Kleve: Neuer Grünen-Vorstand möchte Hochschule und Stadt besser verzahnen

Grüne mit neuem Vorstand : Hochschule und Stadt mehr verzahnen

Die Grünen treten in Kleve mit einem stark verjüngten Vorstand an. Sie möchten weiter grüne Themen besetzen, fordern ein Mobilitätskonzept und bezahlbaren Wohnraum. Keine Entscheidung zum Bürgermeister-Kandidaten.

Elena Janßen ist 18 Jahre alt und Schülerin am Berufskolleg. Sie ist die jüngste im Bunde des neuen Vorstandes der Grünen im Ortsverband Kleve. Sie möchte sich um Klimaschutz, Artenschutz und Soziales kümmern. Sie weiß, dass das Radhaus eine tolle Arbeit für die Jugend macht, wünscht sich aber die eine oder andere Einrichtung, die – ähnlich organisiert wie das selbst verwaltete Radhaus – mehr Angebote für junge Menschen in die Stadt bringt. Das gleiche wünscht sich auch Yakup Ordu, ebenfalls Beisitzer und Student an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve: Angebote beispielsweise von Studenten für Studenten. Stolz sind die jungen Grünen auf die vielen Nationalitäten in der Hochschule.

Das Band, das Hochschule und Stadt verbindet, ist der Kermisdahl mit dem Spoykanal und den Uferböschungen, sagt Hannes Jaschinski. Den wolle er auf einen ökologisch guten Stand wissen, vor allem auch, was die Wasserqualität betreffe, die man ja als stehendes Gewässer ansehen müsse. Zu einer neuen Sportboot-Schleuse, die aus dem stehenden Gewässer wieder ein bewegtes machen könnte, sagt Jaschinski: „Es muss eine ökologisch und finanziell nachhaltige Lösung geben“. Also letzten Endes müsse die Schleuse für die Stadt bezahlbar sein.

Janschinski, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Rhein-Waal, ist zusammen mit Detlev Koken das Sprecherduo an der Spitze des Ortsverbandes. Das eigentlich von Bündnis90/Die Grünen verlangte Mann-Frau-Duo gibt’s in Kleve nicht, weil die Grünen-Frauen keine der ihren finden konnten, die – trotz Aufforderung von Kreis-Grünen-Geschäftsführer Hermann Brendieck – für den Vorsitz kandidierte.

Bezahlbar soll auch der Wohnraum sein, sagt Beisitzerin Margo Bromont-Koken. Jaschinski berichtete von Mieten in Bremen für Studenten, die deutlich unter denen in Kleve liegen. Für den Grünen-Vorstand bedeute dies aber nicht, dass es eine Nachverdichtung auf Teufel heraus gebe: „Wir brauchen auch Grünraum dazwischen, Wasserflächen“, sagt Bromont-Koken. Man war sich einig, dass der vordere Bereich der Union-Bebauung ein „Schritt in die richtige Richtung“ sei, so Kassiererin Veronica Vasterling. Auch die Aufbauten auf bereits versiegelter Fläche seien spannend, wie die Häuser auf dem Netto-Markt, sagt die Beisitzerin.

Wichtig sind den Grünen bessere Radverbindungen in Kleve und eine Ausweitung der Tempo-30-Zonen, die Auto-freie Innenstadt. „Wir brauchen ein Mobilitätskonzept mit Ziel auf eine deutlich verbesserte Fahrradführung“, sagt Detlev Koken. Der Co-Sprecher verweist auf die Kurve vor Heicks von Kavarinerstraße in die Hafenstraße: Hier solle das Parken verboten und ein Radweg durchgezogen werden.

Klar ist allen, dass eine Auto-freie Innenstadt kaum funktioniert, wenn der öffentliche Personennahverkehr nicht deutlich verbessert wird. Das fange, so Jaschinski, bei der Bahnstrecke an, die nach Nimwegen durchgezogen werden sollte. Außerdem hoffen die Studenten auf eine bessere Anbindung zwischen Kleve und Kamp-Lintfort.

Zur Gretchenfrage, ob und wenn ja, mit wem, die Grünen bei einer Bürgermeisterwahl antreten möchten, schwieg man sich aus. Kein Kommentar, hieß es. Das entscheide Anfang des Jahres 2020 die Mitgliederversammlung. Ein Zeichen für die Zwickmühle, in der die Grünen stecken, die sich keine weiteren Jahre mit Bürgermeisterin Sonja Northing vorstellen möchten, es aber versäumten, rechtzeitig einen Konsenskandidaten zu suchen. Andererseits: Seit Jahren arbeitet die Fraktion auskömmlich mit der Klever CDU im Rat zusammen.

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