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Krefeld: Comedy zwischen Flora aus aller Welt

Humor : Comedy zwischen Flora aus aller Welt

Beim neunten „Lachblüten-Festival“ lockten 24 Künstler aus Kabarett und Comedy in den Botanischen Garten Krefelds.

Wenn David Werker, Matthias Reuter und Amjad sich eine Bühne teilen, wird ein Humorfeuerwerk erwartet – und die Künstler lieferten ab. Eine Lachsalve jagte die nächste in dem voll besetzen Pavillon im Botanischen Garten. Sogar der Platzregen konnte die Stimmung des begeisterten Publikums nicht dämpfen – sorgte er vielmehr für Running-Gags über den ganzen Abend.

Das Lachblüten-Festival wird jedes zweite Jahr federführend von Kabarettistin Betti Ixkes, in Zusammenarbeit mit Birgit Loy, Leiterin des Botanischen Gartens, organisiert. Nach Schließzeit des Gartens, werden an neun Tagen die Pforten für Comedy-Liebhaber geöffnet, die in einem Pavillon wind- und wettergeschützt dem Humor frönen. Für die kulinarischen Einlagen sorgt das Gastro-Team des Jazzkellers. Den Warm-Upper und die Zwischenmoderation übernimmt Kabarettist Rüdiger Höfken. Höhepunkt der Veranstaltungsreihe war, die bereits im Mai ausverkaufte Vorstellung mit David Werker, Amjad und Matthias Reuter. Die drei Künstler ergänzten sich hervorragend und erfüllten die gelobte Rolle als „Lachfachkräfte, die gekonnt das Zwerchfell massieren“.

Mit der Trainingsjacke ab- und dem Sportsakko angelegt, ist David Werker „plötzlich seriös“. Der in Krefeld aufgewachsene Comedian thematisiert in seinem Bühnenprogramm das Älterwerden. Zwar identifiziere er sich als drei Zwölfjährige und nicht als ein 36-Jähriger, doch das Alter habe seine Spuren bei ihm gelassen. Mit leicht nachvollziehbaren Geschichten punktet der Künstler bei dem Publikum, dass sein Alter im Schnitt vor circa 20 Jahren hinter sich gelassen hat. So schleiche er sich mittlerweile von Partys um zu schlafen und trinke Rotwein tatsächlich für den Genuss. Wenn das Klischee der stets dümmer werdenden Jugend, oder „mobile Smartphone-Halterungen“, wie Werker sie nennt, auf den Tisch gebracht wird, herrscht schallendes Gelächter im Pavillon.

Wie ein Vertreter dieser Generation wirkt hingegen Amjad. Der Gewinner des „Hamburger Comedy Pokals 2019“ ist ein palästinensischer Stand-up-Comedian, der quirlig über die Bühne fegt und „Insta-Stories“ macht. Der 31-Jährige bringt derben bis schwarzen Humor und findet damit großes Gefallen bei den fast ausschließlich deutschen Zuschauern. Unter stetigem Beifall spielt Amjad mit Klischees und erläutert die Unterschiede der deutschen und der arabischen Kultur. Die spießigen Deutschen, mit ihren seltsam benannten Bräuchen („Babypinkeln“ und „Frühshoppen“), kriegen dabei genauso ihr Fett weg, wie die radikalen Araber, die den Deutschen ihre Traditionen aufzwängen, aber Schwein essen, weil sie es für Hühnchen halten. Dass er dabei regelmäßig auch unter die Gürtellinie geht, stört niemanden. Routiniert zieht Amjad seine als „18+“ gekennzeichnete Show durch, findet aber immer wieder Zeit zur direkten und willkommenen Interaktion mit dem Publikum.

Als musikalisches Kontrastprogramm zu den Comedians rundete Matthias Reuter den Abend ab. Der 42-jährige Kabarettist behandelt am Piano gewitzt Themen zur Politik und Wirtschaft. Mit dem „Bildungsblues zum NRW-Abitur“ nimmt er Berühmtheiten aufs Korn, die ihre lückenhafte Bildung am Niederrhein oder im Ruhrpott genossen und jetzt öffentlich zur Schau tragen. Wenn nicht gelacht oder geklatscht wird, lässt der eindringliche Sound die Besucher rhythmisch wippen und den Chorus mitsingen. In Persona eines „russischen Hackers“ erzählt Reuter zudem, wie vier Computerfreaks heimlich die Welt regieren. Dabei erläutert er, dass Angela Merkel aus dem 3D-Drucker stamme, Wladimir Putin nur ein schlechter Schauspieler sei und der wahre Machthaber in der O2-Telefonzentrale am Rhein sitze und Kunden gehässig in die Warteschleife verbanne. Spätestens jetzt ist kein Auge im Publikum mehr trocken.

Mit tosendem „Lachblüten-Spezialapplaus“ werden David Werker, Matthias Reuter, Amjad und Rüdiger Höfken nach zweistündigem Programm auf der Bühne bejubelt und in die Nacht verabschiedet.

Organisatorin Betti Ixkes resümiert das Festival als großen Erfolg. Im Schnitt seien 120 der 140 Plätze im Pavillon besetzt gewesen. Die Shows am Wochenende seien vollständig ausverkauft und die Stimmung gerade bei Regenfall überragend gewesen.