1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen

Brandschutz in Grefrath: Früherziehung für Kindergartenkinder

Brandschutz in Grefrath : Was Kinder über Feuer wissen müssen

Früherziehung zum Thema Brandschutz — für den Löschzug Mülhausen auch in diesem Jahr ein Muss. Alle sechs Grefrather Kitas kamen zum Einsatzort an der Burg Uda. Es gab viele wichtige Informationen.

Manfred Wolfers jun., Christopher Mülders und André Lennackers können kurz einmal durchschnaufen. Ein kühles Getränk, ein Häppchen Pizza, da sehen die drei Feuerwehrmänner der Freiwilligen Feuerwehr Mülhausen schon die nächste Kindergartengruppe: Die Kita St. Vitus, geführt von den Erzieherinnen Julia Gorgs und Simone Spielmann, ist im Anmarsch. Immer wieder nimmt sich die Freiwillige Feuerwehr die Zeit, und wie in diesem Fall auch Urlaub, um Kindergartenkinder über das Thema Brandschutz zu informieren. Alle sechs Kitas in Grefrath machen an diesem Tag der Früherziehung mit. Treffpunkt ist die Holzhütte am Parkplatz der Burg Uda.

Die St.-Vitus-Kinder nehmen genau hier Platz. Die Fünf- und Sechsjährigen lassen gemütlich die Beine baumeln. „Hattet ihr einen schönen Spaziergang?“, fragt Wolfers jun. Ein lautes und einhelliges „Ja“. „Wollt ihr gleich die Feuerwehrautos sehen?“ „Jaaaa!“ „Wollt ihr gleich einen Brand löschen?“ Staunend und zögernd und ein wenig ratlos antworten die Kinder mit einem eher leisen „Uuuh“. Droht da etwa Gefahr? „Wir tun doch nur so, als ob es brennt“, sagt Wolfers jun.

 Es funktioniert: Im Hintergrund wird fleißig Wasser gepumpt, vorne das vermeintliche Feuer gelöscht.
Es funktioniert: Im Hintergrund wird fleißig Wasser gepumpt, vorne das vermeintliche Feuer gelöscht. Foto: Norbert Prümen
  • Die Feuerwehr ist in Ohligs im
    Feuerwehreinsatz in Solingen : Rauchsäule über Ohligs nach einer Explosion
  • Nur noch die Grundrisse sind zu
    Erst Hitze, dann Waldbrand : Feuer zerstört kanadische Ortschaft fast komplett
  • Die Feuerwehr konnte den Mülltonnenbrand rechtzeitig
    Kleve-Kellen : Feuer drohte auf Kellener Pfarrheim überzugreifen

Dann steigt er ohne Umschweife ins Thema ein. Er stellt deutlich heraus, dass das Wichtigste ist, dass man weiß, welche Nummer man wählen muss, wenn es doch einmal brennt: die 112. Wissen die Kinder, wo das Telefon steht? Können sie schon mit einem Handy umgehen? Aber ganz wichtig: Wissen die Kinder, wo sie wohnen? Als Wolfers jun. in die Runde fragt, kommen die Antworten ein wenig zögerlich. Aber mit Hilfe der Erzieherinnen können alle ihre Adresse nennen. „Wir üben das ganz oft“, sagt Simone Spielmann, „eben, weil es ganz wichtig ist.“ Wolfers jun. fasst zusammen: „Wenn es brennt, die 112 anrufen, den Namen und Adresse sagen, erzählen, was passiert ist, ganz ruhig bleiben und vor allem nicht auflegen und zuhören, ob die Person am anderen Ende noch Fragen hat.“ Schließlich wisse die Feuerwehr nicht, was genau passiert ist.

 Die Kita-Kinder von St. Vitus beobachten, wie Manfred Wolfers jun. den Hydranten aufdreht.
Die Kita-Kinder von St. Vitus beobachten, wie Manfred Wolfers jun. den Hydranten aufdreht. Foto: Norbert Prümen

Weil die Feuerwehrmänner und -frauen nicht immer im Gerätehaus auf den nächsten Einsatz warten, sondern auch ganz normale Berufe haben, werden sie durch einen Piepser informiert, ob und wo es brennt. „Ganz schön laut“, meint Christoph, als Wolfers jun. den Piepser in Gang setzt. „Dieses kleine Gerät haben wir Feuerwehrleute immer dabei“, erklärt Wolfers, „Tag und Nacht.“

 Ganz schön schwer, so eine Kübelspritze, aber gemeinsam schleppen die Kinder das Gerät zum Einsatzort.
Ganz schön schwer, so eine Kübelspritze, aber gemeinsam schleppen die Kinder das Gerät zum Einsatzort. Foto: Norbert Prümen

Jetzt hat Christopher Mülders seinen Auftritt. In rasantem Tempo zieht er sich vor den Augen der Kinder die Feuerwehrkluft an. Feste Stiefel mit verstärkter Stahlkappe, eine Hose und eine Jacke mit vielen Streifen, die das Licht reflektieren, damit man die Feuerwehr gut erkennen kann, auch wenn es dunkel ist. Dann die Handschuhe, den Helm mit Visier und schließlich noch eine Atemschutzmaske und eine Sauerstoffflasche auf dem Rücken. Die Kinder staunen: Das ging ja schnell.

