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Krefeld: Tänzerische Reise durch die Hochschule

Der Eintritt ist frei : Tänzerische Reise durch die Hochschule

Verschwimmende Grenzen zwischen Künstlern und Zuschauern: Einen Performance-Parcours zum 200. Geburtstag des Komponisten Jacques Offenbach gab es am Wochenende in der Hochschule Niederrhein.

Einen wahren Performance-Parcours zum 200. Geburtstag des Komponisten Jacques Offenbach gab es am Samstag in der Hochschule Niederrhein. Unter dem Titel „Larmes bouffes – Komische Tränen“ präsentierte die Emanuele Soavi incompany aus Köln die Uraufführung einer tänzerisch-musikalischen Reise in sechs Bildern durch das Gebäude des Fachbereichs Design samt Vorplatz und Innenhof und spürte dabei Offenbachs Meisterschaft des gesellschaftskritischen Entertainments nach – zwischen Schönheit und Dekadenz, Oberfläche und Abgrund, Lachen und Weinen.

Gleich der Beginn der Performance ließ die Grenzen zwischen Künstlern und Zuschauern verschwimmen. Während am Eingang des Foyers zwei Cellistinnen Offenbachs Opus 53 Nr. 1 Allegro spielten, bahnten sich von hinten durch die im Halbkreis stehenden Zuhörer offensichtlich unerwartet – wie an den erstaunten Gesichtern abzulesen war – vier Tänzer ihren Weg, um sich wie in einer Modenschau auf dem roten Teppich zu präsentieren. „Ich wollte mit diesem Bild daran anknüpfen, dass Offenbach ja auch zum Entertainment geschrieben hat und das mit der Modenschau in die heutige Zeit holen“, erläutert Choreograph Emanuele Soavi.

Zum zweiten Bild, dem „Rennen“, ging die Reise für Zuschauer und Ensemble weiter in einen der Hochschul-Gänge, wo mit einem Megaphon laut eine Art Countdown verkündet wurde, während die Tänzer den Gang entlang performten und zum Ziel hatten, als erster zum Megaphon zu kommen. Für Soavi eine Weise, die Schnelllebigkeit der Operetten im Paris zu Offenbachs Zeit auszudrücken.

Das dritte Bild entführte die Zuschauer in den begrünten Innenhof. „Offenbach war der erste Operetten-Komponist, der in seinen Werken über die Probleme in der Beziehung zwischen Mann und Frau gesprochen hat“, schildert Soavi. Dies drückten dann auch die vier Tänzer eindrucksvoll und für die Betrachter geradezu nachempfindbar durch ihre getanzten Emotionen aus.

Um Offenbachs Opéra bouffe „Orpheus in der Unterwelt“ ging es im vierten Bild. Während die Tänzer als Monster der Unterwelt miteinander kämpften, ließen die Cellistinnen das Andante erklingen. Als sich das Höllenfest zum Höhepunkt steigert, ertönte der Can Can, mit dem alsdann das Publikum in einen weiteren Gang des Hochschulgebäudes gelockt und dort bereits von den zwei Tänzerinnern empfangen wurde, die in Rund zweieinhalb Metern Höhe auf einer Mauer aßen. Erstaunt hörten die Gäste der Tänzerin zu, die etwas auf Koreanisch erzählte. Danach folgt von der anderen Tänzerin, jetzt auf Deutsch, eine ausdrucksstarke Beschreibung: Es fange ganz unten an, gehe dann weiter hoch und sprudele oben heraus. Manchmal, wenn es ganz heftig sei, kämen ihr sogar die Tränen. Und dann gehe es wieder los, dann etwas weiter oben. Bei den Gästen sorgte das für ein belustigtes Schmunzeln. „Es geht um das Lachen, was man in manchen Situationen einfach nicht unterdrücken kann, obwohl man es will“, so Soavi. Zum Ende des Bildes brachen beide Tänzerinnen dann in wahre Lachsalven aus. Da konnte auch das Publikum nicht mehr anders und lachte erfrischt mit.

Offenbachs Musik sei immer sehr dynamisch mit großem Tempo, habe viel zu tun mit der Gesellschaft, aber auch mit Effekten, mit Theater, einem großen Orchester, sagte Soavi. Für ihn als Choreograph sei daher die erste Frage gewesen, wie er das umsetzen könne. „Ich habe dann entdeckt, dass Jacques Offenbach dieses schöne Duett für Cello gemacht hat. Und das war für mich eine Überraschung und hat mir die Möglichkeit gegeben, Offenbach mit anderen Augen zu sehen.“ Zu Offenbachs Zeit sei die Nachfrage nach schnell produzierten neuen Operetten groß gewesen. „Alle ein bis zwei Wochen musste in Paris eine neue Operette gemacht werden. Das war viel Druck. Genau das spiegelt die Schnelligkeit in Offenbachs Musik wider“, so Soavi. „Cello ist eine komplett andere Welt. Manchmal ist sie sehr melancholisch, manchmal zwischen Liebe und Tragödie, manchmal auch einfach nur sehr schön zu hören.“ So sei er auf die Idee gekommen, im letzten Bild eine sehr ruhige Hommage an „Les Larmes de Jacqueline“ zu machen. Am Schluss der Performance verlassen die Tänzer langsam und winkend die Aufführung. „Offenbachs Karriere hat am Ende in Paris nicht mehr funktioniert, es gab viel Kritik“, sagt Soavi, der mit dieser Szene den Abgang des großen Komponisten verbildlichen möchte.

Premiere Move in town "Larmes bouffes - Komische TrŠnen", ein Performance-Parcours zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach, Hochschule Niederrhein, Fachbereich Design, Frankenring 20. Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)
Premiere Move in town "Larmes bouffes - Komische TrŠnen", ein Performance-Parcours zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach, Hochschule Niederrhein, Fachbereich Design, Frankenring 20. Foto: Ja/Jochmann, Dirk (dj)

Das Format „MOVE! in town“ wird gefördert durch das NRW-Ministerium für Wissenschaft im Rahmen der Mittelzentrenförderung Tanz für das Kulturzentrum Fabrik Heeder. Wer die Performance sehen möchte, der hat am Freitag, 19. Juli, um 20 Uhr noch einmal die Gelegenheit dazu. Und zwar in der Hochschule Niederrhein, Fachbereich Design, am Frankenring 20. Start ist im Foyer vor der Mensa. Der Eintritt ist frei, die Veranstaltung ist nicht barrierefrei.