Digitalisierung am Städtischen Meerbusch-Gymnasium

SMG in Strümp : Digitale „Nachhilfe“ für Meerbuscher Schüler

Fünf Workshops an drei Tagen am Städtischen Meerbusch-Gymnasium: „Digi-Camp“ brieft Schüler im gesunden Umgang mit digitalen Medien.

Bertram Lettow beugt sich über ein iPad, auf dem ein kurzer Film abgespielt wird. Neben ihm stehen vier Schülerinnen und blicken ebenfalls auf den Bildschirm. „Gut habt ihr das dargestellt, cool mit dem Fade out!“, Lettow ist sichtlich erfreut über das Ergebnis. Nur eine kleine Kritik hat er: „Die eine Szene bitte noch rausschmeißen, die macht keinen Sinn“. Die Schülerinnen nehmen die Anmerkung dankend an und verschwinden aus dem Klassenraum. Lettows Workshop „iPads & Co: Fit für die digitale Zukunft“ ist an diesem Mittwoch nur einer von fünf Workshops, die den Achtklässlern am Meerbusch-Gymnasium angeboten werden. An drei Tagen sollen sie einen eigenverantwortlichen Umgang mit digitalen Medien lernen.

 Statt Deutsch, Mathe oder Musik stehen für die 135 Schüler „Youtube – Broadcast yourself“, „Instagram entdecken“, „MySimpleShow“ und „Bloggen wie es dir gefällt“ auf dem Stundenplan. „Immer online – nie mehr allein?“ – so lautet das Motto des dreitägigen Digi-Camps, das in Kooperation des Startups BG3000 und der Barmer Krankenversicherung und in Zusammenarbeit mit TÜV Rheinland entstanden ist. Das Präventionsprojekt steht unter Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Schüler sollen sich dabei mit Internetsucht, Cybermobbing und Internetsicherheit auseinandersetzen. Das Abweichen vom üblichen Schulprogramm unterstützt auch die Schulleiterin des Gymnasiums, Dorothee Schiebler: „Unser Ziel ist es, Schüler zu selbstbewussten Menschen zu erziehen, die eigenverantwortlich mit digitalen Medien umgehen und auch die Grenzen kennenlernen.“

Die Digitalisierung ist zwar auf dem Vormarsch, aber noch nicht an allen Schulen flächendeckend angekommen. So verhält es sich auch in Meerbusch. Man nutze zwar Laptops und Smartboards, doch Wlan gebe es noch nicht, so Schiebler. „Wir hoffen aber, dass wir die Anbindung im nächsten Jahr bekommen.“ Um den digitalen Wandel zu gestalten, sollen künftig auch Lehrer geschult werden. „Wir sind uns dessen bewusst, dass sich auch die Lehrer auf den Weg machen müssen. Die Nachfrage ist sehr groß, und die Kollegen sind sehr interessiert und motiviert“, bestätigt Martin Nummer, der sich am Meerbusch-Gymnasium um Suchtprävention kümmert. Bisweilen kommen digitale Geräte nur teilweise im Unterricht zur Geltung, grundsätzlich herrscht ein Smartphone-Verbot. „Zum Teil werden Smartphones aber schon gezielt im Unterricht eingesetzt, beispielweise zum Nachschlagen von Vokabeln“, ergänzt der Mittelstufenkoordinator Herbert Rabuske, „aber die Schüler müssen weiterhin beides können: analog und digital.“

An diesem Tag steht das Digitale klar im Vordergrund. Den Unterricht übernehmen Experten. „Es ist besser, dass die Inhalte der Workshops über externe Anbieter vermittelt werden, als wenn das die Lehrer machen. Wir erreichen die Schüler so eher“, erklärt Schulleiterin Schiebler. Den Youtube-Workshop leitet beispielsweise der Youtuber Sebastian Meichsner, der Teil des Comedy-Trios Bullshit TV ist, das auf einem gleichnamigen Youtube-Kanal Videos veröffentlicht. Bei den Schülern kommt der Workshop gut an. „Wir haben ein bisschen geschauspielert, erklärt, und dann haben wir aber auch noch gezeigt bekommen, wie man alles schneidet, das hat echt Spaß gemacht “, urteilt die 13-jährige Anna. Ihr Klassenkamerad Yuness, ebenfalls 13, ergänzt: „Ich fand’s interessant, mal zu sehen, wie es hinter der Kamera ist, weil jeder Youtube benutzt, und es war gut mal zu sehen, wie lange es auch dauert, ein Video zu schneiden und wie man zu der Idee kommt – dass man eigentlich gar nicht so viel braucht, um ein gutes Video zu machen.“

 Am Ende jedes Tages treffen sich alle Teilnehmenden, um gemeinsame Regeln für die Internetnutzung festzulegen. Ein sicherer und positiver Umgang mit dem Internet soll so auch als Suchtpräventionsmaßnahme fungieren. Das ist auch Bertram Lettow wichtig, in dessen iPad-Workshop sich die Schüler filmisch mit Cybermobbing auseinandersetzen sollen. „Die digitale Nutzung kann Möglichkeiten schaffen, die vorher nicht da waren“, so der Lehrer, „aber sie soll eben nur ergänzen und nicht ersetzen“.

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