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Krefeld: Auf dem Ostwall leuchtet ein Kunstwerk von Christian Theiß

Kunstverein Krefeld : Der Ostwall leuchtet mit Kunst

Auf Einladung des Kunstvereins Krefeld hat der Meerbuscher Künstler Christian Theiß eine Installation mit Licht und effektvollen Farben für den Glaspavillon auf dem grünen Mittelstreifen geschaffen. Bis Mitte Februar ist sie zu sehen.

Egal, wie trüb sich der Januar präsentiert. Wer den Ostwall passiert, sieht ein feines Leuchten. Eine filigrane Konstruktion aus Edelstahlringen dreht sich langsam  im Schein von farbwechselndem Licht: Der Künstler Christian Theiß hat für den  Glaspavillon auf dem Ostwall-Mittelstreifen eine Installation inszeniert. „Ostwall leuchtet“ ist ein eigenständiges Projekt des Krefelder Kunstvereins, aber eine logische Weiterführung der schönen vorweihnachtlichen Idee von „Krefeld leuchtet“ in den Schaufenstern leer stehender Geschäfte.

Der Kunstverein, der seine Räume im Lockdown nicht für Ausstellungsbesucher öffnen kann, bespielt den Pavillon auf Höhe der Kreuzung Ostwall/Dreikönigenstraße als Außenstelle mit temporären Installationen. Bis 14. Februar ist die Plastik von Theiß zu sehen. Sie bildet eine kongeniale Ergänzung in der Sichtachse zu den Spiegel-Linsen von Adolf Luther.

In Blau sieht der 32-jährige Künstler seine Arbeit am liebsten. Der kühle Ton lässt die Stahloberfläche mystisch strahlen. Doch jeder Farbton schafft Atmosphäre, frisches Grün, das ins Türkis wechselt, warme Gelb-, Orange- und Rottöne, die zu Magenta werden. Jeder Moment ist flüchtig, ständig entzieht sich die Arbeit einer eindeutigen Erfassung und präsentiert ein neues Gesicht. Moiré-Effekt, sagt der Rosemarie-Trockel-Schüler. Er hat feine Ringe aus Edelstahl ineinander gefügt, dass sie wie eine Scheibe wirken, beim Drehen aber neue Figürlichkeiten annehmen, fast wie eine Kugel wirken oder schmal wie eine Messerschneide.

 Der Künstler Christian Theiß (rechts) und Kurator Wilko Austermann mit der Scheibe in der Tageslicht-Ansicht.
Der Künstler Christian Theiß (rechts) und Kurator Wilko Austermann mit der Scheibe in der Tageslicht-Ansicht. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Boden des Pavillons ist weiß ausgekleidet - nicht von ungefähr. Die Scheibe wirft Schatten. Der ist je nach Drehmoment satt und breit oder  verschwindet bis zur Unsichtbarkeit. Alles, was das Auge festhalten will, entzieht sich, kehrt sich ins Gegenteil durch Bewegung, Licht, Reflexion. Nichts ist im nächsten Moment noch so, wie es gerade erscheint. Widersprüchlichkeit ist Programm. Die feinen Ringe scheinen schwerelos im Pavillon zu schweben. Ein Trugschluss: Gut 60 Kilogramm wiegt der Stahl. Und auch die Verlockung für den Betrachter ist fließend. Passanten und Autofahrer nehmen zuerst ein Leuchten wahr. Jeder Meter Annäherung offenbart neue Details. Bei Dunkelheit entfaltet Theiß’ Plastik ihre magische Schönheit. Doch selbst im trüben Tageslicht bieten die von der Oberfläche reflektierten Scheinwerfer vorbeifahrender Autos ein sinnliches Spiel. Die Fantasie lässt Blüten oder magische Figuren auf den Kreisen entstehen.

„Die Verbindung von Kreis und den Oktagon des Pavillons ist geradezu perfekt“, sagt Kurator Wilko Austermann. „Beides sind Formen mit spiritueller Bedeutung, die oft in Sakralbauten verwendet werden.“ Und dass Glas, Stahl und Licht so wunderbar auf die Spiegel-Linsen verweisen, versteht der Künstler als Gruß an Adolf Luther.  Das Stahlobjekt hat er speziell für den Ostwall inszeniert. Kunst für den Außenbereich ist bisher die Ausnahme in Theiß’ Schaffen. „Aber viele fragen danach. Ich werde mich damit künftig häufiger befassen“, sagt er. Die Idee, Kunst nach draußen zu tragen, gefällt ihm, Räume zu erschließen und zu verwandeln. Viele seiner Objekte sind Transfers: Er bringt Alltagsgegenstände in neue Zusammenhänge, schafft Verbindungen, die unspektakuläre Einzelstücke wie einen roten Cognac-Schwenker, ein schwarzes Bakelit-Telefon oder einen Zollstock mit Hilfe von Holz oder Röntgenbildern in poetische neue Aussagen übergehen lassen.