Lesung von Karen Duve über Annette von Droste Hülshoff

Benrath : Die tragische Geschichte einer großen Dichterin

Bei der Montagsprosa las Karen Duve über die unglückliche Liebe von Annette von Droste Hülshoff.

Eine Zeit, in der Frauen mit Mitte zwanzig schon alt waren, eine riesige, adlige Patchworkfamilie, Liebe, unglückliche Liebe, Konventionen – und mittendrin Annette von Droste-Hülshoff. Mit ihrem neuen Buch „Fräulein Nettes kurzer Sommer“, widmet Autorin Karen Duve der Schriftstellerin und Komponistin ganze 597 Seiten lang. Einen Ausschnitt davon präsentierte sie bei der Montagsprosa, einer Veranstaltung vom Kulturkreis Benrath und der Benrather Stadtbibliothek.

„Ich bin auf eine Liebesgeschichte mit zwei Männern gleichzeitig gestoßen und konnte gar nicht mehr aufhören, zu recherchieren“, erklärt die gebürtige Hamburgerin zu ihrem ersten historischen Roman.

Rund 100 Gäste hörten ihr  in der Orangerie gebannt zu, wie sie  Szene vom frühen Morgen las. Der mittellose Student Heinrich Straube und seine Angebetete Annette von Droste-Hülshoff bei einem Tête-à-Tête. Während er Probleme hat, sie mit seiner „Entenschnabelnase“ zu küssen, malt er sich eine Ehe mit Annette aus. Aussichtlos, wegen der Standesunterschiede. Neben der Schilderung einer Annette, die so gar nicht in den Zeitgeist ihrer Familie passt, lässt Duve geschickt Zeitgeschehen einfließen. Etwa den Vulkanausbruch bei Java, der weltweit Katastrophen bringt. „Deutschland versinkt im Dauerregen, die Preise für Getreide verdreifachen sich.“ In diesem Vulkan-Sommer wird eine Kutschfahrt für Annette zur Tortur.

„Wir können uns gar nicht vorstellen, wie beschwerlich das Reisen früher war“, erklärt Karen Duve. Während der Kutschfahrt trifft Annette auf Menschen, die aussehen „wie aus dem Grab gerissen“ und sie „bekommt Nasenbluten von den Schlaglöchern“, liest die Autorin. Bei aller Dramatik und bildhaften Sprache, fehlt es nie an einer Portion Ironie. Aber am Ende bleibt Unglück: bei Annette und Straube. Sie quält sich mit Selbstzweifeln, er trifft „völlig zerstört“ im späteren Leben auf Heinrich Heine – eine Geschichte in der Geschichte, die in der Orangerie auf gebannte Hörer trifft. „Annette hat gar nicht mehr geheiratet, obwohl sie etwas mit zwei Männern hatte“, erzählt Karen Duve.

„Die Recherche für das Buch muss ganz enorm gewesen sein. Dazu die lebendige Sprache und die ganz eigene Welt“, schwärmt anschließend Zuhörerin Jutta Heuner, die durch die Fernseh-Sendung „Das literarische Quartett“ auf die Neuveröffentlichung aufmerksam wurde. „Die damalige Zeit ist so anschaulich beschrieben, dass man sich richtig in die Figuren hineinversetzen kann“, sagte auch Renate Richwien begeistert.

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