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Diskussion über E-Sports beim Sportbund Rhein-Kreis Neuss

E-Sports : Auf der Suche nach der Rolle von E-Sports

Der Kreissportbund Rhein-Kreis Neuss bat sechs Experten zu einer Diskussion über das Streitthema. Ob E-Sports nun Sport ist oder nicht, darüber wurde keine Einigkeit erzielt. Eine Fortsetzung soll folgen.

Geschlossene Sportstätten sind wegen Corona auch außerhalb der Ferien keine Seltenheit mehr, ab Montag wieder für einen Monat. Viele Kinder und Jugendliche wenden sich dennoch einem Thema zu, das mit Sport zu tun hat, aber vom Sofa aus gespielt werden kann. Die Rede ist von E-Sports – also Computerspiele als Wettkampf. Genau diesem Thema hat sich nun der Sportbund Rhein-Kreis Neuss in seiner zweiten Ausgabe von „Sport im Dialog“ gewidmet. Mit sechs Experten diskutierte Gastgeber Hermann-Josef Baaken nun verschiedene Aspekte des umstrittenen Hobbys.

Zu Beginn galt es, eine grundlegende Frage zu erläutern: Was ist überhaupt E-Sports? Schnell stellte sich heraus: Eine konkrete Definition gibt es nicht. Es wird leidenschaftlich über die Frage diskutiert, welche Spiele zum E-Sports gezählt werden dürfen. Die einen sagen, dass man nur Sport-Spiele hinzuzählen darf, andere sind davon überzeugt, dass es auf den Inhalt der Spiele nicht ankommt, sondern das der Wettkampfcharakter im Vordergrund steht.

„Für mich ist E-Sports definitiv ein Sport“, sagt Nikolas Ehm, Lehrer am Gymnasium Norf. Schon seit vier Jahren ist eine Arbeitsgemeinschaft an der Schule etabliert. Inzwischen konnte in der Disziplin „League of Legends“ sogar die Deutsche Schülermeisterschaft geholt werden. Seine Schüler, so Ehm, hätten dies nicht geschafft, wenn sie sich nicht detailliert mit den Taktiken der gegnerischen Mannschaft auseinandergesetzt hätten. Dies stellt Ehms Meinung nach eine Parallele zu etablierten Sportarten dar. Die Gegenposition nahm Jens Wortmann ein. Der Vorsitzende der Sportjugend NRW zeigte klare Kante: „E-Sports ist kein Sport“. Jedoch fügte er hinzu, dass es dennoch ein Thema sei, mit dem es sich zu befassen gelte. Daher startet nun ein Pilotprojekt, das zwölf Sportvereine beim Aufbau einer E-Sport-Abteilung unterstützt. Der TSV Norf konnte sich bei einem Bewerbungsverfahren gegen 60 Mitbewerber durchsetzen und sich nun auf finanzielle Unterstützung wie auch Hilfe bei der Qualifikation von Trainern freuen. Andere Vereine, wie beispielsweise der TuS Hackenbroich, bieten schon jetzt E-Sports-Teams an.

E-Sports in Sportvereinen zu etablieren sei von großer Relevanz, wie Umut Ali Öksüz, Trägervorstand der Interkulturelle Projekthelden und des Jugendzentrums „Das InKult“, sowie Venka Koglin, Vorsitzende der Sportjugend, erklärten. Den Schülern müsse dennoch ein gewisser Rahmen gegeben werden, in denen die negativen Aspekte einiger Computerspiele aufgezeigt werden: Kommerzialisierung, Suchtpotential und Gewaltdarstellung. Einige Spiele sind beispielsweise darauf ausgelegt, den Spieler für sehr lange Spielzeiten zu belohnen und erhöhen so das Suchtpotenzial. Andere Spiele können nur erfolgreich gespielt werden, wenn man hohe Summen investiert.

„Ich hätte mir eine kontroversere Debatte gewünscht, fand die Diskussion im Großen und Ganzen aber sehr gelungen“, resümierte Jens Wortmann im Nachgang die Veranstaltung. Baaken kündigte eine weitere Debatte an, in der auch Kinder und Jugendliche, die selbst E-Sports betreiben, zu Wort kommen sollen.