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Vereinssport Mönchengladbach: Reaktionen zum erneuten Lockdown im Amateursport

Corona-Zwangspause im Amateursport : „Die Bemühungen des Sports werden ignoriert“

Nach Beschluss der Politik kommt der Amateursport ab dem 2. November zum Erliegen. Reaktionen aus der Region zur erneuten Corona-Zwangspause.

Die Corona-Pandemie stoppt den Amateursport zum zweiten Mal in diesem Jahr. Am Mittwoch beschloss die Politik, den Sportbetrieb ab dem 2. November bis vorerst zum Monatsende pausieren zu lassen. Der Fußballverband Niederrhein (FVN) gab zudem bekannt, im Jugendfußball sämtliche Pflichtspiele sofort auszusetzen. Der Fußballverband Mittelrhein (FVM) setzte gleich den gesamten Spielbetrieb ab Freitag aus – inklusive der Pokalspiele am Wochenende. Reaktionen von Sportfunktionären, Trainern und Sportlern aus der Region zur Zwangspause.

Yvonne Cremer (Vorsitzende des Fußballkreises Mönchengladbach/Viersen): Es hat Sinn gemacht, diese Entscheidung zu treffen. Für die Vereine ist das ein klares Zeichen. Wir im Kreis sind eine vergleichsweise kleine Staffel, allerdings wird es trotzdem irgendwann schwierig mit den Nachholspielen. Zumal nicht abzusehen ist, ob es bei den vier Wochen Pause bleibt und wir danach wieder zu einem normalen Spielbetrieb übergehen. Da ist der Verband gefragt. Gerade in den höheren Ligen, wo die Staffeln größer sind, gibt es schon jetzt sehr markante Probleme. Wir müssen uns damit befassen, wie wir die Saison fortführen können und ob es vielleicht einen anderen Spielmodus braucht.

Johannes Gathen (Geschäftsführer Stadtsportbund Mönchengladbach): Die Entscheidung hat uns nicht erfreut. Der Sport und auch die Gastronomie haben bewiesen, dass sie bislang verantwortungsvoll mit der Pandemie umgegangen sind. Dass diese Bemühungen des Sports ignoriert werden, ist kein schönes Signal von der Politik. Ich kann natürlich nachvollziehen, dass man die Kontakte beschränken muss, aber der Sport hat gezeigt, dass er in seiner Gestaltung kreativ sein kann. Das dann einfach zu verbieten, ist traurig. Wir hängen mit der Verordnung aber auch noch etwas in der Luft: Wenn der Vereinssport verboten wird, ich aber Individualsport machen darf – was heißt das jetzt? Das Grenzlandstadion ist eine der wenigen Anlagen, die im Winter beleuchtet ist. Fällt die dann auch weg für den Individualsport?

Christopher Liedtke (Handballtrainer TV Lobberich): Aufgrund der steigenden Zahlen macht der Lockdown für den Sport schon Sinn. Im Prinzip kommen bei uns jedes Mal 15 bis 30 Haushalte zusammen, da ist das Risiko schon erhöht. Trotzdem habe ich es im Handball bisher als ziemlich sicher empfunden. Ich habe von einem positiven Fall gehört, wo sich aber auch kein weiterer Mitspieler angesteckt hat – trotz gemeinsamen Trainings. Daher ist es schon sehr schade. Und auch wirtschaftlich trifft das die Vereine noch einmal, denn es fehlen weitere Einnahmen. Das Problem ist ja: Wann geht es weiter? Ich vermute erst Anfang kommenden Jahres, wenn die kalte Jahreszeit vorbei ist.

Marcus Küppers (Hockeytrainer Gladbacher HTC): Eigentlich wären wir Anfang November in unsere Vorbereitung auf die Hallensaison gestartet. Ich bin gespannt, wie die Spielzeit nun organisiert wird – wenn sie denn überhaupt  noch ausgetragen wird. Möglich wäre es sicherlich, alles noch komprimierter mit mehreren Doppelwochenenden durchzuziehen. Doch wir haben schon auf dem Feld gemerkt, dass die Belastung für die Spieler durch das viele individuelle Training eine ganz andere ist. Und klar ist auch, dass die Hallensaison, so wie wir sie beim GHTC mit ihrem Eventcharakter kennen, sowieso in diesem Winter ausfallen wird. Da hoffen wir auf eine normale Spielzeit im nächsten Jahr.

Klaus Taplick (Vorsitzender Tischtenisverein TTC Waldniel): Unser Verband war sogar etwas schneller als die Bundesregierung und hat bereits am vergangenen Sonntag den Spielbetrieb bis zum Ende des Jahres unterbrochen. Ob das sinnvoll ist, darüber kann man streiten. Es gab ja bereits kein Doppel mehr und wir sind auch keine Kontaktsportart. Bei manchen Vereinen geht es mit der Halle, bei anderen nicht. Andererseits sind für den Verband oder auch die Bundesregierung Ausnahmen schwierig zu behandeln. Es ist einfach schade. Zuletzt war der Trainingsbetrieb bei uns sehr hoch, man hat sich gefreut, wieder spielen zu dürfen. Auch bei den Jugendlichen.

Markus Becker (Volleyballer des Oberligisten VC Ratheim): Wir haben uns schon vor der offiziellen Regelung dazu entschieden, den Trainingsbetrieb einzustellen, und hatten auch die nächsten Spiele abgesagt: Der Verband hatte es allen Volleyball-Mannschaften vor knapp zwei Wochen freigestellt, ob sie im November pausieren möchten. Die nun bundesweite Einstellung hat für uns daher nichts Neues bedeutet, auch wenn es für den Sport selbst natürlich sehr schade ist, gerade weil wir einen so guten Start in die Saison hatten. Sportlich hat immerhin keine der anderen Mannschaften einen Vorteil, da keiner weiter trainieren kann. Als Hallensportler sind wir wenig optimistisch, dass wir bald wieder spielen können. Das Wichtigste ist aber, dass wir zur Gesundheit beitragen können.