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Krefeld: Jürgen Reck erzählt, wie der Forstwald ersteigert wurde

Heimatforschung in Krefeld : Buch zur Geschichte der Forstwald-Ersteigerung jetzt erhältlich

Gerhard Schumacher hat das Gebiet des heutigen Forstwalds vor rund 200 Jahren in einem verblüffenden Auktionsverfahren, bei dem drei Kerzen erlöschen mussten, ersteigert. Jürgen Reck hat dieses Stück Heimatgeschichte erforscht.

(cpu) Heimatforscher Jürgen Reck hat ein weiteres Stück Forstwaldgeschichte als Buch veröffentlicht. Auf rund 50 Seiten hat er zusammengetragen, wie Gerhard Schumacher (1790-1845) seinerzeit das Gelände „St. Thöniser Heide“ ersteigert hat, das heute als Forstwald bekannt ist.

Reck hat im Kempener Kreisarchiv den Notarvertrag von 1821 aufgestöbert und das Dokument aus Sütterlin in die lateinische Schrift übertragen. Dabei ist er auf ein bemerkenswertes Versteigerungsverfahren gestoßen, das an den Spruch „Drei-zwei-eins-meins“ eines Online-Verkaufsportals erinnert.

Reck erzählt: „Schumacher hatte das Gebot abgeben, dann wurden drei Lichter angezündet. Solange sie brannten, konnten weitere Gebote eingereicht werden. Mit Verlöschen des dritten Lichtes war der Zuschlag an Schumacher erteilt.“ Der Kaufmann machte sich damals keine Freunde mit dem Kauf. Schumacher war nämlich nicht der einzige, der sich für das Land interessierte. Im ersten Schritt des Verkaufsverfahrens boten diverse Kauflustige auf die Parzellen. Schumacher selbst konnte zunächst nur vier der 32 Flächen für sich ergattern, nutzte aber seine zweite Chance, die Mitbewerber aus dem Felde zu schlagen. Der Gesamterlös für alle Parzellen betrug 1049 Thaler Preußisch Courant. Schumacher erhöhte das Gesamtgebot für alle Parzellen auf 1165 Thaler– und erhielt tatsächlich nach dem Erlöschen der drei Lichter den Zuschlag. Damit war der Weg frei für seinen Plan, einen Wald anzupflanzen. Das gefiel den so Geschlagenen überhaupt nicht. Sie suchten Rache. In einem anderen Dokument aus 1823, das Reck aufgespürt hat, schreibt Gerhard Schumacher einen Beschwerdebrief an den Bürgermeister: Anwohner der Heide hätten vor, sich gewaltsam in den Besitz der inzwischen mit Nadelholzsamen besäten Fläche zu bringen und den jungen Kiefernforst zu zerstören.

 Jürgen Reck erforscht die Geschichte des Forstwalds und hat eine Reihe von Büchern zum Thema veröffentlicht.
Jürgen Reck erforscht die Geschichte des Forstwalds und hat eine Reihe von Büchern zum Thema veröffentlicht. Foto: Carola Puvogel

In seinem Buch hat Reck jeweils auf einer querformatigen Seite jeweils das Sütterlin-Original dem Transkript in die lateinische Schrift gegenübergestellt. Viele Abbildungen der Parzellen, Fotos und ein Stammbaum der Schumachers machen das Buch zu einer abwechslungsreichen Lektüre für Geschichtsinteressierte.

Interessant und amüsant zugleich ist der Blick auf die Seite, die die Angaben aus Gerhard Schumachers Reisepass von 1824 zeigt. Dem ist zu entnehmen, dass Schumachers Zähne „gut“, sein Kinn „rund“, die Gesichtsfarbe „gesund“ und seine Statur „stark“ waren.

Das Buch „Der Ursprung des Forstwalds“ ist für 10 Euro zu beziehen über das Forstwalder Lädchen, Plückertzstraße 204 oder über Autor Jürgen Reck, Telefon 701007, E-Mail: „jreck@magenta.de“.