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Rhein-Kreis Neuss: Ökumenische Notfallseelsorger erzählen von ihrem Einsatz

Angebot im Rhein-Kreis Neuss : Erste Hilfe für die Seele

Seit 1999 leistet die ökumenische Notfallseelsorge Neuss Menschen Beistand, die sich in einer extrem Lage befinden. Wenn der erste Schock gelöst ist, beginnt die Trauerarbeit. Ehrenamtler erzählen von ihren Erfahrungen.

„Ich bin da und bleibe bei Ihnen“ – diese tröstlichen Worte in einer persönlichen Ausnahmesituation zu hören ist ungeheuer wichtig. Die Seelsorger der Ökumenischen Notfallseelsorge Neuss leisten seit Dezember 1999 Menschen Beistand, die sich in einer extremen Lage wiederfinden: Sie erhalten eine unerwartete Todesnachricht, ein Unfall ist passiert, jemand bleibt nach einem Todesfall alleine zurück, aufwühlende Erlebnisse nach einem Rettungseinsatz müssen verarbeitet werden.

Die NGZ trifft die evangelische Pfarrerin Angelika Ludwig und ihren katholischen Kollegen Pfarrer Gregor Ottersbach sowie die ehrenamtliche Notfallseelsorgerin Tanja Gläser in der Dietrich-Bonhoeffer-Kirche zum Gespräch. Vor der Kirche parkt ein Transporter mit der Aufschrift „Notfallseelsorge“, bestückt mit Einsatz-Jacken und Westen, Getränken und kleinen Tröstern in Form von Kerzen, Engelsfiguren und Teddybären. Die abgedunkelten Scheiben bieten Schutz für Gespräche. Und sie sind das Kernstück der Notfallseelsorge neben dem Schweigen und der Stille, die einige bevorzugen: „Manche reden, manche nicht“, erklärt Pfarrerin Ludwig. Das Wichtigste: Keiner ist und bleibt allein. Es gilt schwierige Situationen auszuhalten, aber darin sind sowohl die Geistlichen wie die aktuell 35 ehrenamtlichen Notfallseelsorger geschult.

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Tanja Gläser kam durch einen Bericht über einen schweren Unfall 2019 zu ihrem Amt und wollte einfach helfen. Sie nahm Kontakt mit Peter Zimmermann, dem organisatorischen Koordinator der Notfallseelsorge auf und wusste sofort: „Das ist meins!“ Sie durchlief eine 80-stündige theoretische Ausbildung, hospitierte bei verschiedenen Einsätzen und leistete ein Praktikum in der Rettungswache ab. Im Januar 2022 wurde sie in ihr Amt eingeführt, das sie seitdem mit viel Herzblut und Engagement ausübt: „Ich habe eine gute Resilienz. Mein Glaube an Gott hilft mir dabei und ich bin sehr froh, Menschen in ganz schweren Stunden zu unterstützen“, erzählt sie. Empathie ist vonnöten – und man muss Schmerz teilen und aushalten können: „Ich hole die Menschen da ab, wo sie sind“, erklärt Tanja Gläser. Jeder Einsatz sei anders, aufregend und bringt Anspannung durch wechselnde Situationen. Floskeln sind generell fehl am Platz, stattdessen stehen Klarheit, Wahrheit und Orientierung an erster Stelle. Tanja Gläser kann Möglichkeiten der Supervision nutzen, fühlt sich durch die jederzeit ansprechbaren Pfarrer aber auch sehr gut aufgehoben. Sehr hilfreich ist, dass niemand alleine in einen Einsatz geht: Ein Rettungsassistent ist immer dabei – Gespräche mit ihm fangen Gläser selbst auf.

Nach Abschluss des Notfalleinsatzes beginne der Trauerprozess bei den Betroffenen, erklärt Pfarrerin Angelika Ludwig: Die erste Schockstarre habe sich gelöst - die Notfallseelsorge als Ersthilfe für die Seele stärkt Menschen auf dem Weg der Trauerarbeit. Genau so wie die trauernden Menschen bleiben die Helfer selbst nicht alleine: Polizei, Notärzte, Rettungsassistenten, Seelsorger – die große Verbundenheit stärkt das gesamte Team. Damit das so bleibt, sucht die Ökumenische Notfallseelsorge neue Ehrenamtler: „Ohne sie ist die Arbeit gar nicht möglich“, so Pfarrer Gregor Ottersbach. Denn die Geistlichen seien nicht immer verfügbar. Tanja Gläser macht Interessierten Mut:  „Man bekommt so viel zurück!“ Als erster Ansprechpartner könne man immer helfen – auch, wenn man einfach nur da ist.