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Den Chören in Kempen fehlt das gemeinsame Musizieren

Kempener Sängern fehlt das gemeinsame Musizieren : Chorleben leidet unter Corona-Bestimmungen

Wegen der Corona-Pandemie finden derzeit eingeschränkte oder nur virtuelle Chorproben über das Internet statt. Doch den Mitgliedern in Kempen fehlt mehr als das gemeinsame Musizieren.

Der Evensong, das musikalische Abendlob Mitte Juni in St. Hubert, hat gezeigt, wie sehr den professionellen Sängern und auch den Zuhörern das öffentliche Musikleben fehlt. Die ersten Gottesdienste nach dem Corona-Lockdown haben bereits wieder stattgefunden – aber nur mit Orgelklang und dem Sologesang des Organisten Christian Gössel. Gemeindegesang ist derzeit noch offiziell verboten.

Im Katholischen Kirchengemeindeverband Kempen/ Tönisvorst finden nun schon seit vielen Wochen auch keine Chorproben mehr statt. „Mit den Chören ist es noch nicht wieder möglich zu proben. Die Bestimmungen sind noch derart hoch, dass es zur Zeit noch keine realistische Option ist, zumal viele der Sängerinnen und Sänger der Risikogruppe angehören“, sagt der Kantor. Vielleicht sei es möglich, wenigstens mit Kleingruppen im Herbst wieder anzufangen.

Doch es ist mehr als „nur“ das gemeinsame Musizieren, das den Laienchören fehlt, berichtet Gössel. Diese Gemeinschaft bedeute den Sängern mehr, als ein gemeinsames Hobby auszuüben. „Dies kann zur Zeit kaum ersetzt werden“, sagt Gössel, was vielleicht auch eine wertvolle positive Erkenntnis sei. „Doch ich versuche auch, je nach Chor, durch Online-Treffen den Zusammenhalt weiter zu stärken“, berichtet der Organist und nennt ein Beispiel: Mit den Mitgliedern seines Chors „Good News“ habe er sich ein paar Mal für eine Videokonferenz getroffen, man habe sich ausgetauscht. „Dann habe ich Stücke am Klavier vorgesungen, und jeder konnte zu Hause mitsingen“, berichtet Gössel. „Leider ohne die anderen hören zu können, aber ein kleiner Ersatz und gut fürs Chorgefühl.“

Doch das ist für den Chorleiter genauso wenig wie für die begeisterten Sänger ein Dauerzustand. Trotz aller Technik und Unterstützung, die den Einzelnen zur Verfügung stehen mag – gleichzeitiges Singen funktioniert so nicht. „Vielleicht ändert sich nach der Corona-Zeit ja auch noch mal die Wahrnehmung und damit der Stellenwert von realem, gemeinsamem Musizieren“, hofft Gössel.

Mit den Vorgaben der nordrhein-westfälischen Corona-Schutzverordnung und den Empfehlungen der Evangelischen Kirche im Rheinland muss sich Stefanie Hollinger in der Evangelischen Kantorei genauso arrangieren. „Das klingt besser, als es ist. Von Chorsingen, wie wir es gewöhnt sind, kann noch keine Rede sein“, meint sie.

Neben Noten und Taktstock gehört jetzt auch für sie das Metermaß zur aktuellen Ausstattung einer Kantorin. Da muss von jedem Sänger der Kleinstgruppe ein Seitenabstand von drei Meter und ein Abstand nach vorn von vier Meter eingehalten werden. So wird die Stimmbildung mit Sicherheitsabstand stattfinden, was die Sänger aber vor eine recht große Herausforderung stellt, da sie es gewohnt sind, musikalische Unterstützung aus ihrer direkten Nachbarschaft zu erhalten. Doch davor scheint sich niemand zu fürchten, denn die Gruppen für die halbstündige Stimmbildung waren schnell mit Teilnehmern gefüllt.

Auch die Bläser des Posaunenchors freuen sich auf erste Proben. Sie haben noch Extraauflagen zu erfüllen. Neben dem Sicherheitsabständen der erlaubten sechs Personen müssen sie das Kondenswasser aus ihren Instrumenten direkt in ein Tuch geben, das nach der Probe entsorgt werden muss. Außerdem müssen die Schalltrichter der Blechblasinstrumente mit einem dicht gewebten Tuch abgedeckt werden.

Die Kontaktpflege war für die Kantorin auch wichtig: „Ich habe in den vergangenen Monaten versucht, per Telefon, E-Mail oder Whatsapp mit den Menschen in Kontakt zu bleiben. Das war auch sehr schön, kann aber das Zusammensein und zusammen Musizieren nicht ersetzen“, sagt sie.

Doch die Kinder und Jugendlichen dürfen noch nicht zum gemeinsamen Musizieren – auch nicht in Kleinstgruppen – kommen. „Wir warten mal ab, wie sich unsere Versuche mit den Erwachsenen bewähren und auch, wie die Pandemie sich hier bei uns entwickelt. Man kann ja zur Zeit immer nur auf Sichtflug arbeiten“, sagt Hollinger