Der Mauerfall lässt Hinrich Kley-Olsen aus Moers nicht los

Internetportal : Der Mauerfall lässt ihn nicht los

Hinrich Kley-Olsen trägt in einem Internetportal Informationen über die DDR und deren Ende zusammen.

In diesen Tagen ist www.mauerfall-berlin.de besonders gefragt. Weit über 300 Besucher pro Tag zählt Hinrich Kley-Olsen auf seinem Internetportal. Seit zehn Jahren sammelt er dort Informationen über den Mauerfall, die DDR, die SED-Diktatur – Texte, Fotos, Filme, Links zu Organisationen und Initiativen. „Es ist das umfassendste Portal zu diesem Thema, sagt der 61-Jährige. Allein das Buchverzeichnis umfasse knapp 700 Titel.

Der Diplom-Pädagoge Kley-Olsen ist Referent für Erwachsenenbildung beim Evangelischen Forum Kirchenkreis Moers und Leiter des Begegnungszentrums Haus am Schwanenring in Moers. Das Thema DDR lässt ihn nicht los, seit er im März 1985 zusammen mit vier Mitstreitern der westdeutschen Friedensbewegung Flugblätter nach Ostberlin schmuggelte, um dort „gegen die Verfolgung der Friedensbewegung in Ost und West“ zu demonstrieren. Ein Stasi-Mann in Zivil nahm die Gruppe fest, führte sie zum Verhör ins Stasi-Gefängnis Keibelstraße“ „Nach zweieinhalb Stunden wurden wir in den Westen abgeschoben.“

Demonstrieren, das war in den 80er Jahren für den aus Hannover stammenden Kley-Olsen ein Lebensinhalt. Er war Aktivist der Friedensbewegung, nahm an Friedensmärschen teil, protestierte am US-Stützpunkt Mutlangen gegen die Stationierung von Pershing-Raketen. „16 Mal bin ich bei gewaltfreien Aktionen festgenommen worden.“ Und als ein Richter ihm eine Ersatzfreiheitsstrafe von 140 Tagessätzen aufbrummte, da ging er lieber ins Gefängnis, als zu zahlen. „Das war das deutlichere Zeichen.“

Kley-Olsen wollte den Spannungen zwischen Ost und West nicht tatenlos zusehen. Eine Mahnung seiner Mutter Luise Olsen hing ihm nach: „Ich hab die Schnauze gehalten, aber Du kannst heute etwas tun.“ Als Studentin in München war die spätere Gymnasiallehrerin Kommilitonin der Geschwister Scholl gewesen und hatte deren Verhaftung durch die Gestapo erlebt. Auch die eindringlichen Schilderungen seines Großvaters Gustav Ahlhorn von seiner Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg hatten Hinrich Kley-Olsen geprägt. In den 30er Jahren war Ahlhorn Jurist beim Landeskirchenamt Oldenburg gewesen und hatte sich der Eingliederung der Landeskirche in die Reichskirche widersetzt. „Das hat ihn den Job gekostet.“ In den 50er Jahren wurde Ahlhorn Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

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„Ich war immer ein bewegter Mensch“, sagt Kley-Olsen. Als die Mauer 1989 fiel, eilte er zusammen mit seiner Mutter nach Berlin. Er wollte miterleben, wie Geschichte geschrieben wurde. Zehn Jahre später trat er seine Arbeit in Moers an. Und wiederum zehn Jahre später wunderte er sich, dass zum 20. Jahrestag des Mauerfalls wenig darüber im Netz zu finden war. Seither betreibt er sein Internetportal und „bastle“ immer wieder daran, um es zu aktualisieren und zu vervollständigen. Er tue dies auch aus pädagogischer Verantwortung, denn die Zeit der SED-Diktatur dürfe nicht vergessen werden. Aber: „Es macht mir einfach auch Spaß.“

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