Kaarst: Stadt lehnt größere Windkraftanlage ab

Kaarst: Stadt lehnt größere Windkraftanlage ab

Die NRW-Landesregierung setzt auf Energie aus Windkraft. Die Kaarster Stadtverwaltung sieht keinen Handlungsbedarf.

Die St.-Aldegundis-Kirche inmitten von mehreren Windrädern ist ein bekanntes Panorama am Horizont, das sich vor allem von Holzbüttgen aus kommend bietet. Die Anlagen stehen aber nicht in Kaarst, sondern an der Stadtgrenze auf Korschenbroicher Gebiet. Der Windradpark Kaarst wurde zwischen 2006 und 2008 nördlich der Autobahn A52 errichtet.

Die sechs Windräder leisten insgesamt zwölf Megawatt und können damit rund 6800 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen. Nun möchte die nordrhein-westfälische Landesregierung den Anteil der Erneuerbaren Energien verstärkt ausbauen und hat hierfür eine Potenzialstudie in Auftrag gegeben. Der erste Teil des Fachberichts richtet sein Augenmerk auf die Windenergie: Ihr Anteil an der Stromversorgung in NRW soll von derzeit knapp vier Prozent auf mindestens 15 Prozent im Jahr 2020 steigen.

Verschiedene Szenarien gibt die Studie auch für das Stadtgebiet Kaarst vor, die von der Stadtverwaltung analysiert wurden. Sowohl das "NRW-alt"-Szenario als auch das NRW-Leitszenario geht für Kaarst von einer Potenzialfläche von 47 Hektar bei einer installierbaren Leistung von 15 Megawatt aus. Das "NRW-Plus"-Szenario, welches auch bisherige Tabu-Zonen wie Mischwaldflächen einschließt, strebt eine Fläche von 68 Hektar bei 15 Megawatt an. Die Konzentrationszone an der A52 erstreckt sich über 72 Hektar und erfüllt damit die Vorgaben der Landesregierung. Lediglich die angestrebte installierbare Leistung weist eine Reserve von drei Megawatt auf. Eine Steigerung wäre nur über sogenanntes Repowering der bestehenden Anlagen möglich.

Der Windradpark Kaarst gehört dem australischen Unternehmen Babcock & Brown Wind Partners und wird betrieben von der Plambeck Neue Energie AG (PNE) aus Cuxhaven. Knapp 20 Millionen Euro wurden in die sechs Anlagen inklusive Infrastruktur investiert. "Die Gesamtinvestition amortisiert sich nach zehn bis elf Jahren", sagt PNE-Sprecher Rainer Heinsohn. Ein eventuelles Repowering der Anlagen sei allein deshalb für die kommenden Jahre nicht geplant.

"Wir müssten dazu das alte Windrad abbauen und durch ein moderneres ersetzen. Nach heutigem Stand der Technik wäre eine Leistung von drei Megawatt und mehr möglich, allerdings würden die Anlagen dann auch größer", erklärt Heinsohn.

Die sechs Windräder im Kaarster Norden erreichen mit einer Gesamthöhe von 135 Meter die maximale zustimmungsfreie Höhenbegrenzung. Der Rotor hat einen Durchmesser von 80 Metern. Aufgrund der Nähe zum Flughafen Düsseldorf sei auch deshalb die Errichtung größere Anlagen unwahrscheinlich, heißt es im Verwaltungsbericht.

Die ausreichende Dimensionierung der bestehenden Konzentrationsfläche wird durch die Potenzialstudie untermauert. Handlungsbedarf besteht darum aus Sicht der Stadt derzeit und zukünftig nicht. Die Errichtung von Windkraftanlagen und das Repowering empfiehlt sie nur im bestehenden Windradpark Kaarst.

Eine zusätzliche Fläche an anderer Stelle lehnt sie aus städtebaulichen und landschaftsplanerischen Gründen sowie aufgrund einer negativen Beeinflussung des Landschaftsbilds ab.

(NGZ/rl)
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