Niederrhein: Videos sollen Pferdeschänder überführen

Nach erneuten Misshandlungen am Niederrhein: Videos sollen Pferdeschänder überführen

Nachdem am Wochenende eine Araber-Stute in Rayen von Unbekannten verletzt wurde, stellte der Stallbesitzer der Polizei Material aus 16 Überwachungskameras zur Verfügung.

Die beiden, zur Spurensicherung entsandten Kriminalbeamtinnen standen einem augenscheinlich zutiefst verschreckten Pferd gegenüber. Die Araber-Stute habe nervös auf die für sie Fremden reagiert und den Schweif zwischen den Hinterbeinen eingeklemmt. Es sei nicht leicht gewesen, die Verletzungen der Stute per Foto zu dokumentieren. Beim jüngsten Fall von Pferdeschändung in einem Pensionsstall in Rayen fesselten der oder die Täter das Tier offenbar an der Hinterhand. Zudem machte  die Polizei Abstriche von blutigen Verletzungen des Afters und der Scheide.

Was letztendlich zwischen Samstag, 3. November, 17 Uhr, und Sonntag, 4. November, 16 Uhr, in einem Stall an der Mühlenstraße geschah, ist derzeit noch unklar. Fest steht, dass offenbar ein oder mehrere Sodomisten sich grausam an der Araber-Stute vergangen haben. Details zu dem oder den Tätern könnten sich im Laufe dieser Woche aus den zahlreichen Spuren ergeben, die die Polizei an dem Tier und im Stall sichern konnte. Die Besitzerin des Tieres sagte gegenüber der Polizei, sie sei „völlig fertig“ und derzeit nicht in der Lage, zu den Vorfällen Stellung zu nehmen.

Der Stallbesitzer versicherte telefonisch gegenüber der RP, er werde im Laufe des Donnerstags der Polizei Wesel das Videomaterial aus 16 Überwachungskameras zur Auswertung zur Verfügung stellen. Diese Kameras seien auf dem gesamten Anwesen verteilt. Der Wachhund habe zur Tatzeit nicht angeschlagen – so der Stallbesitzer: „Wir wohnen auf dem Gelände und haben ebenfalls nichts gehört oder gesehen.“

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Einen Widerspruch gibt es zwischen seinen Angaben und der Meldung der Polizei in Bezug auf die Zugänglichkeit des Anwesens. Nach Angaben des Stallbesitzers sei sein Gelände komplett von einem 1,85 Meter hohen Zaun umgeben. Das Zugangstor würde abends geschlossen. Die Polizei spricht von einem „frei zugänglichen Stalltrakt“. Seit die neuerliche Pferdeschändung bekannt wurde, muss der Reitstallbesitzer nach eigenen Angaben zahlreiche Fragen besorgter Kunden beantworten, die sich um ihre Tiere sorgen. Für ihn könnte sich der Vorfall zu einem wirtschaftlichen Schaden entwickeln. Das versuche er zu vermeiden, sagte der Mann.

Mit der Nüchternheit eines Juristen kommentierte ein Staatsanwalt aus Kleve ähnliche Vorfälle in Rheurdt im Frühjahr. Dort war einer Pferdebesitzerin eine deutliche Wesensänderung ihrer Stute Louisiana aufgefallen. Außerdem standen plötzlich Gegenstände in der Pferdebox, die da nicht hingehörten. Auf den daraufhin installierten Überwachungskameras war zu sehen, wie sich ein 44 Jahre alter Mann aus Rheurdt an dem Tier verging. Die Staatsanwaltschaft Kleve ließ ihn mit einer vergleichsweise niedrigen Strafe wegen Hausfriedensbruchs und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz davonkommen. Staatsanwaltschaftliche Begründung: Im landwirtschaftlichen Raum sei sexuelle Gewalt gegen Tiere durchaus üblich.

Auch in der Niep und am Oermter Berg wurden in der jüngeren Vergangenheit Pferdeschändungen bekannt. Bei jedem neuen Fall seien die Pferdebesitzer alarmiert. Einige von ihnen scheuten sich mittlerweile, die Tiere im Sommer nachts allein auf einer Weise zu lassen. Höhere Zäune, abschließbare Tore und Videoüberwachung halten in den Ställen Einzug.

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