Moers: Enni ist jetzt Regionalversorger

Energiekooperation am Niederrhein: Enni ist jetzt Regionalversorger

Die Gelsenwasser AG beteiligt sich am Unternehmen und bringt im Gegenzug ihre Gasnetze in Rheinberg und Uedem ein.

Für die Enni Energie & Umwelt (Enni) ist es der größte Wachstumsschritt seit ihrer Gründung: Mit der Beteiligung der Gelsenwasser AG wird das Unternehmen, das im Jahr 2000 aus der Fusion der Stadtwerke Moers und Neukirchen-Vluyn hervorging und heute bundesweit Kunden, darunter 350 big player wie Dr. Oetker, Vorwerk und Grillo, unter anderem mit Strom und Gas beliefert, zum Regionalversorger.

Konkret bedeutet das: Gelsenwasser wird bei Enni einsteigen und im Gegenzug ihre Gasnetze in Rheinberg und Uedem in das Unternehmen einbringen. Das mehrjährige Tauziehen um diese beiden Konzessionen sei damit beendet, heißt es. Enni verdoppelt ihr Netzgebiet, fasst erstmals in einer Kommune des Kreises Kleve Fuß und wird vom rein auf die Städte Moers und Neukirchen-Vluyn fokussierten Stadtwerk zu einem Regionalversorger, der so in Kürze Eigentümer und Konzessionsnehmer von Energienetzen in weiteren Städten am Niederrhein wird. Gemeinsam mit den Bürgermeistern der vier direkt von der Entwicklung profitierenden Kommunen stellten  Enni-Geschäftsführer Stefan Krämer und Gelsenwasser-Vorstand Dirk Waider am Donnerstag ihr neues Kooperationsmodell der Öffentlichkeit vor. „Mit Gelsenwasser haben wir nun einen weiteren starken und von kommunalen Interessen geprägten Partner im Boot“, sagt Krämer. Und Waider betont: „Wir beteiligen uns an einem erfolgreichen Unternehmen und bleiben am Niederrhein auch in Rheinberg und Uedem im Geschäft.“ So setze die Kooperation auch auf die jeweiligen Stärken beider Unternehmen.

Tatsächlich schreibt die Enni Energie & Umwelt Niederrhein seit Jahren dunkelgrüne Zahlen. Binnen 18 Jahren wurden Umsatz  und Unternehmenswert jeweils verdreifacht. Den Städten Moers und Neukirchen-Vluyn hat das Millionenbeträge in die Kassen gespült – als Lohn für ein mutiges Geschäftsmodell. Zur Jahrtausendwende hatte sich die Politik darauf verständigt, gemeinsam mit den privaten Gesellschaftern rhenag Rheinische Energie AG und RWE ein Stadtwerk zu gründen und damit die Chancen des aufkommenden Wettbewerbs zu nutzen. Die Fusion zweier Kommunen mit Regionalversorgern ist deutschlandweit bis heute nur selten gelungen.

  • Erfolge in Moers : Höher, weiter, Enni

Fest steht: Wirtschaftlich bleiben Enni durch die Beteiligung von Gelsenwasser  erneut hohe Netzinvestitionen erspart. Krämer geht dabei von einem deutlichen jährlichen Ergebnisplus aus. Auch der Unternehmenswert steigt um rund 15 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote legt um rund sechs Prozent zu.

Noch im November soll der Deal ins Handelsregister eingetragen werden. Nach einer Ertragswertanalyse hält Gelsenwasser dann 5,9 Prozent an Enni. Die beteiligten Kommunen bleiben mit Anteilen von 64,76 Prozent in Moers (über die Tochter Enni Stadt & Service) sowie jeweils 4,67 Prozent in Neukirchen-Vluyn und Dinslaken dominierende Gesellschafter. Innogy wird wie bisher mit 20 Prozent beteiligt sein. Diese Gesellschafterstruktur eines Stadtwerks ist für Krämer überlegen: „In der Public-Private-Partnership ergänzen sich lokale Kundennähe und das Netzwerk überregional agierender Gruppen.“

Die Rheinberger und Uedemer sollen die Veränderungen möglichst schnell über attraktive Produkte oder auch das Sponsoring von Veranstaltungen spüren, verspricht Enni. Außerdem soll der Wirtschaftsstandort Niederrhein über Einkäufe von Waren und Dienstleistungen weiter gestärkt und so auch der Arbeitsmarkt entlastet werden. Lieferanten dürften dabei profitieren, heißt es. Enni selbst will zusätzliche Mitarbeiter für die neuen Netzgebiete einarbeiten. Die sollen gemeinsam mit den Kollegen der Gelsenwasser Energienetze GmbH, dem Gasnetzbetreiber in Uedem und Rheinberg, den technischen Betrieb übernehmen.