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Corona: Krefeld auf dem Weg zum Hotspot - Krisenstab tagt

Krisenstab tagt : Krefeld auf dem Weg zum Corona-Hotspot

Die Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner steigt weiter an: Sie liegt nun laut Robert-Koch-Institut für die vergangenen sieben Tage bei 193. Am Sonntag hatte der Wert noch 180 betragen. Am Dienstag tagt der Krisenstab.

Krefeld ist kurz davor, zum Corona-Hotspot zu werden. Der Inzidenzwert ist auf 193 gestiegen und liegt damit nur noch knapp unter der Marke von 200. Ab dann sind zusätzliche (Bewegungs-) Einschränkungen für die Bürger möglich, sofern das Land dem zustimmt. Oberbürgermeister Frank Meyer hatte ab Montag, 11. Januar, eine bisherige Maskenpflicht für die City aufgehoben. Die Schließung der Einzelhandelsgeschäfte und die daraus resultierende geringe Passantenfrequenz habe zur Folge, dass die Stadtverwaltung die Maskenpflicht in den hochfrequentierten Fußgängerbereichen vorerst aussetzt. Es sei geboten, eine solche Maskenpflicht angemessen rechtlich zu begründen. Meyer: „Wir wollen nicht Gefahr laufen, dass ein Gericht diese temporäre Maskenpflicht von 8 bis 20 Uhr aufhebt.“ Sobald der Einzelhandel wieder öffnen darf, werde er die Pflicht wieder einführen.

Teile der Politik zeigen sich über diese Entscheidung schockiert: „Das Aufheben der Maskenpflicht in der Innenstadt ist mitten im Lockdown ein fatales Signal an die Bevölkerung“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Philibert Reuters angesichts der Entscheidung des Oberbürgermeisters. „Wir sind mitten im Lockdown mit steigenden Corona-Zahlen und OB Meyer hebt die Maskenpflicht auf. Das ist nicht nachvollziehbar. Selbst wenn dagegen jemand klagen würde, wäre unklar, wie ein Gericht entscheidet. Durch die Drogerien und Einzelhändler und das Pendeln in die Büros und Geschäfte ist die Innenstadt weiterhin mit vielen Menschen gefüllt. Daher ist es aus unserer Sicht nicht verhältnismäßig, die Maskenpflicht tagsüber aufzuheben“, erklärt der Christdemokrat.

„Die Kurve der Neuinfektionen mit dem Corona-Virus zeigt in Krefeld weiterhin nach oben“, umschreibt die Verwaltung die aktuelle Lage. Natürlich habe man die Situation im Blick, heißt es aus der Chefetage des Rathauses. Am Dienstag, 12. Januar, tage wieder der Corona-Krisenstab unter Leitung von Meyer. Anschließend will der Verwaltungschef Stellung nehmen. 70 Verstorbene gibt es im Zusammenhang mit Corona in Krefeld seit Ausbruch der Pandemie, mehr als ein Dutzend Erkrankte starben allein in der vergangenen Woche.

In den 24 Stunden von Sonntag, 10., bis Montag, 11. Januar, (Stand: jeweils 0 Uhr) wurden in Krefeld 65 Menschen positiv auf eine Erkrankung getestet. Damit sind 872 Personen akut infiziert (Sonntag: 847), 4.975 gelten als genesen. Die Gesamtzahl aller positiven Tests stieg um 65 auf 5.917 (Sonntag: 5852). Auch die Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner stieg an: Sie liegt nun laut Robert-Koch-Institut für die vergangenen sieben Tage bei 193 (Sonntag: 180). In den Krankenhäusern müssen aktuell 67 Corona-Patienten aus Krefeld stationär behandelt werden, zehn von ihnen intensivmedizinisch. Sieben Patienten sind an Beatmungsgeräte angeschlossen. Für 16.923 Krefelder war eine Quarantäne notwendig. Es wurden bis dato 40.015 Erstabstriche vorgenommen, 474 Proben sind noch offen.

Kaum eine Maßnahme der jüngsten Corona-Beschlüsse wurde so hitzig diskutiert wie die 15-Kilometer-Regel. Vereinbart wurde, den Bewegungsradius in Gebieten in denen die Zahl der Neuansteckungen 200 pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschreitet, auf 15 Kilometer um den Wohnort zu begrenzen. Ob die 15-Kilometer-Regel in NRW Anwendung findet, entscheiden Kreise und Städte mit einem Inzidenzwert von über 200 selbst. Sie müssen Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium halten. Aus der Muss-Regel ist somit aktuell eine Kann-Regel geworden.

Ob das Land einer solchen Regelung zustimme, sei am Montag, noch nicht klar gewesen, erklärte die zuständige Gesundheitsdezernentin Sabine Lauxen. Sie halte nur eine landesweit einheitliche Regelung für sinnvoll: „Was soll es bringen, wenn Krefeld den Radius einführt, die Nachbarkommune aber nicht?“ Über weitere Maßnahmen soll bei einer Sitzung des Krisenstabes am Dienstag beraten werden; eine Maßnahme könnte es sein, die gerade ausgesetzte Maskenpflicht wieder  einzuführen.