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Kaarst: Geschichten aus der Dombauhütte Köln

Kaarst : Geschichten aus der Dombauhütte Köln

Zwölf Jahre lang leitete Barbara Schock-Werner die Kölner Dombauhütte. In St. Martinus erzählte sie von ihrer Arbeit.

Sie war jahrgangsbeste Absolventin der Fachhochschule Stuttgart im Studienfach Architektur, trotzdem wurde sie als Preisträgerin übergangen. Sie wurde, als sie stolperte, galant von Ex-US-Präsident Bill Clinton aufgefangen, wurde wegen eines "suizidgefährdeten Hundes" nachts aus dem Bett geklingelt und hatte auch sonst einiges zu erzählen: Barbara Schock-Werner war von 1999 bis zum Sommer vergangenen Jahres Dombaumeisterin des Kölner Dom.

Auf Einladung der Ortsgemeinschaft Kaarst im Bundesverband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) plauderte die 65-Jährige jetzt Pfarrzentrum St. Martinus aus dem Nähkästchen. Erzählte zum Beispiel die Geschichte von ihrem Professor, der sie gefragt hatte, ob sie statt eines Fachbuchs für Architektur nicht doch besser ein Kochbuch kaufen wolle.

Barbara Schock-Werner, die praktische Erfahrungen auf Baustellen gesammelt hatte, die neben Architektur auch Geschichte und Kunstgeschichte studiert hatte, aber ließ sich nicht unterkriegen. Die Frau, die eine "leichte Legasthenie" gestand und die schnell zu der Erkenntnis gelangt war, nie eine begnadete Architektin zu werden, brauchte 20 Minuten, als sie 1999 vor der Entscheidung stand, das Amt der Dombaumeisterin anzunehmen.

Sie erlebte in ihrer Amtszeit Bill Clinton als gebildeten Mann; sie machte Bekanntschaft mit einem kunsthistorisch versierten britischen Premierminister: Der ehemalige Regierungsschef Tony Blair hatte im Kölner Dom spontan einen Vortrag gehalten, der frei von Fehlern gewesen sei. Und noch heute muss Barbara Schock-Werner über einen Polizeibeamten mit ungewöhnlichen Fremdwörterkenntnissen lachen: Der hatte sie nachts aus dem Bett geklingelt, weil in der Dombauhütte "ein suizidgefährdeter Hund" liege.

Ausführlich ging die ehemalige Hüterin des Kölner Doms auf das umstrittene Kirchenfenster von Gerhard Richter ein. Sie hatte den Künstler als sehr bescheidenen Mann kennengelernt und sagte zu seiner Arbeit für den Dom ganz deutlich: "Das Fenster leuchtet auch an trüben Tagen ganz fantastisch. 80 Prozent der Besucher finden es ganz toll."

Ein besonders turbulenter Tag ist nach ihren Erzählungen der 6. Januar 2011 gewesen. Damals brach der 800 Kilogramm schwere Klöppel der Petersglocke ab. Eine Industrieschmiede bei Karlsruhe fertigte gratis ein neues Exemplar, das um 200 Kilo leichter ausfiel. Der weiche Spezialstahl stammt aus Siegen. Auf den Klöppel hat es 3000 Jahre Garantie gegeben.

Eine eindeutige Antwort hatte pensionierte Dom baumeisterin auf eine immer wieder gestellte Frage: Können Vibrationen, wie sie durch den U-Bahn-Bau entstehen, den Dom zum Einsturz bringen? Für die Referentin ist das unmöglich. Eine Lösung werde eine Überarbeitung der Schienenlagerung bringen, sagt sie. Das habe bei der Philharmonie auch geklappt.

(NGZ)