Krefeld: Stahlkrise kostet hunderte Arbeitsplätze

Outokumpu und Deutsche Edelstahlwerke : Stahlkrise kostet hunderte Arbeitsplätze

Die Lage ist ernst. Die Verantwortlichen der Deutschen Edelstahlwerke und des finnischen Wettbewerbers Outokumpu wählen außergewöhnlich deutliche Worte zur Lage in der Stahlbranche. Die Konsolidierung wird hunderte Arbeitsplätze in Krefeld kosten.

Die Stahlbranche kriselt. Im Zuge der wirtschaftlichen Abkühlung sei die Stahlindustrie in schweres Fahrwasser geraten, erklärte Clemens Iller, Chef des Schmolz & Bickenbach-Konzerns, zu dem auch die Deutschen Edelstahlwerke (DEW) in Krefeld gehören. Dieser Einschätzung dürfte auch Vorstandskollege Roland Baan vom Wettbewerber Outokumpu nicht widersprechen. Beiden in Krefeld ansässigen Stahlwerken DEW und Outokumpu Nirosta geraten immer mehr unter Druck.

Die Zahlen für beide Konzerne versprechen nichts Gutes. Millionen-Defizite im dritten Quartal, sinkende Auftragseingänge, Rückgang bei den Umsätzen, niedrige Absatzmengen stehen zu Buche. In beiden Fällen plant das Management, Personalkosten durch Stellenabbau zu reduzieren. In dem einen Fall (Outokumpu) heißt die Vokabel „Personalverhandlungen“, in dem anderen Fall (DEW) „Personalrestrukturierungsmaßnahmen“.

Details dazu liefert Schmolz & Bickenbach noch nicht. Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Outokumpu ist da schon einen Schritt weiter. „Wir haben die Verhandlungen mit den Sozialpartnern aufgenommen. In Abhängigkeit von den zu vereinbarenden Maßnahmen könnten bis zu 350 Arbeitsplätze in Deutschland betroffen sein“, erklärte Nora Fink, Kommunikationschefin für Europa, auf Anfrage unserer Zeitung. Die finnische Aktiengesellschaft müsse die Effizienz der deutschen Gesellschaften dringend steigern, denn die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland stehe unter dem signifikanten Druck schwieriger Marktbedingungen, betonte Nora Fink. Das Geschäft von Outokumpu werde nachteilig beeinflusst durch US-Strafzölle für Stahlimporte, Billigimporte aus Asien, enormen Preisdruck in Europa sowie steigende Energiekosten. „Deshalb führen wir bilaterale Gespräche mit Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaft“, sagte sie

Es werde einige Zeit dauern, bis sich die involvierten Parteien auf mögliche Maßnahmen einigten, und erst danach könne Outokumpu eine Schätzung abgeben, in welchem Umfang Einsparungen möglich seien. Bei durchschnittlich 45.000 Euro Jahreseinkommen pro Stahlwerker käme ein Betrag von etwa 15 Millionen Euro im Jahr zusammen.

Wann mit dem Stellenabbau begonnen werden kann, steht offenbar nicht genau fest. „Wir haben die Verhandlungen mit Arbeitnehmervertretung und Gewerkschaft aufgenommen und beabsichtigen, diese bis Ende des Jahres abzuschließen. Sobald mögliche Vereinbarungen getroffen worden sind, werden wir diese kommunizieren“, informierte Nora Fink.

Neben dem größten deutschen Standort Krefeld sind auch die kleineren in Dahlerbrück und Dillenburg betroffen. „Da wir insgesamt für Outokumpu in Deutschland eine deutliche Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit anstreben, bewerten wir unsere Geschäftstätigkeit und Effizienz über alle deutschen Standorte hinweg“, bestätigte Nora Fink.

Großaktionäre von Outokumpu sind finnische Renten- und Versicherungskassen, die das Geld ihrer beitragzahlenden Mitglieder anlegen und auf Rendite angewiesen sind.

Die Schmolz & Bickenbach AG als Eigentümerin der DEW weist aktuell eine Nettoverschuldung in Höhe von 723,5 Millionen Euro aus. Trotz intensiver Bemühungen, die Kosten zu senken, fiel das Ergebnis des dritten Quartals im laufenden Geschäftsjahr schwach aus. Die Lage habe sich weiter zugespitzt, heißt es im Quartalsbericht. Der Rückgang von 470.000 auf 405.000 Tonnen verkauften Stahls sei vor allem der geringeren Absatzmenge beim Qualitäts- und Edelbaustahl geschuldet. In dieser Sparte habe die Schwäche der Automobil- und Maschinenbaubranche voll durchgeschlagen.

Zusätzlich zu den intensiven Bemühungen, die Kosten zu senken, plant Schmolz & Bickenbach eine Kapitalerhöhung (wir berichteten), um „wieder eine nachhaltige Finanzstruktur herzustellen“. Die Aktionäre sollen dazu in einer außerordentlichen Generalversammlung am 2. Dezember ihre Zustimmung erteilen.

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