Kempen Klassik: Konzert mit Sheila Arnold

Für Mariam Batsashvili kurzfristig eingesprungen: Sheila Arnold sorgt für pianistischen Glanz in der Paterskirche

Wie schade, dass Mariam Batsashvili, die junge Georgierin mit der Achtung gebietenden Vita, krankheitsbedingt ihr Debüt in Kempen absagen musste – zumal auf ihrem Programm die „Hammerklaviersonate“ von Ludwig van Beethoven stand.

Doch das Publikum in der sehr gut besuchten Paterskirche war bald getröstet, zumal Organisator Peter Landmann in seiner Begrüßung darauf verwies, dass der „Ersatz“ in Kempen wohlbekannt sei. Bereits im Jahre 2006 war die Professorin an der Kölner Musikhochschule, Sheila Arnold, anlässlich der Kempener Konzerte zum Mozart-Jubiläumsjahr „artist in residence“. Außer ihrem Soloabend musizierte sie damals mit der Geigerin Isabelle Faust und dem Gitarristen Alexander-Sergei Ramirez.

Die Pianistin, für die ihre Studienzeit bei Professor Karl-Heinz Kämmerling prägend war, fühlt sich gleichermaßen dem modernen Konzertflügel wie dem Fortepiano verbunden. Letzteres war bei der einleitenden Sonate F-Dur KV 280 – eine der fünf Sonaten, die der achtzehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart in Salzburg komponierte – sehr wohl zu spüren. Trotz vorbildlicher Legato-Kultur erklang das deutlich von Haydn inspirierte Opus in kristallener Durchsichtigkeit und Klarheit.

Die drei Stücke „ImagesI“ –„Reflets dans l’eau“, „Hommage à Rameau“, „Mouvement“ – betrachtete Claude Debussy als „den Höhepunkt meines bisherigen Schaffens“. Die dem Komponisten frappierend gelungene Annäherung an die impressionistische Malerei wusste die Künstlerin einfühlsam nachzuempfinden – das Virtuose, dessen Beherrschung ihr Selbstverständlichkeit ist, wurde nie zum Selbstzweck, sondern war in die bezwingende Ausdrucksintensität fast unmerklich eingebunden.

Ähnliches lässt sich von der Wiedergabe der g-Moll- Ballade op.23 von Frédéric Chopin sagen. Lyrisch - Schwermütiges und Dramatisches liegen in dieser packenden Klavierdichtung nahe beieinander, Arnold wurde Beidem optimal gerecht, ohne die dramatischen Affekte zum Klavierdonner verkommen zu lassen.

Einer der schönsten und vollkommensten Sonaten Franz Schuberts – G-Dur D 894 – gehörte der zweite Teil des Konzertes. Im Jahre 1827 wurde sie als „Fantasie, Andante, Menuetto und Allegro“ veröffentlicht, also als Folge einzelner Stücke, was der Komponist missbilligte. Schließlich hieß der Titel „Fantasie oder Sonate“. Beides passt zu diesem fast 45-minütigen Werk, das Sheila Arnold mit so viel Farbenreichtum und Klangkultur vermittelte, dass die Zeit im Nu verflog. Stellvertretend sei der Schlusssatz - ein freies Rondo - genannt, dessen unerschöpflichen kompositorischen Reichtum die weltweit konzertierende Künstlerin faszinierend darzustellen wusste. Für den großen Beifall dankte sie mit einer kunstvollen Zugabe.

„Klavier extra“ wird am 20. Februar von Claire Huangci fortgesetzt.

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