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Korschenbroich: Interview mit Landwirt Wolfgang Wappenschmidt zur Corona-Krise

Interview mit Wolfgang Wappenschmidt : „Bislang profitieren die Landwirte nicht“

Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach spricht im Interview über die Auswirkungen der Corona-Krise.

Aussaat und Pflanzung von Gemüse und Salat sind im vollen Gange. Die Spargelernte hat begonnen. In früheren Jahren packten osteuropäische Saisonarbeiter mit an. Jetzt musste zuerst dringend Ersatz gefunden werden, bis die strikten Einreiseverbote am Donnerstag wieder gelockert wurden. In der Corona-Krise beobachtet Wolfgang Wappenschmidt als Vorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach, wie Vorschriften und Empfehlungen in oft kurzer Frist veränderten Verhältnissen angepasst werden müssen.

Hat die Corona-Krise Einfluss auf den Alltag der Bauern oder geht das Meiste noch den gewohnten Gang?

Wolfgang Wappenschmidt Wir
Ackerbauern arbeiten in freier Natur mit großen Maschinen ohne Menschenansammlungen. Für den Einkauf von Betriebsmitteln wird empfohlen, auf unnötige Kontakte zu verzichten. Inzwischen ist es üblich, sich beim Landhändler anzumelden und die Ware vorzubestellen, damit diese abholbereit vorbereitet wird. Das funktioniert. Probleme entstehen aber da, wo Saisonarbeiter gebraucht werden. Betroffen sind insbesondere Betriebe mit arbeitsintensiven Sonderkulturen.

Entgegen ursprünglicher Vorgaben dürfen nun doch osteuropäische Erntehelfer kommen. Hilft der Kurswechsel?

Wappenschmidt Jedenfalls ist jetzt Bewegung drin. Dafür sind wir dankbar. Ob das trägt, kann man noch nicht sagen. Die Bedingungen sind einschneidend. Angedacht ist, dass für zwei Monate je 40.000 Menschen kommen. Ob sie in der gegenwärtigen Situation überhaupt kommen wollen, ist offen. Und wenn ja, fehlen noch mindestens 10.000 Erntehelfer. Es ist beabsicht, dass diese aus dem hiesigen Bereich kommen – vielleicht Kurzarbeiter und Asylbewerber, die bisher nicht arbeiten durften. Die Seite „landhilfe.de“ bietet einen Vermittlungspool zwischen Arbeitgebern und Suchenden an. Wer helfen will, sollte allerdings bedenken, dass die Arbeit sehr anstrengend ist, und die Landwirte planen müssen. Jetzt geht es mit dem Spargel richtig zur Sache.

Ist es potenziellen Helfern möglich, die geforderte Distanz einzuhalten?

Wappenschmidt Das müsste bei der Arbeit im Freiland möglich sein. Wir überlegen uns aber noch weitere Schutzmaßnahmen.

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation?

Wappenschmidt Sie ist ernst und schwierig. Wir müssen darauf vertrauen, dass Fachleute richtige Maßnahmen beschließen, und ebenso Konsequenzen deutlich machen. Bei der Abwägung von Maßnahmen bitten wir, wirtschaftliche Notwendigkeiten im Auge zu behalten.

Wie geht es den Betrieben derzeit? Ist der Umsatz eingebrochen oder durch Hamsterkäufe gestiegen?

Wappenschmidt Im Moment profitieren die Landwirte nicht. Verkauft wird nur aus Lagerbeständen. Die Produktion von Frischprodukten beginnt jetzt erst. Die Mitarbeiter müssen sehen, dass die Kulturen in die Erde kommen. Natürlich können möglicherweise knapp werdende Güter im Preis steigen.

Wie steht es um die Grundversorgung?

Wappenschmidt Wir gehen davon aus, dass diese im hiesigen Bereich gesichert ist, wenn die Mitarbeit für Pflanzarbeit und Ernte gegeben ist. Wenn die Saat nicht zeitig in die Er-de kommt, kann natürlich nicht zei-tig geerntet werden.

Gelten jetzt für die Landwirtschaft besondere Schutz- und Hygienemaßnahmen?

Wappenschmidt Für Salate und Gemüse haben wir ohnehin hohe Hygienevorschriften. Auf den Feldern stehen Toiletten. Es ist möglich, sich die Hände oft zu waschen. Wir werden die Maßnahmen noch intensivieren, insbesondere da, wo mehrere auf einer Maschine arbeiten.

Ist der grenzüberschreitende Transport von Tieren und pflanzlichen Produkten möglich?

Wappenschmidt Im Moment gibt es da keine Einschränkungen. Es heißt, dass eine Übertragung über Tiere und Lebensmittel nicht gegeben ist.

Gibt es auch ein Corona-Paket für Landwirte?

Wappenschmidt Die Landwirte sind im Paket miteinbezogen. Wie weit sie davon Gebrauch machen können, kann ich nicht beurteilen. Die direktvermarkenden Betriebe dürfen auch jetzt ihre Geschäfte aufhalten.

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