Erkelenz: Kabarett auf Niederrheinisch

Erkelenz : Kabarett auf Niederrheinisch

Stefan Verhasselt überzeugte in der Stadthalle mit seinem vierten Kabarettprogramm und gutem Gefühl für lokale Besonderheiten.

Feiner Humor vom Niederrhein - im dritten Kabarettzyklus der Erkelenzer Kultur GmbH gastierte der Kabarettist Stefan Verhasselt mit seinem inzwischen vierten Tourprogramm "Wer kommt, der kommt - Kabarett 4.0" in der Stadthalle. Gekonnt, pointiert und charmant analysierte er Alltagssituationen und nahm die sprachlichen Eigenheiten am Niederrhein aufs Korn. Seine scharfen Beobachtungen sorgten nicht nur für jede Menge Lacher, so mancher Zuschauer erkannte sich "stickum" selbst in Verhasselts komödiantischen Weisheiten.

Rund 200 Gäste lauschten gebannt von ihren Tischen im Saal, während Stefan Verhasselt auf der Bühne über die Schwierigkeiten des digitalen Flirtens im Zuge der neuen Datenschutzverordnung sinnierte, oder darüber, dass sich jeder gerne ein Hintertürchen in allen Bereichen des Lebens offen hält - sei es nun bei der Parkplatzsuche oder der vagen Zusage zu einer Geburtstagsfeier. Sich festzulegen sei aus der Mode gekommen, schließlich könnte es ja immer noch schöner, besser oder günstiger kommen. Kunstgerecht spann er unterhaltsame Geschichten um kleinste Fragen und Gedanken und nahm sich dabei selbst genau so wenig ernst wie seine zahlreichen Protagonisten.

Nicht zu kurz kam der heitere Gebrauch des Niederrhein-Jargons. Kindheitserinnerungen an Sonntagsmahlzeiten und Verdauungsspaziergänge wurden kurzerhand an die hiesige Steigerung von "neu" angeknüpft - das flammneue lindgrüne Jäckchen gehöre schließlich ausgeführt. Noch dazu gebe es nur ganze Tische, schließlich mache man am Niederrhein keine halben Sachen. In ständiger Interaktion mit dem Publikum und mit schauspielerischen Einlagen gespickt, reflektierte er über Urlaubsklassiker, ungeschriebene Gesetze in Restaurants und die unerkannten Gefahren des Rucolasalats sowie die fachmännische Verwechslung von Fremdwörtern und schamlose niederrheinische Fake News. Mit seinen Anekdoten zu Gutmeinern und Richtigmachern, "Zu-Früh-Aufstehern" und "Zu-Spät-Entscheidern", Political Correctness und Eltern im WhatsApp-Wahn begeisterte und unterhielt er auf ganzer Linie und wurde am Ende mit lautem Applaus und Zugaberufen entlohnt.

Mit "Wer kommt, der kommt" feierte Verhasselt im Januar 2016 Premiere. Es sei aber ganz sicher nicht sein letztes Programm - wenn er mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehe, gäben seine Alltagsbeobachtungen stets reichlich Inspiration für neue Programmideen.

Der für den WDR tätige Moderator habe das Kabarett nach einer Tätigkeit bei einem Hamburger Radio für sich entdeckt, sagte er. Gegen das Heimweh habe der gebürtige Straelener Hanns Dieter Hüschs Niederrhein-Geschichten auf Kassette gehört. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte Verhasselt im WDR eigene Niederrhein-Geschichten und erfuhr durchweg positive Resonanz - "Das haben Sie nun davon", kommentierte er lachend. Seit zwölf Jahren tourt Stefan Verhasselt als Kabarettist über deutsche Bühnen und besticht immer wieder durch seinen Humor mit Lokalkolorit.

(kasc)
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