : Kein Vorwurf an die Mannschaft

Von Volker Koch

Von Volker Koch

Sie gelten als der beste Doppelpack der Liga. Zusammen bringen es Joachim Kurth (35) und Matthias Reckzeh (31) auf 200 Kilogramm Körpergewicht, 393 Zentimeter Körperlänge und 25 Jahre Erfahrung im bezahlten Handball.

Zusammen brachten es beide Torhüter des TSV Bayer Dormagen am Mittwochabend auf acht gehaltene Bälle. Zu wenig, um die 36:38-Niederlage des Tabellenzweiten bei Zweitliga-Neuling TSG Münster zu verhindern.

Eine Niederlage, die die Dormagener empfindlich zurückwirft im Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga: Zwar bleiben sie auf dem zweiten Tabellenplatz, doch von Rang 13, den der TV Willstätt mit 9:9 Punkten innehat, trennen sie gerade mal vier Zähler. "Wer auswärts 36 Tore erzielt, sollte eigentlich nicht verlieren". Man muss kein diplomierter Handball-Lehrer wie Kai Wandschneider sein, um diese Feststellung zu treffen.

Der Bayer-Trainer wollte deshalb auch "der Mannschaft als Ganzes keinen Vorwurf machen: Wir haben gekämpft und nie aufgegeben." Doch drei Gründe hätten am Ende den Ausschlag gegeben. Erstens: "Wir sind ähnlich wie in Balingen in der ersten Viertelstunde von Gegenstößen regelrecht überrannt worden, weil wir nicht von Anfang an auf der Platte standen." Tatsächlich lag der TSV nach sieben Minuten bereits mit 3:7, nach einer Viertelstunde mit 6:13 im Hintertreffen, weil im Angriff zu viele Bälle "weggeworfen" wurden und die Deckung kaum Gelegenheit hatte, sich zu formieren. Zweitens.

"Wir konnten den Ausfall von Peter Sieberger nicht kompensieren." Der 30-Jährige hatte sich erst am Morgen des Spiels mit einem Muskelfaserriss abgemeldet. Ohne ihn bekommt Bayer seine 4:2-Deckung nicht dicht - und die 6:0-Variante, auf die Wandschneider nach zwölf Spielminuten umstellte, ist nicht gerade die Abwehr, die Dormagen stark macht. Wandschneider erinnert das an die ersten Saisonspiele, in denen der Kapitän ebenfalls fehlte: "Da ließ unsere Abwehrleistung gleichfalls zu wünschen übrig."

Seine Forderung: "Eigentlich müssten wir jetzt personell nachlegen, brauchten einen erfahrenen Spieler, um das auszugleichen", wird angesichts des knapp kalkulierten Etats kaum zu erfüllen sein. Was jedoch Erfahrung ausmacht, zeigte auf der Gegenseite Steffen Weber: Der 80-fache Nationalspieler ergriff, als es nach Bayers Aufholjagd bis zum 23:24 (39.) und Überzahl der Gäste eng zu werden drohte, einfach alleine die Initiative und warf Münster mit zwei Einzelaktionen wieder mit 26:23 in Front.

Genau so ein Spieler fehlt den Dormagenern, deren zehn Feldspieler am Mittwoch ein Durchschnittsalter von 23,7 Jahren hatten. Zum Vergleich: Der "Neuling" TSG Münster brachte es auf 29,3 Jahre. Bayers erfahrenste Akteure stehen im Tor. Und ausgerechnet die patzten am Mittwochabend. Kurth hielt zwischen der 12. und 31. Minute sechs Bälle, Reckzeh einen in der vierten und einen in der 42. Minute - das war's. Ihr etwas schwergewichtiger und kurzatmiger Kollege Konrad Bansa brachte es auf immerhin 13.

Das war der Unterschied: "Halten sie fünf, sechs Bälle mehr, gewinnen wir trotz der anderen Probleme", sagt Wandschneider und geht mit den Keepern hart ins Gericht: "So leid es mir tut, aber in der zweiten Halbzeit waren sie ein Totalausfall." Eigentlich erstaunlich: Reckzeh, der mitten in Vertragsverhandlungen mit dem TSV steckt, war eine Woche zuvor beim Pokalsieg über Wetzlar der strahlende Held. Kurth hielt beim 28:23-Sieg über Oßweil zumindest überzeugend. Möglich, dass bei dem 35-Jährigen die Doppelbelastung als Marketingbeauftragter des TSV besonders bei Wochenspielen ihre (mentalen) Spuren hinterlässt.

Für Wandschneider ist klar: "Wir dürfen sie jetzt nicht verteufeln, wir müssen sie bis Samstag wieder aufbauen. Denn wenn wir ohne Peter Sieberger gegen Aue gewinnen wollen, brauchen wir eine überdurchschnittliche Torhüterleistung.". Auf dem Feld, wo er an Nils Meyer ("geil gespielt"), Torge Johannsen ("erfreuliche Entwicklung") und David Breuer ("gute Würfe und Anspiele") gute Noten verteilte, hat er zwei Sorgenkinder ausgemacht.

Michiel Lochtenbergh hat nach seiner Verletzungspause Probleme, den Anschluss zu finden, ist auswärts eigentlich immer ein Unsicherheitsfaktor.Den stellte am Mittwoch auch Florian Wisotzki dar, "der war mental gar nicht vorhanden", stellte Wandschneider fest. Wer aufsteigen will, kann sich das nicht leisten. Zur Sache: Erfahrung fehlt

(NGZ)
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