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Karen Duves Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ bei Aktion "Neuss liest"

Projekt „Neuss liest ...“ : Fünf Jahre am Roman gearbeitet

Karen Duves Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ ist ein Ausflug in die Geschichte und zu Annette Droste-Hülshoff.

Lange hat sie nicht gebraucht, um in Neuss zuzusagen. „Es ist doch eine Ehre“, sagt die Schriftstellerin, „für das Projekt ,Neuss liest...’ angefragt zu werden.“ Ein kurzer Abgleich mit ihren Terminen im Kalender reichte ihr. Nun also ist Karen Duve dabei. wenn am Donnerstag Abend in der Stadtbibliothek die große Auftaktveranstaltung stattfindet und Karen Duve selbst ihren Roman vorstellt, um den es in den Kaffeepausenlesungen in den nächsten Wochen geht: „Fräulein Nettes kurzer Sommer“.

Fünf Jahre lang hat sie daran gearbeitet, erzählt die in der Märkischen Schweiz (Brandenburg) lebende Autorin. „Ich habe laufend recherchiert“, sagt sie, „und dabei auch eine Zeit kennengelernt, von der ich kaum etwas wusste.“ Ihr Roman, der Duve zudem den Düsseldorfer Literaturpreis 2019 einbrachte, erzählt von der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, als sie 23 Jahre alt war und ihrer Umgebung, vor allem ihrer adeligen Verwandtschaft, heftig auf die Nerven ging. Doch Duve sieht in Droste-Hülshoff weniger die Dichterin als vielmehr die Frau, die sich im Biedermeier, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, durchsetzen musste und zugleich ihre erste große Liebe erlebt.

Mag die Geschichte an sich auch vor 200 Jahren spielen – Duve erzählt sie im Ton von heute, vergnüglich und mit Vergnügen, aber auch ironisch und vor allem sehr authentisch.

Zum ersten Mal überhaupt hat die Autorin, die bereits für ihre früheren Veröffentlichungen mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde, einen historischen Roman geschrieben. Viel Spaß habe ihr das gemacht, sagt sie, so viel, dass sie derzeit an der Idee für einen zweiten historischen Roman sitzt. Fünf Jahre muss der jedoch nicht brauchen, erklärt sie und lacht: „Das letzte Jahr für ,Fräulein Nettes kurzer Sommer’ konnte ich finanziell nur dank der Zuwendung einer Literaturstiftung und eines privaten Kredits durchhalten.“ Wer die Hauptperson wird, wann der Roman spielt – das alles mag sie derzeit noch nicht sagen. Einfach, weil sie verhindern möchte, dass sie am Ende „mit platten Reifen“ dasteht, wenn doch alles ganz anderes läuft als gedacht.

Doch die lange Zeit, die sie mit dem Roman über Droste-Hülshoff verbracht hat, habe sich gelohnt, sagt sie. „Persönlich, denn ich habe wirklich viel erfahren“, aber auch in der Resonanz, die sie bekommen hat. Von der Kritik wird ihr Roman durchweg gelobt, vor allem aber wird er gern gelesen. Duve ist anzuhören, dass dieses Interesse des Lesers, sein Vergnügen und sein Spaß an der Geschichte, ihr große Freude bereitet.

Schließlich hat der schriftstellerische Erfolg grundsätzlich ein wenig auf sich warten lassen. Dass sie immer schon schreiben wollte, war Karen Duve klar, aber das reichte nicht, um das Leben zu finanzieren. Das tat etwa der Job als Taxifahrerin, den sie 13 Jahre in Hamburg ausübte. „Ich war mehr ein Schriftsteller-Darsteller als ein wirklicher Schriftsteller“, sagt sie nachdenklich, der Erfolg habe erst 1996 eingesetzt: „Da ging es langsam los, ich hatte die ersten Preise gewonnen, und eine Agentin begann sich für mich zu interessieren.“ Sie hatte ein Manuskript von Duve bei einem Verlag eingereicht: „Das brachte mir einen Vorschuss, der mir sehr geholfen hat.“ Genau genommen hat sie seit 1996 fast jedes Jahr einen Preis bekommen, jüngst auch den Carl-Amery-Preis, der seit 2007 nur alle zwei Jahre verliehen wird.

Natürlich hätte die Noch-57-Jährige auch nichts dagegen gehabt, gleich eine große Nummer auf dem Literaturmarkt zu sein. Aber: „So war es für mich wesentlich leichter, ich habe keinen Druck gehabt, und doch wurde ich zur Kenntnis genommen.“