Ferie ABC: Ein echtes Kind des Niederrheins

Ferie ABC: Ein echtes Kind des Niederrheins

Kabarettist Stefan Verhasselt hat sich Lauf der Jahre längst einen Namen gemacht.

Als Kind wollte Stefan Verhasselt Moderator werden. Diesen Traum hat er sich erfüllt; regelmäßig sitzt er bei WDR4 vor dem Mikrofon. Verhasselt ist aber auch Kabarettist – und das bereits seit zwölf Jahren. Er hat sich längst einen Namen gemacht und tourt nach den Sommerferien wieder mit seinem Programm „Wer kommt, der kommt – Kabarett 4.0“ durch die Region.

Themen liefert dem gebürtigen Straelener, der heute in Kempen lebt, der niederrheinische Alltag. „Man muss immer mit offenen Ohren unterwegs sein“, sagt der 53-Jährige. Zuhören ist für ihn ausgesprochen wichtig: „Das können witzige Sätze sein, manchmal auch nur einzelne Worte.“ Was er da so quasi nebenbei aufschnappt, schreibt er sich sofort auf, um es nicht wieder zu vergessen. So werden oft ungewollt aus lustigen Bemerkungen zufällige Elemente bühnenreifen Kabaretts.

Thema ist immer wieder der Niederrheiner. Aber was macht einen typischen Niederrheiner eigentlich aus? Hanns Dieter Hüsch, für Verhasselt der Erfinder des Niederrhein-Kabaretts, hat einst den Satz geprägt: „Der Niederrheiner weiß nichts, kann aber alles erklären.“ Das treffe auch heute noch voll und ganz zu, meint Verhasselt. Der Niederrheiner habe niemals ein Problem damit, auf seine Zeitgenossen zuzugehen, einen kurzen Plausch zu halten, um danach „vom Höcksken aufs Stöcksken“ zu geraten. Offenherzig gehe es am Niederrhein zu, sagt Verhasselt: „Hier gibt es sogar noch Nachbarschaften, in denen man sich kennt und etwas gemeinsam unternimmt.“ Zieht ein Neubürger in die Region, der aus einer Gegend kommt, in der es eher zurückhaltend zugeht, ist er vielleicht anfangs irritiert ob der hemmungslosen und spontanen Kontaktaufnahme der Spezies Niederrheiner. Hat er einen Auftritt Verhasselts verfolgt, fällt es ihm hinterher in den meisten Fällen deutlich leichter, diese ihm bisher unbekannten, vielleicht sogar unheimlichen Wesenszüge zu verstehen.

Begonnen hat Stefan Verhasselt beim Lokalradio, Anfang der 90er-Jahre bei Radio 90,1 in Mönchengladbach. Zwei Jahre später wechselte er zu Welle Niederrhein (schon wieder dieses anheimelnde Wort). 1996 zog es ihn zu Alsterradio nach Hamburg. „Hier habe ich als Moderator der Morgensendung unheimlich viel gelernt“, sagt er. Trotzdem war die Zeit in der Hansestadt nach zwei Jahren wieder vorüber. Warum? Liegt doch eigentlich nahe: Was will man als Niederrheiner schon im hohen Norden?

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 Verhasselt wechselte zum WDR, anfangs mit einem bescheidenen Vertrag und nicht allzu üppigen Gehaltszettel. Dann beerbte er Bernd Stelter, der damals den Kölner Sender verließ. Verhasselt begann, sich als Moderator verschiedenster Veranstaltungen einen Namen zu machen. Zwischen den Sendungen tüftelte er an Niederrhein-Anekdoten. Die kamen bei den Hörern bestens an. Sie wollten mehr davon und bekamen mehr davon. Verhasselt veröffentlichte Kolumnen im Internet, was gar nicht einfach ist: „Die müssen immer klingen, als ob man sie jemandem erzählt. Ich muss mir immer vorstellen, da sitzt ein Publikum.“

 Das saß leibhaftig da, als Stefan Verhasselt 2006 als Kabarettist debütierte, im Essener Stratmann-Theater. „Ich war total nervös, konnte vorher weder essen noch schlafen“, erinnert sich Verhasselt. Zumal der Chef des Hauses, Ludger Stratmann, persönlich unter den Zuschauern war. Es folgten im Laufe der Jahre zahlreiche weitere Auftritte; die meisten sind im Gedächtnis geblieben, wie der in Witten, vor dem ihn der Veranstalter vorher vor einem sehr speziellen Publikum gewarnt hatte: „Man hörte keinen Mucks, es gab keine Lacher. Nach dem Auftritt aber bekam ich Riesenapplaus und musste eine Zugabe geben. Anschließend haben die Leute meinen ganzen Merchandising-Stand leer gekauft.“

Mit Wortwitz, Charme und hin und wieder etwas schwarzem Humor will Verhasselt auch in Zukunft Kabarett machen. Wichtig ist ihm, stets er selbst zu bleiben. Im Herbst beginnt er mit den Vorbereitungen für sein fünftes Programm. Wobei seine Inhalte niemals unter die Gürtellinie gehen. Was er gern und selbstverständlich macht: auf sein Publikum reagieren: „Die leben das ja alles mit.“ In Nebensätzen fügt er aktuelle Dinge aus dem Tagesgeschehen ein, die in keinem Drehbuch stehen. Gern erklärt er seinen Zuschauern auch, dass es „Fake News“ schon immer gab, auf jeden Fall am Niederrhein: Meistens beginnen sie mit den Worten „Hasse schon jehört?“

Der nächste Auftritt von Stefan verhasselt: 21. September, Bürgerhaus Dülken, 20 Uhr.
www.stefan-verhasselt.de