Mönchengladbach: Lest wieder mehr vor!

Frühkindliche Leseförderung : Lest wieder mehr vor!

In vielen Familien wird nur selten zu Büchern gegriffen, und es wird weniger miteinander geredet. Darum fehlen Kindern oft die Worte. In der Kita Pfiffikus spielt frühkindliche Leseförderung eine große Rolle.

Nicht die Kinder haben sich verändert. Einer spannenden Geschichte hören sie noch immer begeistert zu. „Sie sind sehr intensiv dabei, wenn man mit Herz vorliest“, sagt Samira Rippegather, Leiterin des Kinder- und Familienzentrums Pfiffikus. Die kleine Raupe Nimmersatt, Willi Wirsing oder die Geschichten rund um Conni lieben sie sehr. Aber es hat sich doch etwas geändert.

In den Familien wird immer weniger vorgelesen, ja, sogar weniger miteinander geredet. „Die Kinder haben heute einen geringeren Wortschatz“, stellt die erfahrene Kita-Leiterin fest. Und zwar unabhängig von ihrer Herkunft. Auch Kindern ohne Migrationshintergrund fehlten oft die Worte. Deswegen sind  das Vorlesen und das Schaffen von Sprachanlässen in Kitas so wichtig.

Das Familienzentrum Pfiffikus wurde jetzt für seine Angebote  gemeinsam mit sechs weiteren Mönchengladbacher Kitas mit dem Gütesiegel Buchkindergarten ausgezeichnet, das der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam mit dem Deutschen Bibliotheksverband vergibt. Mönchengladbach sticht damit durchaus positiv hervor: Im deutlich größeren Düsseldorf wurden fünf Einrichtungen ausgezeichnet, in Berlin sogar nur drei. Sprach- und Leseförderung werden in ihrer Bedeutung offensichtlich in der Stadt erkannt.

Wie sie erfolgreich umgesetzt werden können, zeigt die Arbeit im Pfiffikus. „Wir arbeiten erst einmal viel mit Bildern“, erklärt Samira Rippegather. Zum Beispiel um den Kinder Ausdrücke für Gefühle zu vermitteln. Auf Bildern sehen sie Gesichtsausdrücke – fröhliche, traurige, wütende. Gemeinsam suchen sie nach der richtigen Beschreibung.  Es ist gut, wenn man benennen kann, was man gerade fühlt. Bilder eignen sich auch,  um die Eltern besser einzubinden und darüber zu informieren, was im Kindergarten so alles passiert. Auf dem Speiseplan ist in Bild und Schrift zu erkennen, was es zu essen gibt. Auf Fotos werden die Aktivitäten gezeigt. „Visuelle Angebote kommen besser an“, weiß Rippegather. Schließlich werden in den Familien insgesamt mehr als ein Dutzend Sprachen gesprochen.  Deshalb funktioniert auch die Leseförderung mehrsprachig:  In Vorleserunden lesen die Eltern ein Bilderbuch in der Muttersprache vor, die Erzieher das gleiche Buch auf Deutsch.

Regelmäßig kommt eine „Vorleseoma“, die eigenen Lesestoff mitbringt, ins  Familienzentrum, aber den Kindern stehen  natürlich ständig Bücher zur Verfügung. Wenn sie die Geschichten gut kennen, spielen sie sie  gern nach. Zu den beliebten Conni-Geschichten gibt es große weiche Figuren, mit denen die Kinder agieren und sich sprachlich ausdrücken können. Auch Bilderbuch-Kino ist sehr beliebt: Die Kinder sehen gemeinsam  riesengroße Bilder an. Entweder wird dazu eine Geschichte erzählt oder die kleinen Zuschauer erfinden selbst eine. „Das ist sehr spannend, bei den Kindern kommen ganz andere Geschichten heraus“, sagt Rippegather lachend. Aufführungen des Kasperletheaters, über das die Kita verfügt, bieten ebenfalls Gelegenheiten, zu erzählen und mit Sprache umzugehen.

Am Freitag, 15. November, ist in diesem Jahr Vorlesetag. Dann rückt das Vorlesen noch mal besonders in den Mittelpunkt. Aber nicht nur dann. „Der Vorlesetag dauert die ganze Woche“, erklärt die Kita-Leiterin. „Wir fangen schon am Montag damit an.“ Es werden auch Autoren eingeladen, die aus ihren Kinderbüchern lesen. Außerdem kommt das Borussia-Maskottchen Jünter  zur Begeisterung der Kinder vorbei. Weil ein Fohlen aber natürlich  nicht sprechen kann, liest die Assistentin vor.  Eine Buchausstellung gibt Anregungen zum Selberlesen und natürlich auch zum Verschenken schöner Bücher und spannender Geschichten.