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Das Rheinische Landestheater führt Tschechow in Radevormwald auf

Theater : „Kirschgarten“ – eine wehmütige Komödie

Das Rheinische Landestheater aus Neuss führt am Mittwoch, 22. Mai, 19.30 Uhr, im Bürgerhaus den Klassiker des russischen Dramatikers und Erzählers Anton Tschechow auf – ein sehenswertes Werk mit viel versteckter Symbolik.

„Mein nächstes Stück wird unbedingt komisch werden“, so hatte Anton Tschechow (1860 bis 1904) den „Kirschgarten“ angekündigt. Dieses Stück, das letzte, das er schrieb, bevor er an Tuberkulose starb, ist allerdings kein Werk, das spontan zum Lachen reizt. Für Tschechow, den Schilderer der russischen Gesellschaft an der Schwelle zum 20. Jahrhundert, entstand der Humor aus dem Widerspruch zwischen den Träumen, Idealen und nostalgischen Gefühlen, die die Figuren treiben, und ihrer Gegenwart, die von Stagnation und Leere gekennzeichnet ist. Auch im Stück „Der Kirschgarten“ tritt dies zutage.

Das Rheinische Landestheater Neuss bringt diesen Klassiker am Mittwoch, 22. Mai, 19.30 Uhr, auf die Bühne des Bürgerhauses. Bereits um 19.10 Uhr gibt es eine Einführung zum Stück im Foyer.

Nach fünf Jahren kehren Ljubow Andrejewna und ihre 17-jährige Tochter Anja aus Paris in ihre Heimat Russland und auf ihr Landgut zurück, das für seinen wundervollen Kirschgarten in der ganzen Gegend berühmt ist. Doch das Gut ist mittlerweile rettungslos verschuldet. Die Zwangsversteigerung droht.

Der Kaufmann Lopachin schlägt vor, den Kirschgarten abzuholzen und das Gelände parzelliert zum Bau von Sommerhäusern anzubieten. Doch die Besitzerin weigert sich, das Gut durch Verkauf zu retten. Sie kann nicht von ihm lassen, auch wenn es sie schon längst nicht mehr interessiert. Zu sehr hängt sie an ihren Erinnerungen an ihren Mann und ihren kleinen Sohn, die beide auf dem Gut gestorben sind. Anja hingegen möchte die Vergangenheit hinter sich lassen und mit dem ehemaligen Hauslehrer Trofimow ein neues Leben beginnen. Die übrigen Bewohner halten ebenfalls an ihren Erinnerungen fest und hoffen auf die finanzielle Unterstützung einer reichen Tante. Aber das Wunder geschieht nicht, der Kirschgarten wird versteigert, und Lopachin wird der neue Besitzer.

Der Kirschgarten kann als Symbol für den absteigenden russischen Adel gesehen werden, das zunehmend durch das robuste, von keinen Sentimentalitäten belastete Bürgertum verdrängt wird. Lopachin, der Emporkömmling, legt am Ende die Axt an. Und Tschechow, der selber von einer fortschrittlichen, offeneren Zeit träumte, die das verlotterte Russland seiner Zeit verändern sollte, überlässt es dem Zuschauer, für wen am Ende sein Herz schlägt – in seinen Stücken gibt es weder strahlende Helden noch strahlende Schurken. „Die Menschen gehen nicht zum Nordpol“, sagte er einmal. „Sie essen Suppe und streiten sich mit ihrer Frau.“

Mit dem „Kirschgarten“, der ja ein Stück des Abschieds ist, endet auch die 70. Spielzeit des Kulturkreises Radevormwald. Am Samstag, 1. Juni, folgt noch als Sonderveranstaltung der Besuch der Oper „Carmen in Wuppertal.

Weitere Informationen zu den Aufführungen finden Interessierte im Internet.
www.kulturkreis-radevormwald.de