Erschreckend schwache Leistung im Abwehrverband: So wird’s nichts mit dem Aufstieg

Erschreckend schwache Leistung im Abwehrverband : So wird’s nichts mit dem Aufstieg

Von Volker Koch

Handballspiele, Meistertitel und vor allem Aufstiege gewinnt man in der Abwehr - doch von einer solchen war beim TSV Bayer Dormagen am Mittwoch Abend nichts zu sehen. Folgerichtig verlor der Tabellenzweite sein Gastspiel bei Neuling TSG Münster vollauf verdient mit 36:38 (Halbzeit 16:21).

Auch bei Spielmacher Alexander Koke (am Ball) wechselten sich bei der 36:38-Schlappe des Handball-Zweitligisten TSV Bayer Dormagen am Mittwoch Abend in Münster Licht und Schatten ab. NGZ-Foto: Archiv

Und wenn Trainer Kai Wandschneider nicht ganz schnell etwas gegen die chronisch zu werdende Auswärtsschwäche seiner Schützlinge einfällt, hat sich das Thema Aufstieg für den TSV Bayer vielleicht schon am Ende der Hinrunde erledigt. Denn bis dahin warten auf die Dormagener noch sieben Partien in fremden Hallen - und dort haben sie in dieser Saison erst einmal überzeugt: im ersten Spiel beim TV Kornwestheim. Am Mittwoch boten sie vor allem in der ersten Halbzeit eine erschreckend schwache Leistung im Abwehrverband, die auch das verletzungsbedingte Fehlen von Peter Sieberger nicht entschuldigen kann. 21 Gegentore in einer Halbzeit hat der TSV noch nie in einem Meisterschaftsspiel hinnehmen müssen.

Auch nicht beim Debakel in Balingen, an das die Partie am Mittwoch über weite Strecken erinnerte. Mit zwei Unterschieden: Münster besaß nicht die spielerische Klasse des Spitzenreiters und Bayer nutzen diese Schwächen, um sich zwei Mal wieder an die Hausherren heran zu kämpfen. Doch ganz ehrlich: einen Punkt oder gar einen Sieg hätten die Dormagener am Mittwoch Abend auch nicht verdient gehabt. 4:8 lagen die Gäste nach zehn Minuten schon im Hintertreffen, als Trainer Wandschneider reagierte und seine offensive Abwehrformation auf eine 6:0-Deckung umstellte und Joachim Kurth für den bis dahin nur einmal erfolgreichen Matthias Reckzeh zwischen die Torpfosten schickte.

Zunächst ohne Erfolg, denn Münster zog bis zur 15. Minute auf 13:6 davon, weil Dormagens Deckung nicht einen Ball erobern konnte. Erst als Kurth etwas besser ins Spiel fand und drei Würfe von Eryk Kaluzinski und Ziad Rejab hielt, schien Bayer die Wende schaffen zu können. Koke mit zwei Siebenmetern brachte den TSV Bayer Dormagen beim 10:13 und 11:14 (20.) erstmals bis auf drei Tore heran. Doch was die Deckung nun an Nuancen stärker wurde, zerstörte der Angriff wieder mit zu vielen Ballverlusten.

Die Parallele im zweiten Durchgang: Erst lässt Bayer die Hausherren bis auf 24:19 (36.) davonziehen, dann kämpfen sich die Gäste innerhalb von nur drei Minuten bis auf ein Tor heran (23:24/39.). Da schien die Wende zum Guten möglich, doch jetzt patzte wieder die Deckung, ließ Ex-Nationalspieler Steffen Weber sich zwei Mal in Unterzahl eins gegen eins durchsetzen, so dass Münster nach 40 Minuten wieder 26:23 in Front lag. Eine Führung, die der Neuling in der immer hektischer werdenden Partie mit einer Fülle unverständlicher Schiedsrichter-Entscheidungen nicht mehr aus der Hand gab.

Im Gegenteil: Münster zog wieder bis auf 32:26 (48.) davon. Unter anderem auch weil beide Dormagener Torhüter im zweiten Durchgang ganze zwei Bälle abwehrten. Ihr schwergewichtiger Kollege Konrad Bansa meisterte dagegen acht Dormagener Würfe - das war der entscheidende Unterschied für die zweite Niederlage dieser Saison. Da Sieberger wieder länger auszufallen droht, dürfte es nicht die letzte gewesen sein.

(NGZ)
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