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Karen Duve in Moers: Fesselndes Porträt der „Nervensäge“ Droste-Hülshoff

Lesung in Moers : Fesselndes Porträt der „Nervensäge“ Droste-Hülshoff

Sie war klein und zart, damit entsprach sie dem Frauenideal ihrer Zeit. Aber sie war auch wissbegierig, gescheit und mischte sich laut in Männergespräche ein. „Annette von Droste-Hülshoff war eine Nervensäge.“ So beschreibt sie die Autorin Karen Duve in ihrem neuen Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“, mit dem sie am Freitagabend zu einer Lesung in der Moerser Stadtbibliothek zu Gast war.

Doch das war nicht ihr einziges „lakonisch sezierendes“ Urteil über die 1797 geborene, zweite Tochter des westfälischen Adligen Clemens August von Droste zu Hülshoff, deren Novelle „Die Judenbuche“ bis heute zum Leserepertoire vieler weiterbildender Schulen gehört. „Ehrlich gesagt, war ich anfangs gar nicht sonderlich an dieser Schriftstellerin interessiert“, gestand Karen Duve ihren überwiegend weiblichen Hörern an diesem Abend. „Aber je intensiver ich mich mit ihr beschäftigt habe, umso mehr hat mich das Schicksal dieser Frau gefesselt.“

Ein zur damaligen Zeit und in ihren Kreisen eher gewöhnliches Schicksal einer ungewöhnlichen Frau, das Duve in ihrem Roman da lebendig werden lässt. Immer ein wenig kränklich und mit einer ziemlich heftigen Kurzsichtigkeit belastet, darf das Mädchen Annette nur ausnahmsweise an den damals nur für Jungen erlaubten schulischen Unterweisungen teilnehmen. Auch ihre schon frühe dichterische Begabung wird eher unterdrückt als gefördert. Doch dann findet sie in dem damals als das große schriftstellerische Talent seiner Zeit gehandelten Heinrich Straube nicht nur einen Bewunderer ihrer Arbeiten, sondern auch einen persönlichen Verehrer. Straube ist aber weder adelig noch katholisch, und so fühlt sich August von Arnswaldt, ein Freund der Familie dazu verpflichtet, dieser „unglücklichen Verbindung“ ein intrigantes Ende zu bereiten.

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Dass er dabei selber in Annette verliebt war und nur seine Eifersucht auslebte, ist zwar nicht nachgewiesen, war für Karen Duve aber eine unübersehbare Tatsache. Diese damals skandalöse Beziehung war für sie der Grund dafür, dass ihre Romanheldin bis zu ihrem Tod 1848 unverheiratet blieb. Du bist nicht unglücklich. Du glaubst es nur“, zitierte sie am Ende der Lesung Annettes Mutter und erklärte: „Es war spannend, die Geschichte von Annette Droste-Hülshoff zu recherchieren. Ich habe sie im Laufe meiner Recherchen regelrecht adoptiert. Annette von Droste Hülshoff war eine Frau und ein sexuelles und sehr wildes Wesen.“

Die Lesung mit Karen Duve fand auf Einladung der „Moerser Gesellschaft zur Förderung des literarischen Lebens statt. In deren nächster Veranstaltung am 11. Mai liest Judith Pinnow um 19.30 Uhr in der Moerser Stadtbibliothek aus ihren Buch „Die Prophezeiung der Giraffe“.