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Mönchengladbach: Schloss Rheydt mit erster rein digitaler Ausstellung

Museum in Mönchengladbach : Erste Online-Ausstellung in Schloss Rheydt

Die Corona-Zeit hat das Museum dazu veranlasst, neue Wege zu gehen. Die Ausstellung „Von Dürer bis Rilke“ ist ein Jahr lang digital zu sehen. Sie zeigt die grafische Sammlung von Schloss Rheydt, die als Herzstück des Museumsbestandes gilt.

„Wir eröffnen jetzt zum ersten Mal hier in Schloss Rheydt eine Sonderausstellung online“, erklärt Museumsleiter Karlheinz Wiegmann vor der laufenden Kamera. Ein dreieinhalbminütiges Video auf Youtube von Wiegmann und Kuratorin Romina Westphal gibt eine anschauliche Einführung in die Ausstellung. Seit Wochen konnte man auf der Homepage des Museums Schloss Rheydt nachlesen: „Unsere erste rein digitale Ausstellung finden Sie ab 15. Mai hier!“ Es ist die Ausstellung „Von Dürer bis Rilke – Die grafische Sammlung des Museums Schloss Rheydt“, die ausschließlich daheim am Rechner zu besichtigen ist. Das „Herzstück des Museumsbestandes“ – so nennen die Macher von Schloss Rheydt ihre Sammlung aus Druckgrafiken, Zeichnungen und Aquarellen, die einen zeitlichen Bogen von der frühen Renaissance bis zur Moderne spannt.

Die Corona-Pandemie hat manches im kulturellen Leben verändert. „Diese Zeit hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, online aktiv zu werden. Sie hat uns einen Anlass geboten, uns dem Feld der digitalen Ausstellung zu öffnen“, erklärt Nina Schulze, im Museum zuständig für Bildung und Marketing. „Es ist unser Bildungsauftrag, unsere Schätze mit der Welt zu teilen.“ Schulze schwärmt von den guten Softwarelösungen, die auf dem Markt sind, mit denen Bilder und Texte ansprechend eingepflegt werden können. „Wir haben die Vision, dass der Nutzer die Illusion hat, mitten in der Ausstellung zu sein.“

Die Ausstellung wird für ein Jahr online zu sehen sein. Mit einem Klick auf die Internetseite des Museums sitzt man vor den Toren der virtuellen Ausstellung. Die Navigation wird erklärt, und der Besucher kann zwischen zwei Optionen wählen: „Zur Ausstellung“ oder „Geführte Tour starten“. Die Tour an den mehr als hundert Blättern entlang geht flott voran, doch steht der Button „Pause“ bereit, um Zeit zur intensiven Betrachtung zu haben, das Blatt näher heranzuholen oder in den Vollbildmodus zu stellen.

Eine Bildlegende gibt Aufschluss über Künstler, Titel, Entstehungsdatum und Größe. Weitere Erklärungen gibt es leider nicht. Gleich das vierte Bild im Rundgang ist ein Werk von Albrecht Dürer heraus: „Christi Abschied von seiner Mutter“. Der Holzschnitt ist ein Blatt aus der Folge „Das Marienleben“. Dieses Motiv gehört seit dem 15. Jahrhundert zu den typischen Darstellungen in der christlichen Kunst. Dürer zeigt auf dem recht kleinen, 30 mal 21,1 Zentimeter großen Blatt überaus detailreich den schmerzvollen Abschied Marias von ihrem Sohn.

Dürer ist mit mehreren Arbeiten in der hochkarätigen Ausstellung vertreten. Weitere Künstler sind Hendrick Goltzius, Hans Burgkmair, Käthe Kollwitz und William Hogarth.

„Wir setzen bewusst mit ein paar Arbeiten aus dem späten Mittelalter an, um den medialen Übergang von der Buchkunst zur reproduzierbaren Kunst, zur Druckgrafik deutlich darzulegen“, erklärt Kuratorin Westphal. „Die Erfindung des Kompasses“ heißt der Titel des Blattes von Johannes Stradanus. Er wurde 1523 in Brügge geboren und starb 1605 in Florenz. Stradanus hat sich als einer der ersten mit der Thematik neuer Erfindungen auseinandergesetzt. „Die Erfindung des Kompass“ zeigt eine wahre Studierstube mit Globen, Mess- und Zeicheninstrumenten, Büchern und einem Segelschiff faltet sich vor dem Betrachter auf. Die Renaissance war eine Zeit der Entdeckungen, der Forschung – das zeigt Stradanus anschaulich in seinem Kupferstich.

Zehn Kapitel werden in der Ausstellung aufgeschlagen, angefangen von „Wege zur Kontemplation“ über „Proportion und Perspektive“ bis hin zu „Landschaften soweit das Auge reicht“ oder „Künstler des Niederrheins“ mit Arbeiten von Werner Gilles, Fritz Mühlen, Georg Neugebauer, Werne Labbé. Besondere Kapitel sind dem in Rheydt geborenen Vertreter der Düsseldorfer Malerschule, Johann Wilhelm Preyer, sowie dem Mappenwerk der noch wenig bekannten Künstler Hans Rilke und Lisa Hartlieb-Rilke gewidmet.