Motorsport : Das perfekte Manöver

Motorsportler Jörg Bergmeister musste seinen Titel abgeben. Aber im letzten Rennen der American Le Mans Series 2011 hatte der Langenfelder wieder eine Hauptrolle – als er kurz vor Schluss spektakulär Rang zwei eroberte.

Motorsportler Jörg Bergmeister musste seinen Titel abgeben. Aber im letzten Rennen der American Le Mans Series 2011 hatte der Langenfelder wieder eine Hauptrolle — als er kurz vor Schluss spektakulär Rang zwei eroberte.

 Hoch die Tassen: Patrick Pilet, Patrick Long und Jörg Bergmeister (von links) werden wohl noch einen Platz für ihre Trophäen finden können.
Hoch die Tassen: Patrick Pilet, Patrick Long und Jörg Bergmeister (von links) werden wohl noch einen Platz für ihre Trophäen finden können. Foto: Porsche AG

Die Saison 2011 hatte Jörg Bergmeister ja grundsätzlich längst abgehakt. Schließlich war der Titelverteidiger in der American Le Mans Series (ALMS) bereits zur Halbzeit nur noch ein Mitfahrer — weil eine frustrierende Mischung aus unglücklichen Renn-Situationen, technischem Pech und Einstufungs-Theater die erhofften Ergebnisse blockierte.

Trotzdem dachte der fünfmalige ALMS-Gesamtsieger nicht daran, den kleinen Rest des Jahres komplett wegzuwerfen. Für die professionelle Hartnäckigkeit gabs auf der Zielgeraden auch einen reichhaltigen Lohn.

Nach dem Sieg von Laguna Seca (Kalifornien/17. September) lieferte der Langenfelder nun beim Klassiker "Petit Le Mans" in Braselton (Georgia) den nächsten Höhepunkt. Im Zehn-Stunden-Rennen auf der Road Atlanta sicherte er sich in einem spektakulären Überholmanöver zwei Minuten vor Schluss den zweiten Platz.

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"Das war schon sehr ordentlich", fand der 35-Jährige, "und ein guter Saison-Abschluss. Es war schön zu sehen, dass wir es doch noch hinkriegen." Mit "wir" waren Bergmeister, US-Teamkollege Patrick Long, der nur für dieses Rennen hinzugeholte Franzose Patrick Pilet und das Team Flying Lizard Motorsports (Sonoma/Kalifornien) gemeint. Strategie und Arbeit der Mechaniker liefen draußen reibungslos. Und auf der Strecke leisteten die Fahrer starke Beiträge dazu, dass die Lizards trotz zweier unplanmäßiger Boxenstopps (jeweils Reifenschaden) immer für eine Top-Platzierung in Frage kamen.

Wenn die Zeit wegläuft

"Wir wollten uns zunächst einfach aus allem raushalten", berichtete Bergmeister, der den Porsche 911 GT 3 RSR im Qualifying auf den fünften Startplatz in der GT-Klasse gestellt hatte. Nach neun Stunden lag Bergmeister hinter dem enteilten Ferrari 458 Italia mit dem früheren Formel-1-Piloten Giancarlo Fisichella und dem BMW M 3 GT mit Dirk Werner (Kissenbrück).

Den Rückstand arbeitete Bergmeister Stück für Stück auf, ehe eine Viertelstunde vor dem Ende eine Gelbphase alle einbremste. Vorteil: Der Porsche kam noch dichter heran. Nachteil: Die neun Minuten im gedrosselten Tempo kosteten Zeit, denn fürs Überholmanöver blieben nun keine zwei Runden mehr.

ALMS-Routinier Bergmeister (seit 2002 in den USA dabei) behielt jedoch einen kühlen Kopf, legte sich einen Plan zurecht — und ging in der sechsten Kurve der vorletzten Runde außen vorbei. Dieses Manöver fanden nicht nur die Lizards und die neutralen Fans klasse, sondern auch die Konkurrenten bei BMW. Jörg Bergmeister bescherte zugleich "seinem" Reifenlieferanten (Michelin) den Sieg in der ALMS-Reifenwertung, was er doppelt erfreulich fand: "Das wusste ich unterwegs gar nicht. Aber wir hatten bei den Reifen eine sehr gute Partnerschaft. Und es ist schön, auf diese Art etwas zurückzugeben."

Optimale Ausbeute

Eine ähnliche Extra-Gabe folgte für Bergmeister und Patrick Long. Platz zwei aus dem Rennen brachte tatsächlich die 30 Punkte für Rang eins, weil der siegreiche Ferrari in "Petit Le Mans" nicht für die ALMS unterwegs war — sondern für den Intercontinental Le Mans Cup. Unter dem Strich holten Bergmeister/Long deshalb in den beiden letzten Rennen in 2011 die maximal möglichen 55 Zähler. So etwas darf echt als sehr ordentlich durchgehen.

(RP/rl)