Konzert mit der Pianistin Claire Huangci in der Kempener Paterskirche

Kempener Paterskirche : Die junge Pianistin begeisterte alle

Die amerikanische Pianistin Claire Huangci, Tochter chinesischer Eltern, fasziniert durch beachtliche rhythmische Genauigleit, auch bei schnellsten Läufen. Sie gab jetzt ein Konzert in der Kempener Paterskirche.

Wer kennt schon alle Sonaten Scarlattis? Insofern dürfte es die wenigsten der vielen Zuhörer gestört haben, dass der vierte Klavier-extra-Abend in der Paterskirche zwar wie angekündigt mit Scarlatti begann, aber mit anderen Sonaten als ursprünglich angekündigt. Interessanter war da schon die Frage, wie sie gespielt wurden.

Die junge Pianistin Claire Huangci, das wurde gleich mit den ersten Takten klar, verfügt über eine stupende Technik. Ihr Spiel fasziniert durch beachtliche rhythmische Genauigkeit, auch die schnellsten Läufe spielt sie mit einer fabelhaften Präzision. Die Artikulation ist genau, nichts wird verwaschen, die musikalischen Strukturen sind immer klar erkennbar. Natürlich war man gespannt, wie Huangci langsame Sätze gestalten würde. Jedenfalls bei Scarlatti war da nichts auszusetzen. Das Cantabile K 144 beispielsweise klang ruhig, gesanglich und dabei nicht verschwommen. Wie in den schnellen blieben auch in den langsamen Sätzen die Konturen klar erkennbar.

Durfte man schon in den Scarlatti-Sätzen die ausgefeilte Technik der jungen amerikanischen Pianistin chinesischer Abstammung bewundern, so gab die Beherrschung noch ganz anderer Schwierigkeiten in Rachmaninows sechs Préludes (aus op. 23 und 32) erst recht Anlass zum Staunen. Zu schwer war ihr sowieso nichts. Aber es ging schon nicht mehr um die erfolgreiche Bearbeitung schwieriger Passagen. Hier stand eine junge Künstlerin souverän über den hohen Anforderungen.

Besonders berücksichtigte das Programm Frédéric Chopin – mit zwei Nocturnes (jeweils Nr. 1 aus op. 48 und op. 62) im ersten und 24 Préludes (op. 28) im zweiten Teil. Auch hier imponierten die brillante Virtuosität und die Transparenz der musikalischen Strukturen. Gelegentlich durfte man aber fragen, ob das Maximum an musikalischer Sensibilität bereits erreicht wurde. Nicht, dass man die Wiedergaben oberflächlich nennen dürfte. Sie waren genau erarbeitet und erfassten das Wesentliche der Kompositionen. Auch das Melodiöse kam zu seinem Recht. Vielleicht waren es nicht zuletzt die ja sehr positiv zu bewertende rhythmische Präzision und die Klarheit der Strukturen, die hin und wieder die leise Melancholie Chopins ein wenig zu kurz kommen ließen. Wie auch immer: Eindrucksvoll waren die Wiedergaben allemal.

Das Publikum spendete begeistert Beifall und hörte noch eine gesangliche und eine furiose Zugabe.