Mönchengladbach: Keine Panik bei Lebensmittelallergien

Tipps für Eltern : Keine Panik bei Lebensmittelallergien

Allergische Reaktionen auf Milch, Hühnerei oder Erdnüsse nehmen zu. Inzwischen ist jedes dritte bis vierte Kind von einer Allergie betroffen, acht Prozent leiden unter einer Lebensmittelunverträglichkeit.

Ein zweijähriges Kind hat immer wieder Bauchschmerzen und erbricht sich. Steckt ein Infekt dahinter oder eine Allergie? Was ist zu tun? Natürlich kann es sein, dass es sich um einen Magen-Darm-Infekt handelt. Findet der Kinderarzt aber keine Anzeichen dafür und treten die Reaktionen immer wieder auf, dann kann es sein, dass der Grund in einer Lebensmittelallergie zu suchen ist. Diese Vorstellung ist für viele Eltern der pure Horror. Deshalb versuchen sie vorzubeugen, bestimmte Lebensmittel, die als allergieerregend gelten, bei der Kinderernährung wegzulassen und so einer Allergie zuvorzukommen. Falsch, sagt Sonja Lämmel, Diplom-Oecotrophologin und Ernährungsberaterin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). „Wir wissen heute, dass es besser ist, Allergieauslöser früh zu geben und so das Immunsystem zu trainieren.“

Sonja Lämmel ist Diplom-Oecotrophologin beim Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Foto: dpa-tmn/DAAB

Das Beispiel Israel belegt das: Kleinkinder bekommen dort häufig Erdnusspaste, Erdnussallergien kommen aber selten vor. Es ist also nicht sinnvoll, von vorne herein auf Milch, Weizen, Soja, Hühnerei, Nüsse oder Erdnüsse in der Kinderernährung zu verzichten. Im Gegenteil. Kommt es aber zu einer allergischen Reaktion, also zum Beispiel zu Bauchschmerzen, Erbrechen, Ausschlag oder Juckreiz, sollte der Allergieauslöser medizinisch abgeklärt werden, rät die Expertin. Das geht durch die bekannten Hauttests, aber auch durch den Nachweis von Antikörpern im Blut. Aber Vorsicht: Das Vorhandensein eines Antikörpers bedeutet noch lange nicht, dass es tatsächlich zu einer allergischen Reaktion kommt. „Werden Antikörper gegen mehrere Lebensmittel gefunden, sollte in einer Klinik getestet werden, auf welchen Auslöser das Kind tatsächlich reagiert“, sagt Lämmel. Nur dieses eine Lebensmittel muss dann vom Speiseplan verschwinden. Alle anderen können weiter verzehrt werden. Werden sie vermieden, kann das Immunsystem sogar die vorhandene Toleranz verlernen.

Der diagnostizierte Auslöser der Allergie muss natürlich vom Speisezettel des Kindes gestrichen werden. Das ist aber nicht so schwierig, wie es sich anhört. Familien können Ernährungsberatung, wie sie der DAAB anbietet, in Anspruch nehmen. „Eine Ernährungsumstellung muss nicht teuer sein, wenn man ein wenig kreativ ist“, sagt die Beraterin. Wenn eine Milchallergie beispielsweise den Einsatz von Käse zum Überbacken verhindert, kann stattdessen mit in Margarine gerösteten Haferflocken eine knusprige Schicht auf den Auflauf gezaubert werden. Der DAAB hält Rezepte bereit, aber es gibt noch deutlich mehr Hilfestellung. Die Eltern werden zum Einkaufen begleitet und geschult im Erkennen der Bestandteile verarbeiteter Lebensmittel. Gemeinsam wird durchgegangen, wer einbezogen werden muss: Kindergarten, Schule und Caterer ebenso wie Freunde und Familie. Um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen, werden Alternativen wie Getreidedrinks oder Gemüsesorten besprochen. Auch das Familienleben kann Thema sein: Verzichtet jetzt die ganze Familie einschließlich der Geschwister auf Milch, Hühnerei oder Erdnüsse oder funktioniert es, den allergieauslösenden Bestandteil nur vom betroffenen Kind fern zu halten? Meist, weiß Sonja Lämmel, kommen Kinder mit der Allergie besser zurecht als die Eltern. „Sie wachsen da rein.“ Und manchmal auch wieder raus: Allergien gegen Milch oder Eier verschwinden unter Umständen ab dem siebten Lebensjahr wieder.

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