Krefeld: Currenta sorgt sich wegen Niedrigwasser im Rhein

Industrie : Currenta: Sorge wegen Niedrigwasser

Die Niedrigwasserstände im Rhein bescheren der chemischen Industrie Millionenverluste. Der Chempark hofft auf einen 8-Punkte-Plan der Bundesregierung. Der Schiffsverkehr ist nicht durch Lkw oder Bahn zu ersetzen.

Der Chempark Uerdingen setzt große Hoffnungen in den Notfallplan gegen Niedrigwasser im Rhein, der jetzt vom Bundesverkehrsministerium auf den Weg gebracht wurde (wir berichteten im Wirtschaftsteil). Das Niedrigwasser und die damit verbundene eingeschränkte Schiffbarkeit des Rheins bringen für die chemische Industrie auch in Uerdingen immer mehr massive Probleme und erhebliche Verluste mit sich. Der Klimawandel, so er denn für die auffällig sich häufenden niedrigen Wasserstände verantwortlich ist, fordert offenbar seinen Tribut: Vater Rhein ist keine verlässliche Größe mehr. „Den Wasserstand im Rhein können wir nicht beeinflussen. Kurzfristig helfen würde uns aber eine Verbesserung der Vorhersagen und eine Echtzeitüberwachung der Wasserstände“, sagt Chempark-Leiter Lars Friedrich auf Anfrage unserer Redaktion.

Zur mittelfristigen Verbesserung der Situation sei eine Abladeoptimierung an Mittel- und Niederrhein zwingend erforderlich. „Deshalb begrüßen wir auch den 8-Punkte-Plan ausdrücklich. Besonders wichtig sind uns dabei der gesellschaftliche Dialog und das Bewusstsein, dass unsere Industrie von dem Transportweg Rhein abhängig ist. Jetzt bauen wir auf die Politik, um die konkreten Maßnahmen weiter nach vorne zu treiben“, so Friedrich weiter, „der Rhein ist eine unserer Lebensadern und muss gestärkt werden.“

Die Bedeutung des Rheins als umweltfreundliche Verkehrsader der Industrie kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die niedrigen Rheinpegel im Jahr 2018 haben der Chemieindustrie schwere Verluste zugefügt. Produktionsausfälle und höhere Logistikkosten wegen des niedrigen Wasserstands des Rheins hatten im vergangenen Jahr bei Covestro zu einer Gewinnwarnung geführt, da der operative Gewinn nicht, wie erwartet, gesteigert, sondern leicht gesunken war. Bei BASF sorgte das Niedrigwasser für Produktionsausfälle; der Konzern verlor 200 Millionen Euro.

Die Bedeutung der Binnenschifffahrt zeigen auch einige Zahlen aus Uerdingen. Im Jahr erreichen den Chempark Krefeld-Uerdingen rund 1.500 Schiffe, erläuterte ein Currenta-Sprecher. Aufs Jahr gerechnet werden dort 1,8 Millionen Tonnen Rohstoffe umgeschlagen. Wie stark der Rhein dabei Straße und Schiene entlastet zeigt ein griffiges Beispiel: Wenn man mit einem Binnenschiff mit 1.500 Tonnen Ladung rechnet, entspricht dies in etwa 25 Bahnkesselwagen oder 60 Lkw, rechnet Currenta vor.

75 Prozent der zur Produktion eingehenden Stoffe und 27 Prozent der ausgehenden Lieferungen mit neuen Produkten werden beim Chempark über Binnenschiffe abgewickelt. Allein bei Covestro werden in den Werken Leverkusen, Dormagen und Uerdingen jährlich 2800 Binnenschiffladungen ent- und beladen, was der Ladung von 168.000 Lkw entspricht. Aus diesem Zahlen folgt auch: Selbst wenn man es wollte, die Verlagerung auf Schiene und Straße ist nur teilweise möglich, sinnvoll schon gar nicht, weder ökologisch noch ökologisch.

Die Bedeutung der Schifffahrt schlägt sich auch in Investitionen nieder. Bei der Abwicklung am Hafen wird zwischen dem Umschlag von „festen“ und „flüssigen“ Rohstoffen unterschieden. Die Feststoffe, wie Salz und Kohle, fördert der Schüttgutkran über die Rheinuferstraße vom Schiff in den Standort – dieser Kran wird in Uerdingen erneuert. 2,5 Millionen Euro gibt Currenta für den neuen Schüttgutkran und die anliegende Infrastruktur aus. „Diese Investition ist zentral, denn: ohne Schüttgut, keine Produktion im Chempark“, erklärt ein Currenta-Sprecher. Mit dem neuen Kran erweitert Currenta bis 2020 die Logistik am Hafen, mit dem Ziel, zusätzliche Rohstoffe über den Kai abzufertigen. „Eine klare Investition in die Zukunftsfähigkeit des Standortes“, betont Currenta. Mit dem neuen Kran werde ein Umschlag von 720.000 Tonnen Schüttgütern pro Jahr möglich sein. „Die geplante Schüttgutmenge entspricht etwa dem Gewicht von 18.000 Lkw – oder 120.000 afrikanischen Elefanten“, erklärt der Chempark.