Spaziergang durch den Schlosspark Morsbroich in Leverkusen

Serie Stadtgold - ein Herbstspaziergang : Kleines Paradies mit viel Wildwuchs

Im Schlosspark Morsbroich soll am kommenden Wochenende erstmals ein Herbstmarkt öffnen. Ein Spaziergang lohnt sich aber auch sonst.

Diese Woche war der Zugang zum Außengelände von Schloss Morsbroich etwas erschwert, weil dort wegen der Aufbauten des ersten großen Marktes „Herbstzauber“ am Wochenende jede Menge Lasten transportiert wurden. Normalerweise lohnt es sich, einen Spaziergang durch den Schlosspark am Eingangstor zu beginnen und vor dem Brunnen nach links abzubiegen. Denn auf dieser Seite stehen unmittelbar hinter dem Schloss zwei der ältesten Bäume, die beide etwas Besonderes sind. Die große Sumpfzeder links ist ein mehrere hundert Jahre altes Exemplar, ein älteres stehe in Leverkusen nur im Tillmanns Park in Bergisch Neukirchen, erklärt Lothar Schmitz. Er ist als Leiter des Fachbereichs Stadtgrün für Pflege und Erhalt dieses Parks zuständig, der offiziell dem städtischen Eigenbetrieb „KulturStadtLev“ gehört.

Auf dem Weg liegen winzige Esskastanien, die von einem ebenfalls betagten Baum gefallen sind, dem ein Blitzschlag vor einigen Jahren die Krone geraubt hat. Seitdem hat die Kastanie eine etwas skurrile Form und wird laut Schmitz „regelmäßig liebevoll beschnitten.“

Auch Nicole Hastrich fühlt sich im Schlosspark wohl, ebenso wie ihr Hund Max. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Über die alte Brücke mit dem verschnörkelten schmiedeeisernen Geländer führt der Weg in den äußeren Schlosspark, der durch einen Graben abgegrenzt ist. In Kaskaden plätschert das Wasser vom höher gelegenen Teich herunter. Bei der Anlage des Geländes nach dem Vorbild eines englischen Landschaftsparks hat man darauf geachtet, dass er vom Schloss aus im Zentrum des Blickfeldes liegt. Heute ist er eher zu hören als zu sehen, denn die bewusst gestalteten Sichtachsen sind längst zugewachsen und müssten dringend beschnitten werden, um die alte Schönheit einer Kulturlandschaft mit dem idealisierten Bild von der Natur wiederzuerlangen.

Das gehört auch zum Nutzungskonzept für das gesamte Ensemble Schloss Morsbroich, das der Museumsverein zur Neubelebung und Einnahmeverbesserung erarbeitet hat. Dieser Plan sieht auch einen beschrifteten Skulpturen- und Naturlehrpfad vor. Will man den oberen Teich so idyllisch erhalten wie er sich jetzt darstellt, müsste er auch gereinigt werden. „Sonst versumpft er“, prognostiziert Lothar Schmitz, denn hier fällt tonnenweise Laub von den hohen Bäumen, die einen kleinen Misch-Wald mitten in der Stadt gebildet haben.

Lothar Schmitz kennt sich im Park gut aus. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)

Dieser Teil des Parks ist offiziell ein Wald, für dessen Hege und Pflege ist der zuständige Förster Karl Zimmermann verantwortlich, erklärt Schmitz, während wir dem verschlungenen Weg außerhalb seines Zuständigkeitsbereiches folgen. Hier dürfen abgeholzte kranke Stämme in Ruhe verrotten und dabei Pilzen, Moosen und allerlei Getier einen Lebensraum bieten. Ein abgeflachtes Exemplar ließ man am Wegrand liegen als natürlichen Schwebebalken für Kinder.

Auf dem Teich tummeln sich mehrere Entenpaare. Ein Teil eines umgestürzten Baumes ragt als kleine Insel aus dem Wasser und schießt neue Triebe in die Luft. Eine Schildkröte hat sich an den Rand geschmiegt und sonnt sich in dieser Idylle, die ganz vergessen lässt, dass man sich mitten in der Stadt und zwischen zwei Hauptstraßen befindet. Die Autogeräusche am Ende des Weges erinnern wieder daran. Hier führt eine kleine Brücke auf die andere Seite zurück. Von dort sollte man genau auf das Schloss blicken, wenn nur die Äste beschnitten und die selbst ausgepflanzten Schösslinge entfernt würden. In den sehr alten hohen Fichten sind Reiher-Brutkolonien zu Hause.

Dann öffnet sich das Gelände mit Wiesen und halbhohen Sträucher-Inseln, die im Rahmen des Landschaftsplanes angelegt wurden, und wo vereinzelt Skulpturen aus der städtischen Sammlung Morsbroich zu entdecken sind. Hier ist wieder Lothar Schmitz zuständig mit seinem Fachbereich, der die Wiesen zwei Mal im Jahr mäht. „Das ist kein Rasen“, sagt er. Solche Freiflächen seien für die Tiere so wichtig wie der Wildwuchs mit Brennnesseln auf der anderen Seite des Weges, den manche Bürger als unordentlich bemängeln, der aber Schmetterlingen und Insekten Nahrung bieten. Um vier Prachtexemplare alter Bäume – je eine Rotbuche, Stileiche, Blutbuche und Platane – wurde ein Weidezaun gezogen, den sichtlich nicht alle Spaziergänger respektieren.

Durch die Absperrung mit Warnschild konnten die nicht mehr ganz gesunden Bäume erhalten werden. „Ich gehe nicht davon aus, dass die morgen umfallen“, sagt Schmitz, zeigt aber auf die riesigen Pilze an Wurzeln und Stamm der Rotbuche, die dem Baum Kraft rauben. Gefährlich kann es bei Sturm werden, warnt Schmitz, Parkbesucher sollten sich fernhalten.

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