Wolfers jun. will nun wissen, ob die Kinder zu Hause schon einmal einen Rauchmelder gesehen haben. Die Kinder nicken mit dem Kopf. „Wenn es brennt und raucht, dann piepst der Rauchmelder richtig laut“, erklärt Wolfers jun und gibt den Kinder den Auftrag, zu Hause nachzusehen, wo die Rauchmelder angebracht sind und wie viele es sind. „Ich schlafe immer ganz fest“, wendet Diego ein, aber der Feuerwehrmann ist sich sicher: „Davon wirst du wach.“ Ganz klar wird, dass diese Rauchmelder Leben retten können.

Wo im Haus ein Feuer ausbrechen kann, zeigt Wolfers jun. auf Fotos: Wenn das Bügeleisen nicht hochgestellt wird, falls jemand an der Tür klingelt, wenn eine noch brennende Zigarette in den Papierkorb geworfen wird, wenn ein Kabel von einer Lampe, Toaster oder einem anderen Elektrogerät kaputt ist, wenn man ein Küchentuch auf einem noch heißen Herd liegen lässt – immer dann ist die Gefahr groß, dass ein Feuer ausbricht. Wie kann man ein kleines Feuer ausmachen? „Mit Wasser“, das weiß Hannah. „Mit Sand“, sagt Marie. „Stimmt“, sagt Wolfers jun., „und manchmal benutzt die Feuerwehr auch Schaum. Aber das entscheiden wir, wenn wir am Brandort sind.“

Die Feuerwehr hat zwei Fahrzeuge mitgebracht. Der Reihe nach klettern die Kinder auf die Vordersitze, testen, ob das Blaulicht funktioniert, prüfen, ob das Martinshorn laut genug ist. Dann laufen alle zu einem Waldstück nah der Burg Uda. Die Kinder schleppen eine Kübelspritze, einen Hydrantenschlüssel, ein Standrohr und einen Schlauch zum Einsatzort. Wolfers jun. erklärt, woher man weiß, wo sich der Hydrant befindet, und zeigt auf die Hinweisschilder am Rand des Weges. „Zehn Meter“ steht auf dem Schild, und die Kinder erkennen auch, in welche Richtung sie gehen müssen. Aus diesem Hydranten soll also das Wasser kommen, mit dem man ein Feuer löschen kann. Diego schaut noch ein wenig skeptisch: Ob das wirklich funktionieren kann?

Dann wird’s spannend: Deckel vom Hydranten hochziehen, Standrohr auf den Hydranten schrauben, mit dem Schlüssel aufdrehen, die Kübelspritze mit Wasser füllen, Schlauch anschließen: „Wasser Marsch“. Tüchtig drücken die Kinder die Pumpstange nach unten und ziehen sie wieder hoch. Und tatsächlich, vorne am Schlauchende spritzt das Wasser auf die Stelle, wo in Wirklichkeit gar kein Feuer brennt. Nun heißt es, alles wieder abbauen, Schlauch einrollen, Hydranten verschließen und alle Geräte wieder zurück zu den Feuerwehrautos schleppen.

„Toll gemacht“, lobt Wolfers jun. Alle Kinder erhalten eine Urkunde und einen leuchtenden Aufkleber für ihre Kinderzimmertür: den „Kinderretter“. „Dann wissen die Feuerwehrleute, wo ihr seid. Das ist doch wichtig“, erklärt der Feuerwehrmann. „Wir werden natürlich in der Kita noch einmal über diesen Tag sprechen“, sagt Julia Gorgs. Schon kommt die nächste Gruppe, die Kita St. Heinrich aus Mülhausen ist im Anmarsch. Wie wichtig Informationen schon für jüngere Kinder zum Thema Brandschutz ist, will Manfred Wolfers jun. mit diesem Tag der Früherziehung in den Fokus rücken: „Die Kinder sollen wissen, was eigentlich ein Notruf ist,  wie man sich richtig verhält, wenn es brennt oder wie die Feuerwehr überhaupt funktioniert.“