Mönchengladbach: Impfbündnis gegen Masern sucht Partner

Viele vergessen den Piks : Impfbündnis gegen Masern sucht Partner

Den letzten größeren Masern-Ausbruch in der Stadt gab es 2006. Dennoch will ein Impfbündnis das Bewusstsein dafür wecken, dass Immunisieren wichtig ist. Auch und gerade für Erwachsene mit unklarem oder mangelhaftem Schutz.

Was Nord- und Südamerika können, soll auch Mönchengladbach schaffen: dauerhaft masernfrei zu werden. Das will ein Impfbündnis aus Ärzten, Stadt und anderen Akteuren der Gesundheitsbranche gemeinsam mit Kitas, Schulen, aber auch Betrieben und Vereinen erreichen. Schirmherr ist Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners.

Zwar liegt der letzte größere Masernausbruch in Mönchengladbach mit 178 Fällen schon 13 Jahre zurück. Doch das ist für den Kinderarzt Ralph Köllges und Heribert Hüren, Vorsitzender der Ärztekammer Mönchengladbach und Facharzt für Allgemeinmedizin, kein Anlass, sich in Sicherheit zu wiegen. Nicht allein, weil nur etwa 75 Prozent der Kleinkinder die für einen vollständigen Schutz nötige zweite Masernimpfung im 24. Lebensmonat bekommen. „Masern ist keine Kinderkrankheit. Auch Erwachsene sind gefährdet, sogar womöglich noch mehr“, sagt Hüren. Die Gefahr wird allerdings häufig unterschätzt: Masern können tödlich enden. In Europa, so geht laut Stadtverwaltung aus Länderberichten an die Weltgesundheitsorganisation WHO hervor, dürften in diesem Jahr bereits 37 Menschen daran gestorben sein.

„Würden wir eine Impfrate von 95 Prozent der Bevölkerung erreichen, bekämen wir die Masern weg“, sagt Ralph Köllges. Diese Quote werde in Mönchengladbach zwar bei den Kindern erreicht, die bei der Einschulungsuntersuchung ihren Impfpass vorweisen, sagt Stadtärztin Gabriele Buhl. Allerdings: 15 Prozent der einzuschulenden Kindern können keinen Impfpass präsentieren.

„Impflücken“ müssen die Ärzte aber auch bei Menschen vermuten, die vor 1970 geboren wurden. Damals steckten Impfprogramme gegen die Krankheiten noch in den Kinderschuhen. „Stabile Programme“ gebe es erst seit Mitte der 1970er Jahre, so Ralph Köllges. Die Folge: Viele Ältere sind entweder gar nicht geimpft oder sie wissen nicht, ob sie als Kind eine Immunisierung erhalten haben oder an Masern erkrankt sind. Unklarer Impfstatus bei Erwachsenen ist für Hüren Grund genug, sich die Spritze mit dem Impfstoff auch im fortgeschrittenen Alter noch geben zu lassen. Zumal bei Erwachsenen eine Spritze ausreicht.

Aufklärungskampagnen zum Impfen gab es bereits einige. Das reicht dem Bündnis aber nicht. Es setzt auf die aktive Mitarbeit etwa von Unternehmen. „Wenn ein Mitarbeiter erkrankt, ist das auch für den Betrieb schlecht, darum profitieren auch Unternehmen von geimpften Mitarbeitern“, sagt Köllges. Manche große Firmen bieten bereits Grippeimpfungen für die Belegschaft an. Das wäre eine prima Gelegenheit, auch den Masern-Impfstatus zu prüfen und nötigenfalls dem Mitarbeiter einen Besuch beim Arzt zu empfehlen, so das Bündnis. Auf diese Weise würde man ein Problem bekämpfen, das in noch wesentlich mehr Fällen für mangelhaften Impfschutz ursächlich ist als grundsätzliche Impf-Verweigerung: das schlichte Vergessen.

Mehr von RP ONLINE