1. NRW
  2. Städte
  3. Korschenbroich

Korschenbroich: Hintzen GmbH meldet wegen Corona-Krise Insolvenz an

Korschenbroicher Kostümproduzent : Hintzen GmbH meldet wegen Corona-Krise Insolvenz an

Das Korschenbroicher Traditionsunternehmen wurde von der Corona-Krise schwer getroffen. Das betrifft zunächst vor allem die Produktion vor Ort. Der Uniform- und Kostümhandel soll jedoch zu gegebener Zeit wieder öffnen.

Die Hintzen GmbH aus Korschenbroich ist insolvent. Das teilte Geschäftsführer Thomas Hintzen am Dienstag auf Anfrage unserer Redaktion mit. Er kündigte an, noch am selben Tag einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Neuss stellen zu wollen.

„Der Hintergrund lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Corona“, sagte Hintzen. Das vergangene Jahr sei eines der besten der Betriebsgeschichte gewesen. Als vor rund zwei Wochen jedoch weitreichende Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus beschlossen wurden, sei Hintzen dennoch klar gewesen, „dass es uns in der bisherigen Form nicht mehr geben wird“. Keine der von Bundes- und Landesregierung beschlossenen Hilfen seien für seinen kleinen Betrieb mit knapp 30 Mitarbeitern irgendwie sinnvoll, betonte Hintzen. 14 Tage lang habe das Unternehmen alle Alternativen geprüft, jedoch keine gefunden. „Mit 63 Jahren wollte ich auch keine Schulden mehr aufnehmen.“

Die Corona-Krise hat das Uniform- und Kostümhaus schwer getroffen. „Wir können keinen Umsatz in irgendeiner Form generieren“, sagte Hintzen. Das Geschäft an der Hindenburgstraße musste geschlossen werden. 200 Uniformen seien bereit zur Anprobe. Doch auch die sei derzeit nicht möglich. Zwar könne die Produktion weiterlaufen. „Doch zahlreiche Schützenfeste sind bereits abgesagt“, sagte Hintzen. Und auch die verbliebenen seien weiterhin gefährdet. Die Entscheidung über „Unges Pengste“ und das Neusser Bürger-Schützenfest stehen noch aus. Kurzum: 2020 wird das Unternehmen vermutlich kaum noch Geld verdienen können.

Die Insolvenz soll jedoch nicht das Ende für Hintzens Kostümhandel sein. „Wir werden in kleinerer Form weiter dabei sein“, kündigte Hintzen an. Der Verleih und der Handel seien anders als die Produktion von der Insolvenz nicht direkt betroffen. „Dann, wenn es Sinn macht, werden wir wieder öffnen“, sagte Hintzen. Telefonisch sei das Unternehmen jedoch wie gehabt erreichbar.

Fabian Hintzen steht für die jüngste Generation des Familienunternehmens. Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Die knapp 30 Mitarbeiter der GmbH haben jetzt erst einmal drei Monate Anspruch auf Insolvenzgeld. Danach müssen sie sehen, wie es weitergeht. Für Hintzen bedeute das Aus noch nicht die verfrühte Rente, wie er betonte. „Wenn das Geld dafür reichen würde, wäre es schön.“ Doch die Kostümproduktion werde auch nach der Krise nicht mehr die alten Ausmaße haben. „Außer jemand hat zufällig eine halbe Million Euro übrig.“

Die Geschichte des Korschenbroicher Traditionsunternehmens reicht bis ins Jahr 1884 zurück. Damals wurde von Schneidermeister Philipp Jacob Hintzen der „Verleih Institut historische Kostüme Philipp Hintzen“ gegründet. Helmut und Thomas Hintzen sind die derzeitigen Inhaber und Geschäftsführer des Familienunternehmens. Neben der „Unges Pengste“-Vorbereitung gehört auch die Vor-Karnevalszeit zu den Schwerpunkten der GmbH. „Unsere umsatzstärksten Monate gehen von September bis Dezember, wenn die ganze Produktion für den Karneval ausgebucht ist. Besonders umsatzstark ist natürlich auch die Zeit zum Schützenfest“, sagte Fabian Hintzen, der die junge Generation des Familienunternehmens vertritt, noch vor eineinhalb Jahren.