Kinderbuchautorin Anja Fröhlich las in Kapellen für Zweitklässler vor

Autorin Anja Fröhlich zu Gast in Kapellen : Warum lesen wichtig ist

Die Bibliothekszweigstelle Kapellen veranstaltete eine Lesung für die zweiten Klassen der Dorsterfeldschule. Die Kinderbuchautorin Anja Fröhlich hofft, dass solche Lesungen Kinder für Bücher begeistern können.

Neugierig betreten die Kinder der Klassen 2a und 2b der Dorsterfeld-Grundschule die Bibliothek in Kapellen. Sie werden von Ute Kleintges, Leiterin der Zweigstelle, in die Leseecke geführt, für die extra einige Regale samt Büchern weggerückt wurden. So haben die rund 45 Kinder auf dem Boden und den bereit gestellten Stühlen genug Platz.

Die Autorin Anja Fröhlich steht an einem kleinen Tisch samt Beamer vor einer Leinwand, auf der während ihrer Lesung Bilder aus dem Buch gezeigt werden. Bevor sie aber damit startet, den Zweitklässlern von Mai und ihrer Familie zu erzählen, die in ihrem Buch „Wir Kinder vom Kornblumenhof“ auf einem Bauernhof alltägliche Arbeiten erleben, fragt sie die Kinder, wie es denn um ihre Lesebegeisterung steht. Eine Handvoll Kinder zeigt bei der Frage auf, wer denn gar nicht gern liest. „Ich lese aber schon ganz gerne“, sagt ein Mädchen zu seinem Sitznachbarn, als könne sie nicht glauben, dass manche Kinder diese Leidenschaft nicht teilen.

Auch die Autorin selbst erzählt davon, dass sie als Kind nicht viel gelesen hat. „Ich wollte lieber rausgehen und die Abenteuer selbst erleben, statt nur von ihnen zu lesen.“ Dann habe sie aber irgendwann festgestellt, dass die Abenteuer, von denen Bücher erzählen, oft spannender sind als die, die man in der Realität erlebt. „Ich hoffe, ich kann euch heute für dieses Buch begeistern – oder auch fürs Lesen überhaupt“, sagt sie deshalb noch zu den Grundschülern.

Das Buch, das sie mitgebracht hat, ist der erste Band einer Reihe. Der vierte Band wird in Kürze erscheinen. „Momentan schreibe ich am sechsten Band“, erzählt die Autorin. Sie hat sich auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisiert, obwohl ihr erster Roman, den sie 2001 heraus gebracht hat, noch für Erwachsene gedacht war. „So ein Roman verlangt einem ganz schön viel ab. Ich dachte danach, ich mache mal was für Kinder – ich hatte selbst ein kleines Kind zu der Zeit – für zwischendurch, bis ich mit dem nächsten Roman weitermache“, erzählt die 55-Jährige. Das habe ihr viel Spaß gemacht und dann so gut geklappt, dass sie weiterhin für Kinder und Jugendliche geschrieben hat. Wichtig dabei sei natürlich eine leichtere Sprache als in Romanen für Erwachsene. „Außerdem muss man sich in die Kinderwelt wieder hinein versetzen. Man muss die Welt neu sehen, als wäre man selbst ein Kind. Kinder können viel mehr staunen.“ Dieses Staunen greift die Autorin in ihren Büchern auf, die vom „Wahnwitz des ganz normalen Alltags“, handeln, wie die sie sagt. Dazu gehören auch Situationen, die schwer für Kinder sind, zum Beispiel wenn sich die Eltern trennen. „Ich versuche, trotzdem den Spaß in solche Situationen zu bringen. Außerdem möchte ich den Kindern sagen: Ihr seid nicht machtlos.“ Ihre jungen Leser sollen sehen, dass auch sie Möglichkeiten haben, ihre Welt zu beeinflussen.

Außerdem könne man als Kinder- und Jugendbuch-Autorin mehr Lesungen halten. „Die mache ich sehr gerne“, sagt Fröhlich. Und auch die Kinder der Dorsterfeldschule scheinen ihren Spaß zu haben. Sie lachen lauthals beim Bild des Esels, der in einer Hängematte liegt, sie grunzen wie die Schweine und geben ein kollektives „Oh“ von sich, als Mai die neugeborenen Ferkel entdeckt.

Anja Fröhlich freut sich über die Beteiligung der Kinder, auch wenn es mal etwas laut oder chaotisch wird: „Ich finde es immer schön, wenn die Kinder sich freuen und dann auch mal unruhig sind.“ Am Ende jedenfalls wollen die Kinder noch mehr Bilder aus dem Buch sehen und weitere Geschichten hören.

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