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Teekanne expaniert in Neuss - Kämmerer freut sich auf Gewerbesteuer

Gewerbegebiet in Neuss-Nord - Bataverstraße : Teekanne expandiert auf Neusser Stadtgebiet

Investition in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe. Stadt verkauft 47.000 Quadratmeter und freut sich auf Gewerbesteuer-Einnahmen.

Im Neusser Rathaus freut sich Kämmerer Frank Gensler auf einen neuen Gewerbesteuerzahler: Das Düsseldorfer Unternehmen Teekanne errichtet sein neues Rohwarenlager und ein Center zur Herstellung und Lagerung der aufbereiteten Teezutaten – auf Neusser Stadtgebiet an der Bataverstraße im hohen Norden. „Dieses Bauvorhaben wird das größte Investitionsprojekt der Teekanne-Firmengeschichte sein“, erklärte der Geschäftsführer der Teekanne-Gruppe, Frank Schübel, am Dienstag anlässlich des ersten Spatenstichs auf der Baustelle. Es werde ein hoher zweistelliger Millionenbetrag in Innovationen entlang der Wertschöpfungskette investiert, erklärte Teekanne – auf dem bisherigen Werksgelände in Heerdt sowie auf einem neu erworbenen benachbarten Grundstück an der A 52. Dort hat die Stadt Neuss eine 47.000 Quadratmeter große Fläche an Teekanne verkauft. Bis 2023 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, die ein Bekenntnis zum Standort sind.

Wie erfolgreich interkommunale Wirtschaftsförderung sein kann, belegt die aktuelle Teekanne-Expansion über Stadtgrenzen hinweg. Unter dem Strich sogar eine Win-Win-Win-Situation. Düsseldorf bleibt wichtiger Standort für das erweiterungswillige Traditionsunternehmen, sichert Arbeitsplätze, Neuss profitiert von zusätzlicher Gewerbesteuer und das Unternehmen kann unabhängig von kommunalen Grenzen seine Standort-Entwicklung voran treiben. Am Rande der Immobilien-Messe Expo Real freute sich in München auch der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer: „Dass Teekanne auf Neusser Boden investiert, ist wichtig.“ Das Unternehmen liege auf der Stadtgrenze und werde künftig „zu einem bedeutenden Teil Produktionsprozesse auf Neusser Seite abwicklen“. Deshalb gibt es eine Gewerbesteuerzerlegungsvereinbarung mit der Stadt Düsseldorf. Breuer: „So profitiert auch die Neusser Stadtkasse.“

Die Teekanne-Gesellschafterfamilien und Geschäftsführer Frank Schübel (7. v. r.) trafen sich zum Spatenstich auf dem Areal – bei typischem „Teewetter“. Mit dabei der Neusser Vize-Bürgermeister Sven Schümann (7. v. l.). Foto: Teekanne/Paul Klimek

Beim ersten Spatenstich am Dienstag war die Stadt Neuss durch Vize-Bürgermeister Sven Schümann und Charlotte Hohn von der Wirtschaftsförderung vertreten. In seiner Ansprache erinnerte Schümann daran, dass viele Neusser, geraden aus den nördlichen Stadtteilen, bei Teekanne beschäftigt seien. Er freue sich, dass ein großer und wichtiger Arbeitgeber vor Ort gebunden werde. Ihm sei wichtig, so Schümann, dass nicht nur Gewerbefläche verkauft werde, sondern dort langfristig eine Partnerschaft entstehe. Der Antrag auf Baugenehmigung sei im Rathaus eingegangen; zudem werde ein guter Teil der verkehrlichen Erschließung über die Neusser Bataverstraße erfolgen.

Das geplante neue vollautomatisierte Hochregallager auf dem neu erworbenen Grundstück hat eine Fläche von rund 6600 Quadratmetern. Es wird über modernste Technik verfügen, beispielsweise eine aktive Brandvermeidung durch Sauerstoff-Reduzierung. Auf dem Dach wird eine Photovoltaikanlage installiert sein, die Strom zur Selbstnutzung und zur Einspeisung in das Stromnetz liefern wird. Weitere 3600 Quadratmeter entfallen auf die Vorkonditionierung, wo die ankommende Ware entladen, gesäubert, geprüft und bei Bedarf nachgetrocknet wird. Bislang lagert Teekanne seine Rohwaren in dafür angemieteten Flächen der Neuss Düsseldorfer Häfen (NDH), diese werden nach Fertigstellung des Neubaus nicht mehr benötigt.

Vor rund eineinhalb Jahren hatten die Planungen für das Mega-Projekt begonnen, das Einfluss auf die komplette Prozesskette des Unternehmens haben wird. Die Verarbeitung werde vom Rohwareneingang bis zur Auslieferung optimiert, hieß es. „Bislang hat ein Teebeutel hier rund zehn Kilometer Weg zurückgelegt, bis er komplett fertig war. Künftig werden es nur noch vier Kilometer sein“, sagte Schübel. Das bedeute nicht nur mehr Effizienz, sondern auch mehr Nachhaltigkeit: „Und es ist auch gut für das Produkt, weil es insgesamt noch schonender hergestellt werden kann.“

Der Geschäftsführer bedankte sich speziell bei den Gesellschaftern des Unternehmens. „Es ist toll, dass Sie auf diese Weise in die Zukunftssicherung investieren“, sagte er. Immerhin sei eine Investition in dieser Größe für einen Mittelständler nicht an der Tagesordnung. Ein Gesellschafter bestätigte, das Projekt sei „etwas Außergewöhnliches“. Er gab den Dank an die Mitarbeiter weiter, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre.

Eine Gesellschafterin berichtete anlässlich des Spatenstichs, wie sie das Gelände gefunden hat, das nun für den Neubau genutzt wird – durch einen Zufall. Sie war auf ein Gebüsch am Rande eines benachbarten Areals aufmerksam geworden, hatte interessiert hindurchgespäht und das freie Grundstück entdeckt. „Ich traute meinen Augen nicht“, berichtete sie: Denn bis dato habe man wenig Chancen gesehen, sich flächenmäßig am Standort zu erweitern. Das 47.000 Quadratmeter große Grundstück befindet sich knapp hinter der Stadtgrenze und damit auf Neusser Stadtgebiet. „Ich konnte gar nicht glauben, dass die Stadt dieses Goldstück so lang hatte liegen lassen.“ Das eröffne Teekanne eine Zukunftsvison – auf Neusser Statdgebiet, direkt an der Stadtgrenze zu Düsseldorf und Meerbusch.

Das Traditionsunternehmen Teekanne, Marktführer im Bereich Tee mit weltweit 1400 Mitarbeitern, hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach größere Modernisierungsprojekte abgeschlossen. So wurde beispielsweise 2014 eine hochmoderne neue Produktionshalle mit 9000 Quadratmetern Nutzfläche und 47 Maschinen in Betrieb genommen. Auch diese sollte dazu beitragen, die internen Prozesse effizienter zu machen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Bis zu drei Milliarden Teebeutel können im Jahr hergestellt werden.

Für weitere Innovationen hätte das Familienunternehmen übrigens noch Platz: Auf dem neuen Neusser Areal sind noch Flächen frei.

Unter Mitarbeit von Frank Kirschstein