Tauchen im Königshüttesee

Kempen: Mit jungen Barschen unterwegs

Tauchen ist eine faszinierende Angelegenheit. Ein Besuch am Königshüttesee.

Mit einem leisen Knarren geht die große Containertür auf. Licht fällt auf Neoprenanzüge, Tarierjackets, und Atemregler mit Mundstücken, die allesamt ordentlich nebeneinander hängen. Flaschen stehen in einer Metallbox, andere vor dem Hochdruckkompressor. „Diese Pressluftflaschen müssen noch befüllt werden. Die in der Box sind allesamt schon voll“, sagt Frank Schubert. Dazu schiebt der Leiter der Tauchsportabteilung des Segel-Surf-Clubs Kempen (SSCK) gleich einen Punkt hinterher, der vielen Menschen nicht bekannt sind. Es wird mit reiner Umgebungsluft getaucht, die einen Sauerstoffgehalt von 21 Prozent hat. „Viele meinen, in den Flaschen sei reiner Sauerstoff, aber das stimmt nicht. Sie werden mit normaler Umgebungsluft gefüllt“, klärt Schubert auf.

Die Flaschen haben ein Standardvolumen von zehn Litern mit 200 Bar. Das heißt, sie liefern 2000 Liter Luft für einen Tauchgang. Der Lungenautomat regelt in der ersten Stufe das Ganze auf zehn Bar, den sogenannten Mitteldruck, herunter. Für die zweite Stufe sorgt das Mundstück. Voll ausgerüstet mit Flasche, Lungenautomat samt Mundstück und Tarierjacket kommen für den Taucher gut 20 Kilogramm Gepäck zusammen.

Getaucht wird das ganze Jahr über im Königshüttesee. „Wir beenden die Saison am 31. Dezember um 12 Uhr mittags und starten die neue Saison am 1. Januar zur gleichen Zeit“, bemerkt Schubert lachend. Wobei die Taucher im Winter anstelle der Neoprenanzüge Trockentauchanzüge nutzen. Wenn der ausgebildete Rettungstaucher von Tauchgängen im heimatlichen See spricht, dann leuchten die Augen. Schwerelos durchs Wasser gleiten und die Unterwasserwelt beobachten, bedeutet für ihn Entspannung pur. Es sei unbeschreiblich schön, wenn man inmitten eines Schwarms von jungen Barschen unterwegs sei oder Süßwasserkrebse und -schwämme betrachte, erzählt der Taucher. Das sei ein Gefühl, als wenn man in der Karibik tauche.

Von der 80 Hektar großen Wasserfläche nutzt der SSCK 60 Hektar. Der See selber zeichnet sich durch überdurchschnittlich gute Sichtverhältnisse aus. „In 20 Meter Tiefe kann man noch ohne Lampe tauchen. Für die Fortbewegung ist es ausreichend hell“, beschreibt Schubert die Situation unter Wasser. Die durchschnittliche Wassertiefe des Königshüttesees liegt bei 20 Meter. Dazu kommen Mulden, in denen es bis zu 25 Meter tief hinuntergeht. Wenn die Wassertemperatur im oberen Bereich im Sommer bei 20 bis 21 Grad liegt, so wird es merklich kühler, wenn es in die Tiefen geht. Ab sechs Meter wird es kalt. In der Tiefe liegen die Temperaturen zwischen sechs und sieben Grad.

Los ging es mit dem Tauchen am Königshüttesee vor rund 25 Jahren. Willi Steffes, langjähriger Vorsitzender des Vereins, besaß einen Tauschsportladen. Segler des Vereins bekundeten ihr Interesse, Tauchen zu lernen. „Willi und ich kümmerten uns um die Ausbildung, wobei es damals rund zehn Segler waren, die unter Wasser gingen“, erinnert sich Schubert. Das Interesse wuchs, und die Abteilung Tauchen innerhalb des SSCK wurde ins Leben gerufen. Heute zählt die Tauchsport-Abteilung 100 Mitglieder, wovon 60 aktiv tauchen. Die Abteilung bietet auch die Ausbildung an. Ab 14 Jahren kann mit diesem Sport angefangen werden. Einsteigen ist indes in jedem Alter möglich. Schwimmen können ist dabei eine Voraussetzung. Dazu kommt eine Tauch-Tauglichkeitsuntersuchung eines Sportarztes, denn für den Sport unter Wasser muss man körperlich fit sein. Die Ausbildung läuft in der Regel über ein halbes Jahr, wobei im Winter die Theorie und im Sommer die Praxis ansteht. In Sachen theoretischem Wissen sind unter anderem Tauchphysik, -medizin und -sprache auf dem Lehrplan zu finden.

In der Praxis verbringen die Schüler die meiste Zeit damit, das Tarieren zu üben. Das heißt, es geht um den Ausgleich von Auf- und Abtrieb, der das Schweben in der gewünschten Wassertiefe möglich macht. Die Tarierweste kann dazu mit Luft gefüllt und entleert werden. Was sich so einfach anhört, ist eine kleine Kunst. Ein Tauchkurs inklusive Prüfungsgebühren und Leihausrüstung kostet rund 300 Euro. Mitzubringen ist lediglich die eigene ABC-Ausrüstung. Wobei die für Brille, Schnorchel und Flossen steht. Bevor sich jemand für eine Tauchausbildung , kann er oder sie beim SSCK in den Sport hineinschnuppern.

Auf dem rund 100 Hektar großen Areal des Segel-Surf-Clubs Kempen an der Scheifeshütte sind die Abteilungen Segeln, Surfen, Tauchen und Angeln zu finden. Eine aktive Mitgliedschaft liegt für Erwachsene bei 124 Euro pro Jahr. Von sechs bis 18 Jahren sind es 62 Euro. Eine passive Mitgliedschaft kostet 62 Euro. Nähere Informationen zum Verein gibt es im Internet unter: www.ssck.de.