Kempen hat Schwierigkeiten, genug Plätze für Kinderbetreuung bereitzustellen.

Kinderbetreuung : Kempens Probleme mit den Kita-Plätzen

Die Thomasstadt hat seit einigen Jahren erhebliche Schwierigkeiten, ausreichend Plätze für die Kinderbetreuung in Tagesstätten oder der Tagespflege bereitzustellen. Es fehlt ein klares Konzept. Der Druck der Politik wächst.

Die Probleme bei der Kindergartenplanung der Stadt Kempen sind nach wie vor groß. Zwar verkündete Nicole Drese-Hampel vom Jugendamt in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses eine frohe Botschaft: Alle zum neuen Kindergartenjahr angemeldeten Kinder werden einen Betreuungsplatz erhalten. Insgesamt 1215 Plätze werden in den 18 Kempener Tageseinrichtungen bereitgestellt. Das sind etwa 60 Plätze mehr als aktuell. 912 Plätze werden für Kinder von drei bis sechs Jahren zur Verfügung stehen, weitere 303 für die Unter-Dreijährigen. Fast 47 Prozent aller Plätze werden von den Eltern mit einer Betreuungszeit von 45 Stunden pro Woche gebucht. In etwa gleich groß ist der Anteil an Buchungen für 35 Wochenstunden. Mit gerade etwa sechs Prozent der Kita-Plätze ist die Nachfrage nach Betreuung mit 25 Stunden pro Woche vergleichsweise gering.

Erreicht wird das Ziel, allen angemeldeten Kindern einen Betreuungsplatz anzubieten, aber wieder einmal nur mit einem Kraftakt. Zum August dieses Jahres – dann beginnt das neue Kindergartenjahr – soll eine neue Interimslösung an der Stendener Straße in St. Hubert mit fünf Gruppen in Betrieb gehen. Parallel dazu ist geplant, dass zwei neue Kindergärten am Schmeddersweg in Kempen und an der Bendenstraße in St. Hubert gebaut werden. Sie sollen mit jeweils sechs Gruppen zum Kindergartenjahr 2020/2021 zur Verfügung stehen.

Der Spielplatz an der Bendenstraße in St. Hubert: Nebenan soll bis Sommer 2020 ein neuer Kindergarten der Stadt Kempen gebaut werden. Foto: Wolfgang Kaiser

Noch gibt es keine konkreten Planungen für diese Neubauten. Offen ist auch die Frage, ob eine oder beide Einrichtungen an freie Träger (Kirchen oder Wohlfahrtsverbände) als Betreiber abgegeben werden. Das hatte die Politik auf Antrag der CDU-Fraktion im vergangenen Jahr so beschlossen. Weit gediehen ist die Suche nach möglichen freien Trägern im Kempener Jugendamt indes nicht. Die Stadt tut sich schwer mit dem Verfahren. Wie berichtet hat die Stadt einen Krefelder Rechtsanwalt beauftragt, ein rechtssicheres Prozedere zu erarbeiten. Mögliche Interessenten sollen in einem Umkreis von rund 30 Kilometer angesprochen werden. Wie der zuständige Beigeordnete Michael Klee zuletzt in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses erklärte, hofft die Stadt, dass erste Interessenbekundungen schon im März vorliegen werden. Insbesondere die CDU-Fraktion zeigte sich über das Verfahren verwundert, hatten die Christdemokraten ihren Antrag im vergangenen Jahr mit der Hoffnung verbunden, mit einem freien Träger im Boot ginge alles viel schneller. Jetzt ist die Befürchtung groß, dass es zu weiteren zeitlichen Verzögerungen kommt und ein neuer Kindergarten in freier Trägerschaft nicht rechtzeitig im Sommer 2020 eröffnet werden kann.

Dezernent Klee versucht die Gemüter zu besänftigen. Allerdings ist das für ihn, dem man abnehmen kann, dass er sich wie kaum ein anderer auch in dieser Sache engagiert, zunehmend schwierig. Ihm haftet der Makel der gescheiterten Interimslösungen zunächst im Anbau der früheren Johannes-Hubertus-Schule und dann auf dem Schotterparkplatz neben der Kita „Bärenstark“ an der Bendenstraße in St. Hubert an. Ideen wurden in der Vergangenheit geboren, als mögliche Lösungen des Problems dargestellt und schließlich wieder verworfen, nachdem Experten der Kempener Bauverwaltung die Standorte näher untersucht hatten. Unzufrieden sind aber nicht nur die Christdemokraten. Auch bei SPD, Grünen oder FDP wächst die Kritik. Das zeigte sich bei der Abstimmung im Jugendhilfeausschuss über eine geplante dreiprozentige Erhöhung der Beiträge, die Eltern zu den Betreuungskosten bezahlen müssen. Angesichts der problematischen Unterbringung der Kinder in Notgruppen – wie im „Haus der Familien – Campus“ nun vorgesehen – oder dem Problem, dass nicht für alle Kinder wohnortnah ein Kita-Platz zur Verfügung steht, wächst der Unmut in der Elternschaft. Der Elternbeirat beim Jugendamt, der die Elternschaft in Kindergärten vertritt, lehnt zum jetzigen Zeitpunkt eine Beitragsanpassung ab. Auch die Grünen sind der Meinung, dass Eltern angesichts der Problemlagen nicht noch mehr Geld abverlangt werden könne. Die Kempener Sozialdemokraten folgen bei ihrem Abstimmungsverhalten seit geraumer Zeit dem landesweiten Trend ihrer Partei, Elternbeiträge für die Kinderbetreuung grundsätzlich abzulehnen. Am Ende gab es im Jugendhilfeausschuss keine Mehrheit für die geplante Erhöhung der Beiträge. Spätestens im Stadtrat, der am 12. März tagt, dürfte dieser Beschluss dann aber wohl gefasst werden.

Zudem: Christdemokraten und Grüne wollen die Staffelung der Elternbeiträge auf den Prüfstand gestellt wissen. CDU und Grüne sind sich einig, dass in den unteren Einkommensstufen (bis 30.000 Euro Jahreseinkommen) mehr Eltern von Beitragszahlungen befreit werden müssten. Die Grünen fordern außerdem und das schon lange, bei den sehr hohen Jahreseinkommen zusätzliche Stufen für die Beitragszahlung einzubauen. Die Beitragshöchstgrenze liegt derzeit bei einem Jahreseinkommen von pauschal über 125.000 Euro.

Dann gibt es noch das Problem der so genannten Randzeitenbetreuung: Es können in Kempen nur wenige Betreuungsplätze außerhalb der Kernzeiten von 8 bis 16 Uhr angeboten werden, weil es nicht genug Personal dafür gibt.

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