Kempen stellt seine Wirtschaftsförderung neu auf

Kempen : Kempen stellt Wirtschaftsförderung neu auf

Die Thomasstadt ist die letzte Kommune auf Kreisebene, die demnächst einen eigenen Wirtschaftsförderer bekommt. Er soll sich vor allem um die Bestandspflege in Kempen ansässigen Firmen kümmern.

Die kommunale Wirtschaftsförderung hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. War es früher in erster Linie Aufgabe von Wirtschaftsförderern, Gewerbegrundstücke zu vermarkten, ist es nun deren Schwerpunkt­aufgabe, sich um in der Stadt oder Gemeinde ansässige Unternehmen zu kümmern, ihnen Hilfen anzubieten – sei es bei der Suche nach geeignetem Personal oder etwa bei der Suche nach Fördermitteln für spezielle Projekte. Das hat die Politik in Kempen inzwischen erkannt. Der Stadtrat hat daher Ende 2018 auf Antrag der Fraktion der Grünen einstimmig beschlossen, eine neue Stelle für einen Wirtschaftsförderer in der Stadtverwaltung einzurichten. Sie soll nun ausgeschrieben werden. Kempen ist die letzte Stadt auf Kreisebene, die einen eigenen Wirtschaftsförderer haben wird. Alle anderen Städte und Gemeinden haben diese Position – teilweise schon seit vielen Jahren – besetzt.

Bislang wird das Thema Wirtschaftsförderung in der Kempener Stadtverwaltung vom Amt für Liegenschaften mitbetreut. Das war so auch lange ausreichend, als es vorrangig darum ging, städtische Gewerbegrundstücke zu vermarkten. Da es diese aber auch in Kempen kaum noch gibt, muss die Wirtschaftsförderung neu aufgestellt werden.

Ein Anforderungsprofil für den neuen Stadtmitarbeiter wurde bereits erarbeitet: Er soll in erster Linie die Funktion eines „Kümmerers“ übernehmen. Er soll Kontakte zu den in Kempen ansässigen Firmen aufbauen und pflegen. Er soll – soweit möglich – behilflich sein bei Problemlagen der Firmen. Er soll aber die Firmen untereinander besser vernetzen. Gerade Letzteres sei sehr wichtig, betonte der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) für den Kreis Viersen, Thomas Jablonski, am Donnerstagabend in der Sitzung des Kempener Ausschusses für Liegenschaften und Wirtschaftsförderung. Der Kempener Jablonski ist seit Ende 2016 bei der WFG im Amt, aber bereits seit etwa acht Jahren Geschäftsführer des Technologie- und Gründerzentrums Niederrhein (TZN) mit Sitz am Industriering Ost 66 in Kempen. Jablonski ist es hier gelungen, die Einrichtung des Kreises Viersen zu einem renommierten Zentrum für Gründer zu machen. Das TZN bietet seit Jahren vielfältige Hilfen für Unternehmen an. Jablonski ist maßgeblich an der Kooperation mit der Hochschule Venlo beteiligt. Der Hochschulstandort Kempen dient auch dazu, Firmen und potenzielle Nachwuchskräfte zusammenzubringen.

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Grundstücke werden von der Kreis-WFG nicht mehr vermarktet. Die letzten Gewerbeflächen im Gebiet Venete (Venlo-Nettetal-Tegelen) hat man an die Stadt Nettetal abgegeben. Der vor Jahren geplante grenzüberschreitende Gewerbepark ließ sich nicht realisieren, auch weil auf niederländischer Seite kein echtes Interesse daran bestand.

Jablonski setzt bei der Kreis-WFG inzwischen auch verstärkt auf das Thema Beratung und Bestandspflege. Mit verschiedenen Instrumentarien soll der Kreis Viersen zudem für die Ansiedlung neuer Firmen attraktiver werden. Dazu werden auch große Internetportale erfolgreich genutzt. Der Stadt Kempen bietet Jablonski Unterstützung an, den neuen Wirtschaftsförderer will er in die bestehenden Netzwerke einbinden. Aus seiner Sicht ist die Betreuung der Kempener Unternehmen durch die Stadt wichtig, Firmenchef und Mitarbeiter müssen sich in der Stadt wohlfühlen. Allerdings leben nach Angaben von Jablonski rund 60 Prozent der Firmenchefs nicht in Kempen. Aufgabe des neuen Wirtschaftsförderers sollte es daher auch sein, sie für die Stadt mit ihrer attraktiven Innenstadt, dem Handel und der Gastronomie stärker zu interessieren.

Genau dies wünscht sich auch der Unternehmerkreis Kempen (UKK), ein Zusammenschluss örtlicher Firmen, der ein Netzwerk aufgebaut hat. Beim UKK setzt man große Hoffnungen auf den neuen Wirtschaftsförderer. Denn bislang läuft die Zusammenarbeit mit der Stadt aus Sicht des Unternehmerkreises noch nicht optimal.

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