Moers Hauptfriedhof: Mit Tempo 100 über den Grabsteinen

Auf dem Moerser Hauptfriedhof: Mit Tempo 100 über den Grabsteinen

Nach Kritik an scharf schießenden Jägern auf den Friedhöfen probiert es die Enni nun mit Falkner Uwe Heinrichs und Habicht Gaga.

Den derben Lederhandschuh trägt Falker Uwe Heinrichs (57) nicht gegen die Herbstkühle, sondern als Landeplatz für Lady Gaga. Und zum eigenen Schutz. Denn so ausgeglichen und ruhig der gut 1000 Gramm schwere Habicht auf Heinrichs Faust thront – sein zünftiger Krallendruck entwickelt im Vergleich zur menschlichen Hand ein Vielfaches an Kraft. Sobald Habichtdame Gaga zupackt, kommen Beutetiere binnen Sekunden zu Tode. Seit einigen Wochen breitet Gaga ihre Schwingen über dem Moerser Hauptfriedhof Hülsdonk aus. Die Enni hat den Falkner damit beauftragt, den dortigen Kaninchen-Bestand klein zu halten. Hopplers Schonfrist endete am 15. Oktober.

Rückblick: In einem Bürgermonitor hatte sich eine Friedhofs-Anwohnerin über Schüsse im Dunstkreis der Grabsteinen beklagt. Denn um der Kaninchenplage auf den insgesamt zehn Moerser Friedhöfen Herr zu werden, setzt die Enni als Friedhofsbetreiber bereits seit Jahren lizensierte Jägersleut‘ ein, die in der Dämmerung auf die Friedhofspirsch gehen. Die Kritik der Anwohner: Nirgends wurden Friedhofsbesucher bislang darauf hingewiesen, dass am Ort der Stille und Einkehr scharf geschossen wird. Und auch die Nachbarn erschreckten knallende Kleinkaliber-Gewehren.

Darauf hat die Enni als Friedhofsverwaltung reagiert: Bis zum 28. Februar 2019 ergänzt nun ein Dreierteam die auch weiterhin aktiven Friedhofsjäger: Uwe Heinrichs als Herr des Jagdrudels. Habicht Gaga, fünf Jahre alt, und auf den ersten 100 Metern ab Heinrichs Faust bis zu 95 Stundenkilometer schnell, soll die bestensfalls halb so schnellen Fellnasen zur Strecke bringen. Hanna, der viereinhalb Jahre alte bretonische Vorsteher-Hund, spürt die Kaninchen im Gesträuch auf. Der weiß-braune, eher zierliche Vierbeiner läuft dazu frei über den Friedhof. Sobald er zur Salzsäule erstarrt – also „vorsteht“ – wissen Herrchen und Gaga, dass da was im Busch ist.

  • Plage auf dem Moers-Hülsdonker Friedhof : Habicht soll Friedhofskaninchen jagen

„An einem guten Jagdtag erlegt Gaga sieben bis acht Kaninchen“, berichtet Falkner Uwe Heinrichs, der auch im Moerser Schlosspark mit Hund und Habicht auf die Pirsch geht. Die Beute wird anschließend redlich geteilt. Das Vorderteil bekommt der Jagdvogel, Rücken und Hinterläufe landen bei Heinrichs im Bräter. Da trifft es sich gut, dass auch die Ehefrau Jagd- und Falknerinnen-Schein besitzt. Die Heinrichs züchten Jagdvögel.

In ihrem neuen Revier auf dem Moerser Hauptfriedhof haben Mensch und Jagdvogel bislang kein einziges Kaninchen gesichtet. Die im Hintergrund weiterhin aktiven, nun aber von der Enni mit Warnschildern ausgestatteten Jäger haben anscheinend ganze Arbeit geleistet. Die Drei vom Raubvogel-Jagd-Team werden in den nächsten Tagen zu wechselnden Zeiten den 11,5 Hektar großen Hauptfriedhof mit rund 6000 Gräbern besuchen.

Vor jedem Ausflug muss Habicht Gaga auf die Waage. „Das Jagdgewicht beträgt exakt 1090 Gramm“, sagt Falkner Heinrichs. Übersetzt bedeutet diese Zahl: Der Habicht hat Hunger. Und Hunger ist die entscheidende Grundlage für eine Zusammenarbeit zwischen Menschen und Tier. Ein allzu satter, zu schwerer Habicht würde nicht auf Kommandos hören, sondern sich lieber in die nächste Baumkrone verziehen. Das möchte Heirnichs nach Möglichkeit vermeiden: „Denn dann müsste ich die ganze Zeit hinter dem Vogel herlaufen.“

Mehr von RP ONLINE